Schwache Falken verlieren Derby gegen Bietigheim

Eishockey  Die 2:5-Pleite gegen die Bietigheim Steelers ist die dritte Niederlage in Folge für die Heilbronner Falken. Verteidiger Brady erzielt beide Treffer für die Gastgeber.

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Schwache Falken verlieren Derby gegen Bietigheim

Die Szene, die zum 0:3 führte: Corey Mapes (links) kann Guillaume Leclerc nur noch unfair stoppen, die Schiedsrichter entschieden auf Penaltyshot, den der Franzose verwandelte.

Foto: Andreas Veigel

Echte Derbyatmosphäre kam am Sonntag in der ausverkauften Kolbenschmidt-Arena höchstens vor Spielbeginn auf. Ansonsten plätscherte das sonst so brisante Duell zwischen den Falken und den Steelers über 60 Minuten dahin. Die Gäste verteidigten ihre frühe Führung, den Gastgebern fiel ganz wenig ein. So durften am Ende die Steelers verdient mit 5:2 (2:0, 1:1, 2:1) den ersten Derbyerfolg dieser Saison und ein Sechs-Punkte-Wochenende feiern. Für die Falken war es dagegen die dritte Niederlage in Folge.

"Wir waren in den Zweikämpfen zu wenig präsent", bemängelte Alexander Mellitzer. Außerdem monierte der Falkencoach die zu geringe Laufbereitschaft und das fehlende Spiel hinter die gegnerischen Linien. Eigentlich fehlt es an allem.

Den Falken unterlaufen viele Abspielfehler

Es ging schon verhalten los. Beide Teams brauchten ein Anlaufzeit. Den Falken missfiel das Forechecking der Steelers, das viele Abspielfehler im Aufbauspiel evozierte. Ein Problem, das schon am Freitag für die 2:4-Niederlage in Crimmitschau verantwortlich war. Und auch gegen die Steelers wurde das pomadige und körperlose Auftreten schnell bestraft. Gleich im ersten Überzahlspiel wanderte die Scheibe schnell durch die Steelers-Reihen und beim letzten Pass landete sie mit ein bisschen Glück bei Myles Fitzgerald. Der Neuzugang musste für seinen ersten Treffer im Steelers-Trikot nur noch den Schläger hinhalten (8. Minute).

Einziger wirklicher Aktivposten bei den Falken war Bryce Gervais, der in der zehnten Minute eine Topchance liegenließ. Kurze Zeit später legten die Steelers nach, ganz simpel nach einem Bully. Die Scheibe kam zu Max Prommersberger - und der Verteidiger zog trocken ab. Matthias Nemec im Falkentor hatte keine Sicht und die Scheibe schlug zum 2:0 ein (12.). Effektive Steelers führten verdient. Die Falken wurden zwar nach einem passablen Überzahlspiel in der Schlussphase des ersten Drittels gefährlicher, insgesamt war das aber zu wenig, um die Wende einzuleiten.

Pierre Preto vergibt große Chance zum 1:2

Im Mitteldrittel lief es nicht besser für die Gastgeber. Pierre Preto ließ die Chance zum Anschluss aus. Allein vor Stephon Willliams zögerte der Stürmer zu lange mit seinem Abschluss (23.). Ansonsten verteidigten die Steelers weiterhin geschickt, brachten auch nach Scheibenverlusten immer genügend Spieler hinter den Puck, so dass die Falken nie in numerischer Überzahl nach vorne kamen.

Und immer noch unterliefen ihnen zu viele Fehlpässe. Einer von Tim Miller ging ins Auge. Corey Mapes konnte den Lapsus nur noch mit einem Foul in höchster Not ausbügeln. Den fälligen Penaltyshot nutzte Guillaume Leclerc zum 0:3 (27.).

Jetzt war eine Reaktion der Gastgeber gefragt, wollte man das Derby nicht sang- und klanglos herschenken. Die Antwort kam schnell. In Überzahl traf Ian Brady mit einem überlegten Schuss zum 1:3 (28.). Endlich gab es mal für die Mehrzahl der Fans in der Kolbenschmidt-Arena was zu jubeln.

Doch mehr kam bis zum Drittelende nicht dazu. Die Falken liefen zwar immer wieder an, waren aber zu wenig zwingend und zu wenig überraschend. Leichtes Spiel für diszipliniert verteidigende Steelers.

Falken verpassen das 2:3 und kassieren das 1:4

Randale vor der Partie

Vor dem Eishockey-Derby kam es am Sonntagnachmittag zu Ausschreitungen in einer Heilbronner Sportsbar.  Mehr dazu ...

Zu Beginn des Schlussdrittels mussten die Falken erst einmal eine Rest-Strafzeit gegen Tim Miller überstehen. Kaum war das gelungen, folgte die sinnbildliche Szene des Spiels. Der einzig wirklich agile Falke, Gervais, tankte sich alleine durch, verpasste aber den 2:3-Anschlusstreffer und im Gegenzug fiel das 1:4. Norman Hauner war gedankenschneller als die Falken-Verteidigung.

Damit war der Derby-Drops gelutscht. Brady, dessen Eltern in der Halle zuschauten, durfte ein zweites Mal in Überzahl jubeln. Die Falken nahmen nun Goalie Nemec vom Eis, setzen alles auf eine Karte. Doch nur 24 Sekunden nach dem 2:4 traf Nicolai Goc mit einem Empty-Net-Goal zum 5:2-Endstand. Auch für ihn war es das erste Tor im Steelers-Trikot.

 


Tor: Nemec, Schickedanz; Abwehr: Maschmeyer - Pavlu, Götz - Brady, Mapes - Maginot, Wirth; Angriff: Della Rovere - Damon - Savilahti, Koch - Wruck - Gervais, Soramies - Miller - Preto, Möller - Klos - Brune.

Tore: 0:1 (8.) Fitzgerald, 0:2 (13.) Prommersberger, 0:3 (27.) Leclerc, 1:3 (28.) Brady, 1:4 (42.) Hauner, 2:4 (57.) Brady, 2:5 (57.) Goc

Strafminuten: 10/10.

Schiedsrichter: Martin Holzer, Christian Oswald.

Zuschauer: 3500 (ausverkauft).

 

Gervais: "Es gibt keinen Grund zur Panik"

Bryce Gervais war einer der wenigen Lichtblicke bei den Falken im Derby gegen die Bietigheim Steelers. Unser Redakteur Stephan Sonntag hat nach dem Spiel mit dem 27-jährigen Kanadier gesprochen.

 

Herr Gervais, was ist heute schiefgelaufen?

Bryce Gervais: Wir haben nicht genügend Chancen kreiert, waren nicht zwingend genug, haben die Pucks nicht sauber gespielt. Wir haben einfach nicht als Team gespielt, was uns bisher in der Saison ausgezeichnet hat. Aus den selben Gründen haben wir auch die vorangegangenen beiden Spiele verloren.

Fehlt zur Zeit einfach die Kraft?

Gervais: Nein, daran liegt es nicht. Wir sind ein junges Team, wir haben genug Energie. Wir müssen unsere Aufgaben wieder sauber ausführen.

Wie kommt das Team zurück in die Erfolgsspur?

Gervais: Jeder Spieler muss in den Spiegel schauen, seine Leistung hinterfragen und überlegen, was er besser machen kann, damit das Team wieder in die Spur kommt.

Sind die Falken in einer Krise?

Gervais: Nein, es gibt keinen Grund zur Panik. Kein Team in keiner Profiliga der Welt spielt über die gesamte Saison gleich gut. Ich verliere lieber jetzt mal drei Spiele hintereinander als in den Playoffs, wenn sich das kaum wieder gutmachen lässt.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig. 

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