Adler pflegen ihre Beziehung zu den Falken täglich

Eishockey  Adler-Manager Jan-Axel Alavaara spricht im Interview über die Kooperation mit Heilbronn, seine Top-Talente und die Ziele des deutschen Meisters.

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"Eine gute Beziehung muss jeden Tag gepflegt werden"
Triumphfahrt des Adler-Dreigestirns Ende April durch die Mannheimer Innenstadt (v.l.): Co-Trainer Mike Pellegrims, Manager Jan-Axel Alavaara und Trainer Pavel Gross. Foto: imago-images/Michael Ruffler

Beim Interview hat der Adler-Manager sein ledergebundenes Notizbuch dabei. Darauf eingestanzt sein Name: Jan-Axel Alavaara, zu aktiven Zeiten der "A-Man". Nordisch gelassen spricht der 44-Jährige über neue Ziele, verlorene Talente und die Kooperation mit den Heilbronner Falken.

 

Herr Alavaara, als Sie vor einem Jahr in Mannheim angefangen haben, lautete die Devise Neustart. Jetzt sind Sie Deutscher Meister. Hätten Sie das erwartet?

Jan-Axel Alavaara: Erwartet nein, erhofft vielleicht. Wenn alles zusammenpasst, hat ein Club wie Mannheim immer die Chance, um den Titel zu spielen. Schon im September, Oktober war zu sehen, dass wir ein echtes Team haben, das die nötigen Fähigkeiten besitzt. Ich hatte also ziemlich früh ein gutes Gefühl.

 

Wann waren Sie sich sicher, dass ihr Gefühl nicht trügt?

Alavaara: (lacht) Als Thomas Larkin im fünften Spiel der Finalserie gegen München das entscheidende Tor erzielt hat. Vorher war ich immer noch vorsichtig.

 

Mehr als Meister werden geht ja nicht. Welche neuen Ziele haben Sie ausgegeben?

Alavaara: Wir wollen langfristig Jahr für Jahr um die Meisterschaft spielen. Es geht darum, konstant solche Leistungen abzurufen wie in der vergangenen Saison. Jedes Jahr werden wir den Titel nicht holen können, denn die nötigen paar Prozent Glück brauchst du eben auch. Entscheidend ist, in allen beeinflussbaren Bereichen top zu arbeiten, dann stellen sich automatisch weitere Erfolge ein.

 

Sie haben vergangene Saison gemeinsam mit dem Trainerteam ein gutes Händchen bei der Kaderzusammensetzung bewiesen. Hatten Sie das auch vor dieser Saison?

Alavaara: Die Situation hat sich etwas verändert. Im vergangenen Jahr hat sich eine Führungsriege von sechs, sieben Spielern gebildet, die sehr viele Dinge schon in der Kabine geregelt hat. Das sind nicht zwingend die Kapitäne, sondern Spieler, die durch ihre Leidenschaft, ihre Courage, im Training und im Spiel vorangehen und die damit die Arbeit der Coaches enorm erleichtern. Ziel ist es, dass jeder Adler-Spieler diese Mentalität besitzt.

 

Sie haben mit Moritz Seider den deutschen Shootingstar in die Nordamerikanische Profiliga NHL abgegeben. Trauern Sie ihm nach, oder macht es Sie stolz?

Alavaara: Auf Moritz sind wir im gesamten Verein einfach nur stolz. Er hat wahnsinnig hart für seinen Traum gearbeitet und wir haben ihm auf seinem Weg helfen können. Das beweist, dass wir in Mannheim in der Lage sind, Topspieler zu entwickeln.

 

Der erst 17-jährige Tim Stützle dürften in absehbarer Zeit ebenfalls diesen Schritt gehen.

Alavaara: Tim zählt wie Moritz zu den zehn Toptalenten seines Jahrgangs - und zwar weltweit gesehen. In der Hinsicht erleben wir hier in Mannheim gerade eine Ausnahmesituation, das geht jetzt nicht jahrelang so weiter.

 

Lean Bergmann ist auch schon ins Visier der NHL-Scouts geraten.

Alavaara: Lean geht am 3. September zum Prospect-Camp der San Jose Sharks. Wenn er sich dort einen Platz im NHL-Team erspielt, dann können wir nur gratulieren.

 

Und ihn durch einen der Mannheimer Förderlizenzspieler in Heilbronn ersetzen, oder?

Alavaara: Das besprechen wir, wenn die Situation eintreten sollte. Grundsätzlich gilt erst einmal, dass die Förderlizenzspieler in Heilbronn auch Heilbronner Spieler sind. Nicht jeder ist ein Seider oder Stützle, die sofort den Sprung in die DEL schaffen. Ein Samuel Soramies hat aber schon bewiesen, dass er in der DEL spielen kann und er hat in der vergangenen Saison einen riesigen Entwicklungsschritt gemacht. Das spricht für das gute Umfeld in Heilbronn.

 

Sie haben bei Ihrem Amtsantritt die Kooperationspartner Adler, Jungadler und Falken als Dreieck beschrieben. Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit optimalerweise vor?

Alavaara: Grundsätzlich sehe ich uns auf einem guten Weg. Wir tauschen uns täglich mit den Falkentrainern Alex und Ilkka aus.

 

Wirklich täglich?

Alavaara: Ja, das muss so sein. Das ist wie in einer guten Beziehung, die muss jeden Tag gepflegt werden. Für eine gute Zusammenarbeit ist es unerlässlich, immer die aktuelle Situation beim Partner zu kennen. Am vergangenen Donnerstag habe ich mich aber zum Beispiel auch eine Stunde mit Falken-Kapitän Derek Damon zusammengesetzt, um die Lage in Heilbronn zu besprechen. Das finde ich völlig normal.

 

In jeder Beziehung knirscht es aber auch mal.

Alavaara: Natürlich. Wichtig ist, dass wir immer Lösungen finden, die gut für alle drei Seiten unseres Dreiecks sind. Oder zumindest Kompromisse finden, mit denen alle leben können. Dahinter steht die gemeinsame Philosophie, dass wir uns gegenseitig helfen. Wenn uns das immer gelingt, dann ist die Kooperation perfekt.

 

Vergangene Saison gab es in Heilbronn Kritik an den Adlern, weil Falken-Goalie Mirko Pantkowski wegen der Verletzung von Dennis Endras nach Mannheim beordert wurde. In der Phase verspielten die Falken womöglich den sicheren Playoffplatz.

Alavaara: Aus dieser Situation haben beide Seiten gelernt. Dass die Falken mit Matthias Nemec für diese Saison einen zweiten erfahrenen Goalie verpflichtet haben, war eine Konsequenz daraus. Im Rückspiegel betrachtet, wäre es natürlich besser gewesen, dies wäre schon in der vorangegangenen Saison gemacht worden.

 

Was trauen Sie den Falken in dieser Saison zu?

Alavaara: Ich habe das Spiel in Olten gesehen, das sie zwar 1:6 verloren haben, das aber eher ein 3:3-Spiel war. Es waren klare Verbesserungen im Vergleich zum Vorjahr zu sehen, was die Struktur, die Einstellung und den Ehrgeiz angeht, jede Eins-gegen-Eins-Situation gewinnen zu wollen. Ich bin mir sicher, die Falken werden in dieser Saison eine geschlossenere Mannschaft haben. Und wenn du die hast, dann bist du auch erfolgreich.

 


Zur Person: Der 44-jährige Jan-Axel Alavaara ist im nordschwedischen Kiruna geboren. Der frühere Verteidiger hat rund 750 Profispiele bestritten, zwei schwedische Meistertitel gewonnen und von 2008 bis 2011 unter dem aktuellen Adler-Coach Pavel Gross für Wolfsburg in der DEL gespielt. 2012 beendete der Linksschütze seine aktive Karriere. Seit 1. Juli 2018 ist Alavaara Sportmanager der Adler. Mit seiner Frau Charlotta und der 14-jährigen Tochter Elsa lebt er in Mannheim. Seine zweite Tochter Anna (18) studiert im Königreich Eswatini, dem ehemaligen Swasiland.

 


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig. 

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