Die Falken: Ehrlich, schnell, gut organisiert

Eishockey  Neues Team, neues System: Die Heilbronner Falken wollen besser abschneiden als in der Vorsaison - und haben die Hebel an den Schwachstellen angesetzt. Am Freitagabend steht das erste Heimspiel an. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Start.

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Ehrlich, schnell, gut organisiert

Als Team haben die Falken laut eigener Aussage in der Vorbereitung gut zusammengefunden. Die Wahrheit liegt jetzt auf dem Eis. Foto: Andreas Veigel

Es ist angerichtet: An diesem Freitag starten die Heilbronner Falken in die neue DEL-2-Saison. Mit einem Heimspiel um 20 Uhr gegen Crimmitschau. Am Sonntag (16 Uhr) geht es nach Frankfurt. Die Vorfreude: riesig. Das Team will zeigen, was es kann. Alles Wissenswerte zu den Falken im Überblick.

 

Wie wird Trainer Alexander Mellitzer spielen lassen?

Zusammengefasst: aggressiver. Vor allem im Forechecking. Die Falken checken fortan mit drei statt wie bisher mit zwei Spielern vor. Ziel ist es, den Druck auf den Puckführer zu erhöhen, den Gegner früher als bisher zu stören. "Wir wollen weniger Zeit in der eigenen Zone verbringen, den Gegner frustrieren − und ihn müde machen", verrät Trainer Mellitzer. Das bedeutet auch: Seine Spieler müssen rennen. "Wir wollen gegen jeden Gegner die Mannschaft sein, die mehr Kilometer abspult, allerdings sinnvolle." In den Testspielen war das zu sehen − sogar gegen die läuferisch flinken Schweizer aus Olten. Überzeugen wollen die Falken mit gut organisiertem, ehrlichem und schnellem Eishockey.

 

Was waren die Lehren aus der vergangenen Saison?

Dass nur ein guter Keeper nicht ausreicht − erst recht nicht, wenn der jederzeit vom Kooperationspartner abberufen werden kann. Diese Lücke hinter Mirko Pantkowski haben die Falken nun geschlossen und in Matthias Nemec einen Torhüter geholt, der mehr als nur Ersatz ist. "Mit den Jungs habe ich ein richtig gutes Gefühl," sagt Mellitzer. Wer von beiden spielt, soll von Leistung und Frische abhängen und wird wechseln.

 

Was ist mit der anfälligen Falken-Defensive?

Der Trainer hat in der Vorbereitung das Hauptaugenmerk auf die Defensivarbeit gelegt und das Verhalten in der defensiven Zone geübt. Dazu gehörte auch das Penalty-Killing. "Die Mentalität ist eine andere", sagt Corey Mapes, der dem Team eine gute Arbeitsmoral bescheinigt. "Es ist unheimlich Zug drin, wir sind als Team gut zusammengewachsen − alle wollen endlich zeigen, was wir können."

 

Die Falken haben viele Spieler verloren, die ordentlich gepunktet haben. Wer soll sie ersetzen?

Das muss die Runde erst zeigen. Generell gilt laut Mellitzer: "Wir brauchen die Punkte auf dem Mannschaftskonto, nicht nur individuell." Heißt: Im Kollektiv sollen die Verluste aufgefangen werden. Und Neuzugang Kevin Maginot hat in der Vorbereitung ausgemacht: "Wir haben genug Leute, die wissen, wo das Tor steht." Zumal einige der Neuen wie Tim Miller oder Dylan Wruck auch noch DEL-Erfahrung mitbringen.

 

Welche Spieler im Team haben das größte Überraschungspotenzial?

Yannik Valenti hat bereits in der Vorbereitung aufhorchen lassen. Er habe einen Wahnsinns-Schuss, schwärmt der Trainer. "Es gibt in der Liga nur wenige, die so schießen können wie er." Nicht umsonst ist der 18-Jährige im Powerplay gesetzt. Stark ist auch Stefan Della Rovere einzuschätzen, er ist vor allem körperlich sehr präsent. Freuen dürfen sich die Anhänger zudem auf Gibson-Ersatz Bryce Gervais. "Er hat ein mordsmäßiges Tempo in den Beinen", sagt der Trainer.

 

Wie sieht es mit der Zusammensetzung der Reihen aus?

Verletzungsbedingt hatte Mellitzer in der Vorbereitung nicht ein Mal alle Spieler beisammen. Viel experimentieren will der Coach trotzdem nicht, er hofft auf Konstanz. Bryce Gervais stellt er zu Kapitän Derek Damon und Della Rovere in die erste Reihe. Pierre Preto sowie Louis Brune stürmen an der Seite von Tim Miller, Valenti mit Dylan Wruck und Alexander Nikiforuk.

 

Wie sind die beiden Auftaktgegner Crimmitschau und Frankfurt einzuschätzen?

Crimmitschau ist routiniert, hat ein gutes Powerplay und gute Läufer im Team. Aber ehrlich: Alles andere als ein Sieg wäre für die ambitionierten Falken eine Enttäuschung. Zumal es auch darum geht, gut zu starten. In Frankfurt wird es am Sonntag um 16 Uhr ungleich schwerer: Die Löwen wollen um den Titel mitspielen. "Insofern ist es nicht schlecht, dass wir in Frankfurt spielen. So liegt der Ball bei ihnen", sagt Mellitzer. "Ich sehe aber keinen Grund, warum wir nicht punkten sollten."

 

Wie ist die DEL 2 insgesamt aufgestellt?

Die Liga ist noch einmal stärker geworden: Es sind wieder einige Spieler aus der DEL dazugekommen, im internationalen Vergleich gehört die DEL 2 zu den besten zweiten Ligen, zumindest in Europa. Das zeigt sich auch bei den Gehältern, die auch in Heilbronn gestiegen sind. "Wenn du dir nicht eine gewisse Qualität einkaufst, hast du keine Chance", meint Mellitzer. Die DEL 2 habe kein Dorfnieveau mehr. "Es gibt keinen Gegner in der Liga, bei dem man garantiert drei Punkte holt."

 


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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