Dylan Wruck bleibt ein Falke

Eishockey  Die Heilbronner Falken halten ihren Topspieler Dylan Wruck für eine weitere Saison. Manager Atilla Eren spricht von einer Signalwirkung. Hat das Coronavirus den Falken in die Hände gespielt?

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24 Tore und 64 Vorlagen sind Dylan Wruck vergangene Saison gelungen. "Die Zahlen belegen seine mannschaftsdienliche Spielweise", sagt Manager Eren. Foto: Andreas Veigel

Mit diesem Coup - zumal in diesen schwierigen Zeiten - hat wohl kaum jemand gerechnet: Der DEL-2-Topspieler und -Topscorer bleibt ein Falke. Dylan Wruck hat seinen Vertrag um ein Jahr verlängert, ergänzt um eine Option für eine zusätzliche Spielzeit.

"Wir haben ihn überzeugen können, dass Heilbronn und die Falken die beste Lösung für ihn sind", sagte Atilla Eren am Freitag. "Ganz gezielt" hat der Falken-Geschäftsführer an dieser "Schlüsselverpflichtung" gearbeitet. Denn: "Sie ist ein Signal, dass wir wieder ein starkes Team haben wollen und unsere Kernmannschaft zusammenhalten", erwartet Eren weitere Vertragsverlängerungen von Spielern in den kommenden Tagen und Wochen.

Schon im Oktober hatte Dylan Wruck im Stimme-Interview betont: "Ich kann nur sagen, dass ich mich hier sehr wohlfühle und aktuell nirgendwo anders hin wechseln möchte." Diese Grundhaltung ist in den vergangenen Monaten durch verschiedene Faktoren verstärkt worden.

Seine Mission ist noch nicht beendet

Zum einen sicher durch den sportlichen Erfolg. "Wir haben eine wirklich tolle Saison gespielt", sagt Wruck. Und seine durch den Saisonabbruch abrupt beendete Mission in Heilbronn ist noch nicht beendet: "Gemeinsam haben wir etwas begonnen und wollen es in der kommenden Saison zu Ende führen."

Ein zweiter Faktor ist sicher das Umfeld. Mit seiner Frau Stacey hat sich Wruck in Heilbronn sehr wohlgefühlt. "Unsere Zeit in Heilbronn haben wir sehr genossen und die Menschen, die wir kennenlernen durften, waren unheimlich freundlich zu uns."

Nichts ist in diesen Zeiten planbar

Zum Dritten hatte auch die Corona-Krise ihren Einfluss. Zurzeit ist der 27-Jährige bei seiner Familie in Kanada. Nichts sei in diesen Zeiten planbar, hatte er bei seinem Abschied betont. In der Hinsicht geht es den Clubs nicht anders als den Spielern. Eine Kaderzusammenstellung ist derzeit schwer zu kalkulieren. "Wir haben den neuen Vertrag bereits im Januar fertig gehabt" sagt Eren.

Bis Ostern hätte Wruck eine Ausstiegsklausel für eine höhere Liga gehabt, die ist nun verstrichen. Das finanzielle Risiko für die Falken hält sich in Grenzen. Denn der Kontrakt enthält Klauseln, die im Falle eines verspäteten Saisonstarts Gehaltskosten sparen. Sprich: Das volle Gehalt wird erst fällig, wenn tatsächlich gespielt wird.

Der neue Trainer wird bald vorgestellt

Natürlich wird aber auch den Falken momentan ein finanzieller und planerischer Drahtseilakt abverlangt. Im besten Fall muss zum anvisierten Saisonstart am 11. September eine schlagkräftige Mannschaft bereitstehen. Doch sollte die Saison erst Monate später beginnen, muss ein Plan B in der Hinterhand sein. "Wir arbeiten mit aller Kraft daran, keinen Schiffbruch zu erleiden", sagt Eren.

Anfang nächster Woche werden die Vertragsdetails mit dem Wunschkandidaten für den Cheftrainerposten geklärt, der Mitte der Woche bekanntgegeben werden soll. Die Weiterverpflichtung von Wruck war mit dem neuen Mann an der Bande nicht abgesprochen. "Kein DEL-2-Trainer wird sich über Dylan Wruck in seinem Kader beschweren", ist Eren überzeugt.


Kommentar: Führungsfigur

Es sind die Gewissheiten, die in der Corona-Krise verloren gehen. Da geht es dem Restaurantinhaber nicht anders als dem Theaterschauspieler oder dem Profisportler. Ein Stück weit hat das Virus den Falken bei der Weiterverpflichtung von Topspieler Dylan Wruck in die Hände gespielt.

Bei seiner Verpflichtung vor einem Jahr hatte der Deutsch-Kanadier Heilbronn in erster Linie als Sprungbrett für eine Rückkehr in die DEL gesehen. Nach seiner überragenden DEL-2-Saison hätte der Stürmer jetzt pokern, sich das finanziell lukrativste Angebot aussuchen können. Doch in der Krise geht Sicherheit vor − bei Clubs und Spielern. Im Profisport wird es überall Gehaltseinbußen geben. Da ist der Spatz in der Hand besser als die Taube auf dem Dach.

Zumal der Spatz eine Falken-Organisation ist, die in den vergangenen Jahren durch buchhalterische Solidität und personelle Weitsicht wieder zum sportlichen Höhenflug angesetzt hat. Innerhalb dieses Umfelds hat Wruck eine Führungsrolle inne, ist der Offensiv-Chef auf dem Eis, Vorbild für die jungen Spieler und Liebling der Fans. Allemal schöner, als das ihm sattsam bekannte Statistendasein an DEL-Standorten wie Köln oder Straubing.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig. 

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