Oktoberfestspiel der Falken: Die Wiesn steigt im Unterland

EISHOCKEY  Die Heilbronner Falken landen beim 4:3 im Oktoberfest-Spiel gegen die Bayreuth Tigers den sechsten Sieg in Folge, machen sich mit einigen Nachlässigkeiten aber selbst das Leben schwer.

Oktoberfestspiel der Falken: Die Wiesn steigt im Unterland

Da war der Topscorer der Falken zur Stelle: Dylan Wruck drehte das Spiel mit seinem Treffer zum 3:2 noch im ersten Drittel wieder in Richtung der Falken. Er traf trocken oben ins Eck.

Foto: Andreas Veigel

Sechster Sieg im sechsten Spiel in Folge: Die Heilbronner Falken haben ihren Siegeszug in der DEL 2 fortgesetzt und dem Motto des Abends gestern alle Ehre gemacht: Das Oktoberfest-Spiel gegen Bayreuth gewann das Team von Alexander Mellitzer knapp mit 4:3 (3:2, 1:0, 0:1) und verlegte damit die Wiesn kurzerhand ins Unterland. Die Bayern hatten logischerweise was dagegen, sie machten es Heilbronn bis zum Ende brutal schwer.

Fünf Tore, dazu wechselnde Führungen und eine ordentlich frequentierte Strafbank: Über Langeweile durfte sich im ersten Drittel wahrlich niemand im Kolbenschmidt-Festzelt beschweren. Die Falken mischten ganz vorne bei der Musik mit, das erste Powerplay nach nur 52 Sekunden schien aber noch ein wenig zu früh zu kommen. Die Falken waren noch nicht auf Betriebstemperatur, brachten nur wenig in Richtung Bayreuther Kasten zustande.

Maginot trifft mit einem satten Schuss von der blauen Linie

Als das Powerplay aber gerade zu Ende ging, gesellte sich noch ein weiterer Gästespieler in die Box, zehn Sekunden hatte Heilbronn nun doppelte Überzahl. Und die reichten eben locker aus: Das Bully gewonnen, zwei Mal gepasst, dann abgezogen: Schon stand es 1:0. Kevin Maginot hatte von der blauen Linie getroffen. Das aktuell beste Überzahlspiel der Liga hatte zugeschlagen. Direkt danach beinahe sogar noch ein zweites Mal, aber Stefan Della Rovere traf aus nächster Nähe nur den Pfosten. Dennoch: Die Party war gut angelaufen, die Stimmung auf den Rängen: bestens.

Das hielt auch eine Weile an, das Selbstvertrauen der Falken ließ keine Zweifel daran aufkommen, dass Treffer Nummer zwei nur eine Frage der Zeit sein würde. War ja auch so. Nur fiel der auf der anderen Seite. Einmal mehr in Überzahl, vertändelten die Falken die Scheibe an der blauen Linie - Ex-Falke Ville Järveläinen war auf und davon, traf zum 1:1. Sah sehr blöd aus, aber kein Drama. Eigentlich. Das blöde aber war, dass die seit fünf Spielen sieglosen Bayreuther eine Minute später nachlegten, Michal Bartosch wurde gut in Szene gesetzt - das Spiel war gedreht. Die Stimmung: komisch. Bayreuth spielte nun mutiger, doch genau in die Phase hinein schlugen die Heilbronner zurück. Marcus Götz setzte sich mit vollem Körpereinsatz gegen seinen Gegner durch, leistete die wichtige Vorarbeit zum 2:2 durch Bryce Gervais.

Das neue Unterländer "Mia san mia"

Mit diesem Treffer war auch das Selbstverständnis, das neue Unterländer "Mia san mia" wieder da. Die Falken ließen nicht mehr locker, bissen sich fest, das 3:2 war die logische Folge. Topscorer Dylan Wruck traf trocken in die kurze Ecke. Das 4:2 in Überzahl aber ließen die Falken liegen. Die Party auf den Rängen nahm trotzdem ihren Lauf. Die 20:6 Torschüsse waren praktisch eine Steilvorlage für den Pausenfüller "Hau den Lukas". Auf dem Eis aber wurde es im zweiten Drittel zäher. Die Partie sehr intensiv, sehr umkämpft, so leicht wollten sich die Bayern ihr Oktoberfest nicht klauen lassen. Dazu passte irgendwie, dass sich Heilbronn auch mit einem Spieler mehr nicht frei spielen konnte, die beste Chance gehörte Bayreuth, das bei einem zwei gegen eins Konter in Keeper Mirko Pantkowski seinen Meister fand. Bei eigener Unterzahl machten die Falken dafür einen ordentlichen Job, hielten sich beim ersten Mal schadlos - und schlugen beim zweiten Mal eiskalt zu. Bei einem 2:1-Konter passte Dylan Wruck quer auf Alex Nikiforuk, der das 4:2 erzielte (34.). Sauber herausgespielt, von den Fans gefeiert.

Die Gäste hätten im Anschluss fast zurückgeschlagen. Wie gegen Frankfurt missglückte Pantkowski ein Pass, die Scheibe landete beim Gegner, Heilbronns Torhüter rettete anschließend selber. Das hätte auch ins Auge gehen können. Zu allem Überfluss handelte sich Michael Knaub mit der Pausensirene noch eine Strafe ein. Die Falken starteten in Unterzahl ins letzte Drittel, überstanden aber auch diese.

Die Falken kassieren im Schlussdrittel zu viele Strafzeiten

Das Problem: Die Falken kamen wieder in die Kühlbox. Und wieder. Spielten in der nun entscheidenden Phase häufig in Unterzahl, die Gäste hatten, logisch in Überzahl deutlich mehr vom Spiel und viele Chancen. Das Gute für Heilbronn: Die Tigers belohnten sich für ihren großen Aufwand nicht. Ein Problem, das sich wie eine roter Faden durch die letzten Wochen zog. Mehr als das 3:4 gelang Bayreuth nicht mehr. Das Oktoberfest: Es war in Falken Hand.


Tor: Pantkowski, Nemec. Abwehr: Götz - Brady; Mapes - Maginot; Pavlu - Möller. Angriff: Della Rovere - Damon - Gervais; Koch - Miller - Preto; Nikiforuk - Wruck - Soramies; Valenti - Knaub - Klos; Hon.

Tore: 1:0 (3.) Maginot, 1:1 (11.) Järveläinen, 1:2 (12.) Bartosch, 2:2 (15.) Gervais, 3:2 (16.) Wruck, 4:2 (34.) Nikiforuk, 4:3 (56.) Davidek.

Strafminuten: 16/16.

Schiedsrichter: Robert Paule, Alexander Singer. Zuschauer: 1624.


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

Kommentar hinzufügen