Fantastische Falken feiern 5:2-Sieg in Kassel

Eishockey  Dylan Wruck trifft beim Spitzenreiter vier Mal, Matthias Nemec hält überragend. Die Falken stehen jetzt punktgleich mit den Huskies an der Tabellenspitze der DEL 2.

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Starker Rückhalt: Matthias Nemec. Foto: Archiv/Veigel

Nach vier Auswärtspleiten in Folge haben die Heilbronner Falken ausgerechnet beim Tabellenführer in Kassel ihre Negativserie in der Fremde beendet. Dank einer überragenden kämpferischen Mannschaftsleistung, dem vierfachen Torschützen Dylan Wruck und einem fast unüberwindlichen Goalie Matthias Nemec feierte das Team von Trainer Alexander Mellitzer am Samstag einen verdienten 5:2 (2:0, 0:0, 3:2)-Sieg im Spitzenspiel. In der DEL-2-Tabelle zogen die Falken nach Punkten mit den Huskies gleich.

„Das war unser bestes Auswärtsspiel der Saison. Jeder Spieler hat alles gegeben. Ich bin sehr glücklich“, sagte Mellitzer. Sein Pendant auf Kasseler Seite, Tim Kehler, haderte mit seinen Special Teams und der Spielweise im Vier gegen Vier: „Wir haben zu leichte Gegentore zugelassen und beste Chancen ausgelassen. Ich bin enttäuscht, dass wir vor der tollen Kulisse heute, nicht unsere Leistung gebracht haben.“

Eero Savilahti verpasst den perfekten Einstand knapp

Der neue Falken-Finne Eero Savilahti startete wie erwartet in der ersten Sturmreihe mit Derek Damon und dem unverwüstlichen Tim Miller. Bereits in der vierten Minute hätte der 27-Jährige seinen Einstand mit seinem ersten DEL-2-Tor krönen können. Doch er bekam allein vor Leon Hungerecker die Scheibe nicht am Kasseler Goalie vorbeigeschoben. „Er schien ein bisschen nervös, hat seine Sache aber insgesamt gut gemacht“, fasste Mellitzer die DEL-2-Premiere des Neuzugangs zusammen.

Im ersten Überzahlspiel der Gäste lief die Scheibe dann aber perfekt. Ian Brady, Derek Damon, Dylan Wruck – und bumm: 1:0 für die Falken. Im dritten Duell mit den Huskies in dieser Saison gingen die Heilbronner erstmals in Führung.

Als wenig später Michael Knaub und Spencer Humphries sitzen mussten, zauberten die Gäste im Vier gegen Vier. Einen Traumpass von Brady nutzte wieder Wruck zum 2:0 (9.).

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Überragender Scorer: Dylan Wruck. Foto: Archiv/Veigel

Den Schock musste sogar das mit Abstand stärkste Heimteam der Liga erst einmal verdauen. Der durchgebrochene Topscorer Ben Duffy scheiterte in der zehnten Minute am wieder mal sehr starken Matthias Nemec im Falkentor. Savilahti bedrängte den Kanadier noch, so dass er den Schuss nicht optimal platzieren konnte. Der Mann aus Tampere besitzt also durchaus auch Defensivqualitäten.

Gerade als die Huskies langsam den Druck erhöhten, hätte Bryce Gervais bei einem Konter um Haaresbreite den dritten Treffer erzielt. Doch sein Schuss prallte noch leicht berührt von Hungerecker an den Pfosten (17.).

Die 2:0-Führung nach einem der stärksten Drittel der gesamten Saison war hochverdient.

Iron Mike macht seinem Namen alle Ehre

Im Mittelpunkt des zweiten Drittels stand Michael Knaub. Iron Mike machte seinem Spitznamen alle Ehre, war immer mittendrin, wenn es irgendwo Bambule gab. Das brachte ihm zwar allein im Mitteldrittel vier Strafminuten ein, aber er hielt damit auch den Willen und Einsatz seines Teams am Limit.

Das war auch nötig, denn die Huskies erhöhten kontinuierlich den Druck, konstruktive Entlastungsangriffe wurden immer seltener. Doch selbst in einer 20-sekündigen doppelten Unterzahl blockten die tapferen Falken Schuss um Schuss. Und wenn der Tabellenführer doch zum Abschluss kam, dann war der überragende Nemec zur Stelle. Seine beste Parade zeigte der 29-Jährige gegen Ex-Falke Noureddine Bettahar in der 34. Minute. Wie dereinst Gordon Banks bei der Fußball-WM 1970 gegen Pelé schnellte Nemec ins bedrohte Eck und brachte den Schoner noch vor den Puck.

Ähnlich frei wie Bettahar tauchte in der 39. Minute Topscorer Duffy vor Nemec auf. Er entschied sich dafür, die Scheibe gegen die Laufrichtung des Goalies zu platzieren. Eine gute Idee, jedoch verfehlte er den Kasten und so blieb es bis zum Drittelende beim 2:0 für die Gäste.

Wruck schnürt den Viererpack und Tim Miller mimt den Stimmungskiller

Die bange Frage der per Sonderzug angereisten Falkenfans zu Beginn des Schlussdrittels lautete: Reichen die Kräfte der ohne acht etatmäßige Stürmer angetretenen Heilbronner? Die positive Antwort folgte prompt mit dem dritten Tor. Die Rest-Überzahl von 1:25 Minuten aus dem Mitteldrittel reichte den Gästen und Wruck machte auf Pass von Damon seinen Hattrick perfekt (41.).

Doch Kassel gab sich keineswegs geschlagen. In der 44. Minute packte Denis Shevyrin all den Frust in einen Mordsschuss, den selbst Nemec nicht parieren konnte. Das 1:3 weckte auch noch mal die Mehrzahl der 6100 Zuschauer in der Kasseler Eissporthalle auf.

Den Stimmungskiller mimte Tim Miller nur 90 Sekunden später mit dem dritten Überzahltreffer der Gäste. Für den Unzerstörbaren dürfte das vierte Saisontor Balsam für Körper und Seele gewesen sein.

Als dann Wruck sogar noch seinen vierten Treffer zum 5:1 nachlegte (48.), winkte sogar die Tabellenführung. Ein weiteres Tor hätte genügt, um die Huskies in der Tabelle zu überholen. Doch zumindest diese Schmach konnten die nie aufgebenden Gastgeber verhindern. Richi Mueller setzte den Schlusspunkt zum 2:5 (50.).


Tor: Nemec, Schickedanz; Abwehr: Brady – Götz, Maschmeyer – Pavlu, Maginot – Mapes, Wirth, Möller; Angriff: Savilahti – Damon – Miller, Gervais – Wruck – Koch, Detig – Knaub – Ribarik, Möller, Majewski.

Tore: 0:1 (7.) Wruck, 0:2 (9.) Wruck, 0:3 (41.) Wruck, 1:3 (44.) Shevyrin, 1:4 (45.) Miller, 1:5 (48.) Wruck, 2:5 (50.) Mueller

Schiedsrichter: Kevin Salewski, Jens Steinecke

Strafminuten: 22/22

Zuschauer: 6100 (ausverkauft)


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig. 

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