Alexander Mellitzer verlässt die Heilbronner Falken

Eishockey  Nach zwei Spielzeiten wechselt Falken-Trainer Mellitzer in die Schweiz. Falken-Geschäftsführer Atilla Eren bedauert seine Entscheidung, äußert aber Verständnis.

Email
Alexander Mellitzer verlässt die Heilbronner Falken. Foto: Andreas Veigel

Er kam als Fremder, als Unbekannter. Doch er geht als ein Freund: Alexander Mellitzer verlässt die Heilbronner Falken auf eigenen Wunsch und wird in der Schweiz in der neuen Saison wieder im Juniorenbereich arbeiten.

In Langnau wird er die U20 der SCL Tigers übernehmen und soll dort junge Spieler entwickeln und an den Seniorenbereich heranführen. „Das ist der richtige Schritt für meine Familie und mich“, sagt Mellitzer, dem es im Profibereich zwar auch durchaus gefallen hatte. „Da sitzt man im Vergleich zum Nachwuchsbereich aber eher auf einem Schleudersitz“, zeigt Atilla Eren durchaus Verständnis für Mellitzers Entscheidung. „Der neue Job ist planbarer“, sagt der Manager der Heilbronner Falken.

Und doch wiegt der Verlust beim DEL-2-Club schwer, denn der Österreicher ist doch eng verbunden mit dem Aufschwung der Falken. Nachdem Mellitzer die Mannschaft in seinem ersten Trainerjahr bei den Profis überhaupt in die Pre-Playoffs geführt hatte, hob er die Falken in dieser Saison auf ein neues Level – und zog direkt in die Playoffs ein. Als Tabellenvierter hätte Heilbronn sogar Heimrecht gehabt und viele sind der Meinung, dass es das Team weit hätte bringen können. „Insofern ist der Saison-Abbruch doppelt bitter“, sagt Mellitzer, der sich mit seiner Familie in Heilbronn wohlgefühlt hatte.

 

„Heilbronn wird immer einen Platz in unseren Herzen haben“

Alexander Mellitzer

 

Die Stadt und die Falken seien nicht bloß eine Zwischenstation gewesen, betont der Vater dreier Kinder. „Unsere Tochter wurde hier eingeschult, es ist ein wichtiger Teil unseres Lebens. Heilbronn wird immer einen Platz in unseren Herzen haben.“ Er will wiederkommen, Dinge erledigen, die noch auf seiner Liste stehen. „Wir haben es tatsächlich noch nicht geschafft, mal in die Experimenta zu gehen, das werden wir irgendwann nachholen“, sagt Mellitzer. Natürlich wird sich der 40-Jährige in der Zeit auch ein Spiel der Falken anschauen.

Im Verein und im Eisstadion wird er dann mit offenen Armen empfangen: „Alex verlässt die Falken als guter Freund und er wird in Heilbronn immer willkommen sein“, sagt Eren, der den Abschied des Österreichers aus sportlicher, aber auch menschlicher Sicht bedauert. „Was mich begeistert hat an Alex, war seine Lernbereitschaft und die Fähigkeit, Dinge auch anders zu sehen“, verrät der Falken-Geschäftsführer. Auch sein Händchen im Umgang mit den Spielern sei besonders gewesen. „Er hatte zum einen die Autorität eines Trainers und er war trotzdem immer nah an den Spielern dran.“

Logisch, dass Eren mit Mellitzer gerne weitergemacht hätte. Es ist auch logisch, dass sich das Anforderungsprofil für den Nachfolger an jenem von Mellitzer vor zwei Jahren orientiert. Eren: „Damit sind wir erfolgreich gefahren.“ Der Neue soll die Fähigkeit und Empathie mitbringen, „gleichermaßen mit jungen und erfahrenen Spielern zu arbeiten und sie zu einer Mannschaft“ zu formen. Ein Trainer mit einer modernen Ausbildung und Methodik. Denkbar sei wieder ein Unbekannter, wie es Mellitzer war. „Wir scheuen uns sicher nicht, auch solche Kandidaten anzuschauen“, macht Eren klar. Er stehe unter anderem im Austausch mit der Ausbildungsstelle des Deutschen Eishockey-Bunds.

Heilbronn hat sich als Eishockey-Standort einen guten Namen gemacht

Ein Vorteil, den die Falken bei der Nachfolger-Suche haben: Heilbronn wird als Eishockey-Standort inzwischen anders wahrgenommen, hat sich einen guten Namen gemacht. „Sowohl Trainer als auch Spieler wollen hierher, fragen aktiv an, ob bei uns Platz für sie wäre“, sagt Eren. „Da ist viel Qualität dabei.“ Das mache es einfacher. Auch Mellitzer wirbt: „Es ist ein tadelloses Umfeld, hier funktioniert alles reibungslos.“ Es herrsche eine „tolle Kultur“, zu der auch das Team hinter dem Team beitrage. Sein Nachfolger finde perfekte Bedingungen vor, um erfolgreich zu sein.

Derzeit ist Eren mit drei bis vier potentiellen Nachfolgern im Gespräch. „Noch ist aber unklar, in welche Richtung wir genau gehen“, verrät der Manager. Und wenn der Saison-Abbruch doch einen Vorteil hat, dann den, dass kein Kandidat mehr in der Verpflichtung steht.


Eishockey-Welt befindet sich in Schockstarre

Das deutsche Eishockey angesichts des Saison-Abbruchs immer noch in Schockstarre, berichtet Falken-Manager Atilla Eren. „Alles ist noch auf Standby, jeder Verein ist mit seiner eigenen Situation beschäftigt.“ Das Aus hat riesige Löcher in die Kassen der Verein gerissen, die den finanziellen Schaden wie die Heilbronner Falken händeringend versuchen zu minimieren. Am Ende gehe es auch darum, dass „wir in der nächsten Saison wieder mit 14 Teams in der DEL2 spielen können“. 


Kommentar: Mellitzers Weggang ist zweifelsfrei schmerzhaft

Alexander Mellitzer und die Heilbronner Falken: Das hat auf vielen Ebenen perfekt gepasst. Sportlich hat der Österreicher in Heilbronn ein neues Zeitalter eingeleitet, die Falken mit seiner Philosophie auf ein neues Level gehoben. Mit dem vierten Platz nach der Hauptrunde hat Mellitzer die Ziele der Falken übertroffen, war so erfolgreich wie vor ihm seit Jahren niemand. Dass sein Werk aufgrund des Saisonabbruchs unvollendet bleibt, ist auch für ihn tragisch. Der Österreicher hätte sich lieber anders verabschiedet, als still und leise Servus sagen zu müssen. Auf der großen Bühne vielleicht. Das hätten dem empathischen Trainer im Verein und drumherum wohl alle gewünscht.

Mellitzers Weggang ist schmerzhaft, zweifelsfrei. Aber er ist sicher nicht gleichbedeutend mit dem Untergang des attraktiven Eishockeys in Heilbronn. Zumal auch der Österreicher erst in seiner zweiten Saison richtig gezündet und das Potenzial des Standortes ausgeschöpft hat. In seinem ersten Jahr hatte er die Liga vielleicht sogar etwas unterschätzt, musste Lehrgeld zahlen und wurde von den eigenen Fans mitunter als Lehrling verspottet. Auch wenn er nicht als Meister geht, so hat er es am Ende vielen gezeigt.

Vor allem aber hat Mellitzer gezeigt, was unter den Rahmenbedingungen in Heilbronn alles möglich ist. Das Umfeld stimmt, um Erfolg haben zu können. Das hat sich rumgesprochen in der Szene. Auch unter den besten Trainern.


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

Kommentar hinzufügen