Tür an Tür mit dem vertrauten Feind

Eishockey  Bei der Eishockey-WM konkurrieren Falken-Trainer Alex Mellitzer und sein Verteidiger Jan Pavlu mit Österreich und Italien um den Klassenerhalt. Es deutet sich an, dass ein direktes Duell am Montag entscheiden muss.

Von Martin Peter

Die beiden Italiener Jan Pavlu (links) und Alex Lambacher. Foto: privat

Die kurzen Wege sind sie bei ihrem Verein gewohnt. Da trennt den Trainer der Heilbronner Falken und seine Spieler im Stadion einzig eine Tür. Doch die ist in der Regel offen. Anders in Bratislava: "Wir leben hier auch Tür an Tür", sagt Jan Pavlu mit Blick auf Alexander Mellitzer und seine Österreicher.

Doch in dem Fall liegen dazwischen Welten: die, zweier am Ende erbitterter Konkurrenten. Noch mehr als die Österreicher gelten die Italiener um Pavlu und Alexander Lambacher, der nach einer Saison bei den Falken voraussichtlich in die deutsche Eliteklasse wechseln wird, als Außenseiter.

Beide Teams wollen über dem Strich lassen

In der Gruppe B kämpfen der Falken-Trainer und sein Schützling mit ihren Teams um den Klassenerhalt in der Division I und wollen am Ende über dem Strich landen. Die Chance, dass es den beiden Nachbarn gelingt, ist relativ gering: Nur die Norweger sind annähernd schlecht gestartet, stehen noch immer mit null Punkten da.

Aber: Die drei Abstiegskandidaten treten noch gegeneinander an und Mellitzer, als Co-Trainer für Österreich vor Ort, macht sich da nichts vor: "Montag steigt gegen Italien das Entscheidungsspiel."

Der Trainer gegen seinen Verteidiger: Der eine wird dem anderen am Ende in die Suppe spucken. "Wir sind bei der WM nur Außenseiter. Abgesehen von den Spielen gegen Norwegen und die Italiener wollen wir in erster Linie mal lernen", sagt Mellitzer. Zwar seien auch seine Österreicher mit einigen Spielern gespickt, die neben der NHL in europäischen Topligen auflaufen.

Im Vergleich zum Gros der Konkurrenten ist das jedoch wenig: "Du siehst hier einfach die Besten der Besten", schwärmt Mellitzer noch unter den Eindrücken des glatten 0:5 gegen die Russen. "Es ist brutal, wie schnell die umschalten, wenn du gegen die im Forechecking unorganisiert bist, siehst du ganz schnell schlecht aus."

Die Niederlage war erwartbar

Doch seine Österreicher verkauften sich eingangs gut, bis zum Doppelschlag in der 35. Minute lagen sie nur mit 0:1 hinten, hatten ihre Chancen. "Wir hätten vielleicht ein, zwei Tore machen und das eine oder andere mehr verhindern können", findet Mellitzer. Die Niederlage jedoch war erwartbar. "Dass wir die Russen nicht hoch schlagen werden, haben wir vorher gewusst." Und auch Lettland, beim 2:5 Auftaktgegner, sei wie der Vizeweltmeister Schweiz ein anderes Kaliber.

Solche Kaliber waren es auch, die Pavlu und seinen Italienern zu schaffen gemacht haben. Dem 0:9 gegen die Schweiz folgt ein 0:8 gegen Schweden. "Es ging wahnsinnig schnell, das habe ich so noch nicht erlebt", gibt Pavlu zu, der in der Slowakei seine erste A-Weltmeisterschaft erlebt.

Der Sprung von einem durchschnittlichen DEL-2-Team zur Weltmeisterschaft ist dann doch riesig. Entsprechend sei er vor der Premiere gegen die Eidgenossen "auch sehr nervös" gewesen. Da habe sein Zimmer- und bisheriger Teamkollege in Heilbronn, Alex Lambacher, es schon besser. "Er hat immerhin eine A-WM gespielt", sagt der 24-Jährige Pavlu über Lambacher.

Pavlu setzt auf einen Entwicklungsprozess

Gegen die Schweden lief es trotz des 0:8 schon besser für seine Italiener, "wir hatten schon mehr Selbstvertrauen", sagt Pavlu mit Blick auf die ersten beiden Drittel. Dass es für sein nach vier Spielen noch torloses Team schwer wird, die Klasse zu halten, sei allen klar. Jan Pavlu setzt daher auf einen Entwicklungsprozess, ganz nach dem Beispiel des vertrauten Feindes nebenan. "Vielleicht gelingt es uns wie Österreich, uns ein paar Jahre in der Topdivision zu halten." Mit Glück reicht dafür ein Sieg gegen seinen Vereinstrainer.

 


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