7:4 - Falken zerlegen die Steelers nach Strich und Faden

Eishockey  Nach sechs Jahren Wartezeit feiern die Heilbronner Falken mal wieder einen Auswärtssieg beim Erzrivalen. Der 7:4-Erfolg war nicht nur hochverdient, er war regelrecht eine Demontage des Gegners.

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7:4 - Falken zerlegen die Steelers nach Strich und Faden

Die Steelers um Brett Breitkreuz sahen am Dienstagabend gegen starke Heilbronner Falken mit Ian Brady kein Land.

Foto: Alexander Keppler

Sechs Jahre lang hatten die Heilbronner Falken kein Derby mehr in Bietigheim gewonnen. Doch nicht dieser Fakt machte den Erfolg am Dienstag historisch - es war viel mehr die Deutlichkeit des Derbysiegs. Beim 7:4 (4:0, 1:1, 2:3) zerlegten die Unterländer den innig geliebten, einstigen Klassenprimus vor allem im ersten Drittel in seine Einzelteile und entschieden ein unterhaltsames, aber selten spannendes Spiel bereits in den ersten 20 Minuten. "Heute kann ich zum ersten Mal in den vergangenen eineinhalb Jahren sagen, ich bin mit der Mannschaft ziemlich zufrieden", sagte Falken-Trainer Alexander Mellitzer.

Für die Falkenfans fiel Weihnachten und Ostern auf einen Tag

Natürlich, selten standen die Vorzeichen für einen Derbysieg in Bietigheim besser, der ehemalige Klassenbeste läuft auch unter Ex-Falke Marc St. Jean als Trainer unrund, so dass derzeit selbst Erfolge gegen Freiburg oder Kassel sportlich höher einzuschätzen sind. Aber für die Falken eben auch nicht ganz so schön wie gegen Bietigheim. Vor allem in Bietigheim: Da fielen für Falken-Anhänger am Dienstagabend Weihnachten und Ostern zusammen. Das höchste der Gefühle. Mehr geht nicht. Umgekehrt gilt für die erfolgsverwöhnten Steelers: Eine Niederlage im Derby tut besonders weh. Auch deswegen war gleich Feuer in der Partie.

Stunk gab es schon nach eineinhalb Minuten am Falken-Tor, in dessen Folge beide Teams mit einer Strafe belegt wurden. Für lange Zeit blieben das aber die einzigen. Für die Falken der Auftakt zu einem perfekten ersten Drittel, das sich kein Fan besser hätte ausdenken können. 4:0 nach 20 Minuten: Das war nicht bloß eine Ansage, das war schon eine Demontage für die Steelers, die zwar bemüht, in Summe aber glücklos waren. Im Gegensatz zu den Falken, die den Ton angaben - und früh per Doppelschlag die Weichen auf Sieg stellten. Kapitän Derek Damon leitete den Reigen ein, er verwertete einen Querpass von Stefan Della Rovere am langen Pfosten zum 0:1. Nur 27 Sekunden später traf Ian Brady zum 2:0: Der quirlige Kanadier fing einen Pass ab und schickte Bryce Gervais, der aber direkt auf Keeper Stephon Williams feuerte. Der Abpraller landete wieder bei Verteidiger Brady - und der sagte brav: danke.

Weitere Tore zum richtigen Zeitpunkt

Der Steelers-Trainer reagierte mit einem Timeout, doch sein Team agierte in der Folge benommen, wie in Trance - und hatte mit dem hohen Pressing der Falken sichtlich Probleme. Die Falken, die in der Phase klar dominierten, wussten daraus trotz guter Chancen aber keinen Nutzen zu ziehen. Und so erholte sich Bietigheim, Mitte des Drittels waren die Steelers wieder da, Frédérik Cabana hatte das 1:2 auf dem Schläger, das Tor war frei, doch die Falken störten den Ex-Falken gerade noch (11.). Kurz darauf hatten die Falken Glück, als ein Pass einem Verteidiger an die Kufe flog und von da lediglich an den Schoner von Matthias Nemec (14.).

Und genau in die beste Phase der Gastgeber hinein, schlug Heilbronn wieder zu: Die Falken störten den Aufbau der Steelers empfindlich, eroberten die Scheibe. Und dann ging es schnell. Nur zwei Pässe später stand erneut Damon goldrichtig und traf zum 3:0 (18.). Alex Nikiforuk setzte dem Ganzen mit einem trockenen Schuss in der 19. Minute die Krone auf. 4:0. Das Spiel war schon durch.

Nach dem 7:1 schalteten die Falken in den Schongang

Doch die nun an der Ehre gepackten Steelers, bei denen nun Cody Brenner im Kasten stand, gaben zu Beginn des zweiten Abschnitts schnell ein Lebenszeichen von sich: René Schoofs traf nach 32 Sekunden zum 1:4, Matt McKnight hatte kurz darauf das 2:4 auf dem Schläger, doch Nemec machte das kurze Eck dicht. Eine heikle Phase für Heilbronn. Doch mit dem 5:1 stellte Bryce Gervais den alten Abstand bald wieder her (26.). Die Falken-Fans: Sie feierten schonmal den Derbysieger, der den Rest des Abschnitts im Schongang, erledigte. Weiter 5:1. Äußerst komfortabel.

Zumal das 6:1 folgte: Damon traf gleich in der ersten Überzahl der Falken (46.). Zuvor musste Heilbronn nochmal hochfahren, um zwei Unterzahlsituationen in Folge zu überstehen. Alles kein Problem an diesem historischen Abend, an dem Brady noch das 7:1 (48.) folgen ließ. Bietigheim traf danach gegen allzu entspannte Falken noch drei Mal - durch Benjamin Zientek und zwei Mal McKnight. Ein Schönheitsfehler. An der historischen Schmach änderte das freilich nichts mehr.


Tor: Nemec, Schickedanz. Abwehr: Pavlu - Maschmeyer; Götz - Brady; Mapes - Maginot. Angriff: Della Rovere - Damon - Nikiforuk; Gervais - Wruck - Soramies; Miller - Preto - Brune; Valenti - Koch - Schumacher.

Tore: 0:1 (4.) Damon, 0:2 (5.) Brady, 0:3 (18.) Damon, 0:4 (19.) Nikiforuk, 1:4 (21.) Schoofs, 1:5 (26.) Gervais, 1:6 (46.) Damon, 1:7 (48.) Brady, 2:7 (50.) Zientek, 3:7 (53.) McKnight, 4:7 (57.) McKnight. Strafminuten: 6/10.

Schiedsrichter: Michael Klein, Sascha Westrich. Zuschauer: 3875.


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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