Falken zwischen Enttäuschung und Ohnmacht

Eishockey  Spieler, Trainer und Verantwortliche der Heilbronner Falken können den Saison-Abbruch in der DEL2 nicht richtig fassen. Vor allem für Kapitän Derek Damon ist es besonders bitter.

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Nach einem lockeren, letzten Trainingsspielchen spricht Manager Atilla Eren (M) in der Kabine zu den Falken-Spielern.

Foto: Martin Peter

Um kurz nach eins betrat Atilla Eren gestern Mittag die Kabine in der Kolbenschmidt Arena. Angesichts der langen Gesichter, in die er sah, versuchte der Geschäftsführer der Heilbronner Falken gar nicht erst, das Geschehene und lange Undenkbare zu erklären. Er hätte auch kein Gehör gefunden, zu riesig war, und ist, die Enttäuschung.

"Es ging jetzt hauptsächlich um Organisatorisches", sagte Eren später. Eine Viertelstunde sprach er zu den Spielern, am Ende ist Applaus zu hören, bevor es Essen gibt.

Das letzte Abendmahl

Die Spieler hatten sich Spareribs mit Pommes Frites und Kartoffelsalat ins Stadion bringen lassen, angesichts der am Dienstagabend wegen Corona abgebrochenen Saison wirkte es wie das letzte Abendmahl. "Wir wollen das nicht wahrhaben", sagte Yannik Valenti über das abrupte Saisonende. "Es ist schwer zu akzeptieren, es ist, als ob einem was genommen wird." Die harte Arbeit von bald einem Jahr: "Am Ende für nichts."

Als ihn die Nachricht am Dienstagabend via Whatsapp erreicht hatte, fühlte sich der junge Stürmer wie "im falschen Film". Alles war auf einmal surreal, ausgebremst nicht auf dem Eis, nicht von Bad Tölz, Kassel oder Frankfurt - sondern von einem unsichtbaren Gegner namens Corona. "Wir haben vormittags ein Special-Teams-Training gemacht und fünf Stunden Später wird alles abgesagt. Das kann man nicht fassen", sagt der 19-Jährige, dem es vor allem für Derek Damon wahnsinnig leid tut.

Derek Damon wird seine Karriere beenden

Der Kapitän der Heilbronner wird seine Karriere nun auf diese Weise beenden. "Für ihn ist es besonders bitter, da leidet jeder mit ihm", sagt auch Eren. Damon selber versuchte seine Leid so gut wie möglich zu verstecken. "Es ist wie es ist", fasste er sich kurz. Die enorme Enttäuschung aber war ihm anzusehen. Das frühe Saison-Aus war für alle ein Schock, fasste auch Trainer Alexander Mellitzer zusammen.

Selbst mit einem Tag Abstand wollte das nicht ganz in den Kopf des Österreichers. Trotz aller Anzeichen. "Von 100 runter auf: Eine Katastrophe." Mellitzer hatte mit allem gerechnet: "Geisterspielen meinetwegen, eine Reduzierung der Serie." Aber das ging ihm zu weit. "Ich kann nicht einschätzen, ob es richtig oder falsch ist, darüber machen sich viel klügere Köpfe als ich Gedanken. Aber für den Normalsterblichen ist das unverständlich."

Die Falken wollten auf das große Ganze gehen

Noch mehr, wenn dieser Normalsterbliche Profisportler ist. Wenn es um Eishockey geht, wo die komplette Saison auf diese Endrunde ausgerichtet ist. Die wird es nicht geben , was umso enttäuschender ist, da die Falken bereit waren, auf das ganz Große zu gehen. "Ohne überheblich klingen zu wollen: Aber die Chance war da", sagt Eren durchaus selbstbewusst. Zumal die Falken ein tolles Team zusammengehabt hätten.

Bei aller Enttäuschung betonen Trainer und Manager auch, dass nicht alles umsonst gewesen ist. "Wir haben ein attraktives und erfolgreiches Eishockey gespielt und bewiesen, dass Heilbronn ein guter Standort sein kann", meint Eren. "Auch abseits vom Eis haben die Jungs einen guten Eindruck hinterlassen", sagt Mellitzer über Rückmeldungen.

Deswegen möchten sich die Heilbronner Falken auch von ihren Fans verabschieden. "Es ist noch unklar, in welchem Umfang wir das dürfen", sagt Eren. Angedacht ist ein zeitnaher Termin, eventuell schon an diesem Samstag.

Gekaufte Tickets werden zurückerstattet

Wer bereits Tickets für die Playoff-Heimspiele der Heilbronner Falken gekauft hat, wird entschädigt. Obwohl nicht verpflichtend geregelt, „erachten es die Falken-Verantwortlichen als moralisch notwendig“, heißt es vonseiten des Eishockey-Zweitligisten. Das Geld für Eintrittskarten, die im Onlineshop gekauft wurden, wird automatisch rückerstattet. Das kann bis zu 30 Tage dauern. Tickets, die in der Geschäftsstelle der Falken erworben wurden, können zu den Öffnungszeiten zurückerstattet werden, teilen die Falken mit. 

 

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Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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