Heimniederlage: Nauheim verdirbt den Falken den Spaß

Eishockey  Die Heilbronner Falken müssen im ersten Heimspiel des neuen Jahres eine 1:4-Niederlage einstecken. Trotz überlegener Spielweise vergeben sie zahllose Chancen.

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Heilbronner Falken 2
Die Falken gaben alles, waren spielerisch überlegen. Trotzdem reichte es nicht für einen Sieg. Fotos: Mario Berger
Auf dem Eis ist es wie im Leben – es geht nicht immer gerecht zu und nicht immer gewinnt die bessere Mannschaft ein Eishockeyspiel. Das mussten die Heilbronner Falken am Sonntag im ersten Heimspiel des Jahres 2020 gegen Bad Nauheim erleben. Trotz klarer spielerischer Überlegenheit über die gesamten 60 Minuten und einem Schussverhältnis von 48:23 stand am Ende eine 1:4 (0:0, 1:2, 0:2)-Heimniederlage. 
 
"Nur die Tore haben heute gefehlt"
 
„Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen. Sie haben gut gespielt, gekratzt, gebissen und Chancen kreiert. Nur die Tore haben heute gefehlt“, nahm Falkentrainer Alexander Mellitzer die erste Niederlage nach vier Siegen in Folge gelassen. 
Die 2501 Zuschauer in der Kolbenschmidt-Arena bekamen schon in den ersten 20 Minuten kein Spaß-Eishockey ihres Teams geboten. Das lag zuvorderst am Gegner, der mit der eindeutigen Prämisse ins Spiel gegangen war, die Falken nicht zaubern zu lassen. In dieser Hinsicht war es ein erfolgreiches Drittel für die Nauheimer. Beinahe hätte es trotzdem mit einem frühen Treffer geklappt. In der fünften Minute ging ein Schuss von Tim Miller an Latte und Pfosten, aber eben nicht ins Tor. Daran änderte auch der Videobeweis nichts.  
 
Premiere in der Heilbronner Eishockeygeschichte
 
Nach exakt gespielten 9:38 Minuten gab es dann eine Premiere in der Heilbronner Eishockeygeschichte: das erste Powerbreak. Illuminiert durch ein hübsches Rotlicht auf einer Countdown-Uhr am Zeitnehmertisch durften nun alle am Spiel Beteiligten 90 Sekunden Pause machen. Derweil liefen die Werbespots der Heilbronner Versorgungs GmbH und von SPS Automotive Performance über die Videowand. Allzu viel Power wird den Zuschauern in der Halle bei diesem Break also nicht geboten. Nun ja. 
Dann wurde weiter Eishockey gespielt. Heilbronn war klar überlegen, gewann viele Pucks schon im gegnerischen Drittel oder in der neutralen Zone. Doch in der gefährlichen Zone vor dem eigenen Tor waren die Nauheimer präsent und hielten auch dank ihres starken Goalies Felix Bick das torlose Remis.
 
Im Mitteldrittel legten die Falken noch eine Schippe drauf. Wieder waren fünf Minuten gespielt als es „Pling“ machte. Dieses Mal hatte Kevin Maginot den Pfosten getroffen. In der Folge kam Nauheim bedingt durch Heilbronner Strafen auch mal in die Offensive. In dem Moment als Ian Brady wieder zurück auf dem Eis war, traf Ex-Falke Andrej Bires zum schmeichelhaften 1:0 (29.). Für einen Augenblick hatte die Zuordnung bei den Falken nicht mehr gestimmt. 
 
Die Scheibe wollte nicht ins Tor 
 
Heilbronner Falken
Jubel um Kevin Maginot (Nummer sechs), den Torschützen, zum zwischenzeitlichen 1:1.
Die Gastgeber antworteten mit Angriffsswellen, selbst in Unterzahl holten die Heilbronner vier Bullys in Folge im gegnerischen Drittel. Allein die Scheibe wollte nicht ins Tor. Auch nicht als zur Abwechslung mal die Nauheimer in Unterzahl waren. 
88 Sekunden vor Drittelende brach Maginot aber schließlich den ungewohnten Tor-Bann der besten Offensive der DEL 2. Eine glänzende Kombination über Davis Koch und Derek Damon schloss der Verteidiger zum überfälligen und viel umjubelten 1:1 ab (39.).
Mit diesem Spielstand wäre es normalerweise auch ins Schlussdrittel gegangen.
 
Doch kurz vor der Sirene ließ sich Marcus Götz leichtfertig im eigenen Drittel den Puck abjagen, Verteidiger Steve Slaton – wahrlich kein Torjäger – blieb eiskalt und brachte Nauheim mit seinem zweiten Saisontor wieder in Führung. „Nach seinem Tor hatte ich keine Angst mehr“, scherzte Nauheims Coach Christof Kreuzer.
 
Die Falken kämpfen bis zum Schluss 
 
Der Gegentreffer tat natürlich weh. Jetzt konnte Nauheim seine zerstörerische Spielweise auch im Schlussdrittel fortsetzen. Die Falken rannten trotzdem unverzagt weiter an – doch Bick, die zweikampfstarken Roten Teufel vor ihm und auch der Eishockey-Gott wollten partout nicht, dass die Scheibe über die Torlinie flog.
 
So geschah, was in solchen Spielsituationen meistens passiert. Mit einer Einzelaktion legte Jared Gomes das 3:1 nach und der Drops war gelutscht (54.). Das Empty-Net-Goal von Jack Combs zum 4:1-Endstand war nur noch für die Statistik. 
Trotz der Niederlage feierten die Heilbronner Fans ihr nie aufsteckendes Team – zurecht!

Zum Spiel
 
Tor: Nemec, Schickedanz; Abwehr: Götz – Brady, Maschmeyer – Pavlu, Mapes – Maginot; Angriff: Miller – Damon – Savilahti, Koch – Wruck – Gervais, Della Rovere – Ribarik – Möller, Knaub – Detig – Majewski.
 
Tore: 0:1 (29.) Bires, 1:1 (39.) Maginot, 1:2 (40.) Slaton, 1:3 (52.) Gomes, 1:4 (60.) Combs
Schiedsrichter: Carsten Lenhart, Florian Feistl
 
Strafminuten: 8/12.
 
Zuschauer: 2501
 

Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig. 

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