Horkheimer Handballer hofft auf Olympia-Ticket

Handball  Der Horkheimer Sebastian Heymann strotzt im Rennen um die Tokio-Teilnahme vor Selbstvertrauen. Der Bundestrainer sucht flexible Spieler wie ihn. Doch Heymann hat auch eine Spezialität.

Email

Das will der Bundestrainer von Sebastian Heymann (M.) wie hier gegen Algerien häufiger sehen: Abschlüsse. "Ich soll meinen harten und präzisen Wurf mehr einsetzen", sagt der 23-jährige Horkheimer.

Foto: dpa

Jeder Nationalspieler hat nach der Olympia-Qualifikation in Berlin von Alfred Gislason ein Lehrvideo bekommen. Darin kommentiert der Bundestrainer Spielszenen, erklärt was gut war und was besser werden muss. "Ich soll mich mehr auf meine Stärken verlassen", verrät Sebastian Heymann, um was es in seinem Film ging. "Ich soll mich mehr trauen und mehr aus dem Rückraum schießen. Das habe ich hier im Training versucht umzusetzen."

Die DHB-Auswahl bereitet sich derzeit in Frankfurt auf die EM-Qualifikationsspiele heute (16.10 Uhr/ARD) in Bugojno gegen Bosnien-Herzegowina und am Sonntag zum Abschluss in Stuttgart gegen Estland vor. Das EM-Ticket hat die deutsche Nationalmannschaft bereits sicher, doch die Auftritte sind aus anderer Hinsicht bedeutsam. "Es geht um Olympia. Hier ist eine der letzten Möglichkeiten, sich zu zeigen", sagt Heymann.

Souverän auf dem virtuellen Presse-Podium

Der 23-jährige Horkheimer saß am Mittwoch auf dem virtuellen Podium und beantwortete die Pressefragen. Dabei parliert der Rückraumspieler von Frisch Auf Göppingen inzwischen ähnlich souverän wie er auf den Bundesliga-Spielfeldern agiert.

Wie denn eine Olympia-Bewerbung in eigener Sache lauten würde, sollte Heymann ausführen. Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen: "Für mich spricht, dass ich nicht nur vorne im linken Rückraum, sondern auch hinten im Innenblock spielen kann. Dazu bin ich nicht nur der klassische Shooter, sondern verfüge auch über ein gutes Entscheidungsverhalten." Im Klartext: Heymann kann nicht nur Abschluss, sondern auch Assist.

Fünf Kandidaten für zwei Halblinks-Plätze

Dass diese Flexibilität gerade für den kleinen 14er-Olympiakader große Bedeutung haben wird, unterstrich der Bundestrainer: "Wenn ein Spieler mehrere Positionen im Angriff und in der Abwehr spielen kann, ist das natürlich ein großes Plus." Für die voraussichtlich zwei Olympia-Tickets benennt Gislason fünf Kandidaten: Neben Heymann den vermutlich gesetzten Julius Kühn, dazu Paul Drux, Fabian Böhm und Lukas Stutzke. "Alle fünf haben eine Chance, in Tokio dabei zu sein. Die Leistungen in Bosnien und gegen Estland werden jedenfalls sehr wichtig sein."

Dem Konkurrenzkampf stellt sich Heymann. Sogar sehr gerne, wie er betont: "Der gehört zum Leistungssport dazu und bringt uns alle weiter. Ich bin froh, dass es ihn gibt." Scheuen muss er ihn auch nicht. Nachdem er wegen einer Bänderverletzung ein Spiel aussetzen musste, kam er stärker denn je zurück. 112 Tore hat er in bisher 25 Bundesligaspielen erzielt, seine Wurfquote von 70 Prozent ist besser als die von Kühn oder dem Kieler Superstar Sander Sagosen. "Ich spiele meine beste Bundesligasaison und versuche im Verein noch mehr Verantwortung zu übernehmen. Das ist der nächste Schritt, den ich machen muss."

Schritt aus der schwäbischen Provinz?

Der übernächste könnte ihn womöglich aus der schwäbischen Provinz hinwegführen. Vor fünf Jahren unterschrieb Heymann in Göppingen seinen ersten Profivertrag, am Ende der nächsten Saison läuft der Kontrakt aus. "Es gibt Gespräche, sowohl mit Frisch Auf als auch mit anderen Vereinen, die Interesse angemeldet haben."

Doch zu weit will Heymann nicht nach vorne blicken. Er weiß aus leidvoller Erfahrung um die Fragilität der Profisportkarriere. "Mein Fokus liegt auf der EM-Quali und dann auf dem Bundesliga-Endspurt."


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

Kommentar hinzufügen