Schlagkräftige Falken, angeschlagene Steelers

Eishockey  Die Falken werden vor dem DEL-2-Derby heute Abend in die Favoritenrolle gedrängt. Seit sechs Jahren haben die Heilbronner kein Derby mehr in Bietigheim gewonnen. Die schwarze Serie soll beendet werden.

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Schlagkräftige Falken, angeschlagene Steelers
Das erste Derby in dieser Saison endete mit einem 4:1-Sieg der Falken. Hier bejubeln Dylan Wruck und seine Kollegen den Treffer zum 1:0. Foto: Andreas Veigel

Es ist ziemlich genau sechs Jahre her, als die Falken zuletzt ein DEL-2-Derby in Bietigheim gewonnen haben. Am 2. November 2013 gab es einen 5:2-Sieg. Der Trainer? Ein gewisser Gerd Wittmann. Die Torschützen? Drei Mal Adriano Carciola und zwei Mal Frantisek Mrazek. Allein die Namen verdeutlichen schon: Seit einer gefühlten Ewigkeit haben die Falken keinen Dreier mehr aus der Ege-Trans-Arena mitgenommen.

Selten waren die Voraussetzungen für eine Ende dieser Serie günstiger, als vor dem Duell am Dienstagabend (20 Uhr). Die Steelers sind seit drei Spielen sieglos, stehen nur auf Rang neun der Tabelle. Der Trainerwechsel von Hugo Boisvert zu Marc St. Jean vor Wochenfrist hat noch keine Trendwende bewirkt. Der bisherige Co-Trainer hat auf dem Chefposten bisher zwei Niederlagen kassiert. Ein 5:7 in Dresden und ein 1:4 gegen Weißwasser. Selbst Steelers-Geschäftsführer Volker Schoch bemängelt im Vorfeld, dass der Trainer dem Team noch nicht seinen Stempel aufgedrückt habe und sein Team im Derby klarer Außenseiter sei.

Falken haben in die Erfolgsspur zurückgefunden

Auf solche Aussagen gibt Falkencoach Alexander Mellitzer nichts: "Die Bietigheimer wissen ganz genau, was ein Derbysieg bewirken kann. Sie haben viele erfahrene Spieler in ihren Reihen, für viele von unseren ist es das erste Derby in Bietigheim überhaupt." Doch nach den zwei Siegen gegen Bayreuth und gegen Tabellenführer Kassel scheinen die Falken wieder zurück in der Erfolgsspur zu sein. "Wir sind sehr diszipliniert aufgetreten", lobt Mellitzer.

Eine Szene im Spiel gegen Kassel belegte das augenscheinlich: In der 46. Minute schlug Huskies-Goalie Gerald Kuhn Falken-Verteidiger Marcus Götz ins Gesicht. Noch eine Woche zuvor im Spiel gegen Bad Tölz wäre die Situation bestimmt eskaliert. Doch was machte Götz? Nichts. Er gab dem Kollegen ein paar warme Worte mit und ließ sich von den Referees zur Spielerbank begleiten. Die Folge: Vier Minuten Überzahl für die Falken. "Das war entscheidend. Wir haben das Powerplay zwar nicht perfekt genutzt, aber es hat uns auf den Weg zum Sieg geführt", sagt Mellitzer.

Steelers-Cheftrainer hat eine Heilbronner Vergangenheit

Der Weg zum Sieg ist es, den die Steelers momentan nicht finden. Beim Debüt von St. Jean in Dresden - gegen seinen ehemaligen Heilbronner Coach Rico Rossi - dominierten die Steelers 40 Minuten, führten 4:1 und verloren das Spiel noch mit 5:7. Bei seinem Heimdebüt am Sonntag legten die Gastgeber kolossal los, gingen durch Norman Hauner nach 29 Sekunden in Führung, verloren nach dem 1:1-Ausgleich aber völlig den Faden und gingen 1:4 unter. "Zu gewinnen, ist ein Lernprozess", sagt St. Jean.

Schlagkräftige Falken, angeschlagene Steelers
Seit zwei Spielen Chef der Steelers: Marc St. Jean. Foto:imago-images/Baumann

Der 41-jährige Deutsch-Kanadier hat eine Heilbronner Vergangenheit. Die Falken waren 2004 in der Oberliga die erste Deutschland-Station des Verteidigers. 2009 kehrte St. Jean noch einmal zurück - allerdings nur für ein kurzes Gastspiel. Nach 24 DEL-2-Partien wechselte er zum damaligen Ligakonkurrenten Schwenningen. "Er hat sicherlich nicht das erfüllt, was wir uns von ihm erwartet haben", sagte Rossi damals.

Louis Brune kehrt in den Kader zurück

Die Aussage trifft auch auf seine bisherigen Auftritte als Chef hinter der Bande zu, obwohl die Steelers inzwischen fast wieder in Bestbesetzung antreten. Lediglich Kapitän Nikolai Goc ist noch nicht fit und mimt zumindest noch bis zum Wochenende den Co-Trainer. Bei der 1:4-Niederlage im ersten Derby in dieser Saison in Heilbronn hatten noch Goalie Stephon Williams, Verteidiger Tim Schüle sowie Alexander Preibisch gefehlt. "Das macht sie nochmal deutlich stärker", ist Mellitzer sicher. Der Falkencoach kann wieder auf Louis Brune zurückgreifen, der seine Grippe überstanden hat. Dadurch stehen den Heilbronnern komplette vier Sturmreihen zur Verfügung. Bleibt die Frage, wer anno 2019 die Rollen von Carciola und Mrazek übernehmen wird.

Steelers wollen in die DEL aufsteigen

Die laufende DEL-2-Saison genießt bei den Bietigheim Steelers keine Priorität. Der Fokus ist bereits auf die nächste Spielzeit gerichtet, wenn der DEL-2-Meister wieder in die DEL aufsteigen kann. Auch die Cheftrainerfrage soll erst mit Blick auf die nächste Saison beantwortet werden, der bisherige Co-Trainer Marc St. Jean wurde explizit als Interimslösung auf dieser Position bis maximal zum Saisonende benannt. Der Plan dahinter ist klar: Keine unnötigen Etatbelastungen durch teure Trainerwechsel, sondern jeden Cent ins große Projekt DEL-Aufstieg 2021 stecken.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig. 

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