Mit Puls 180 den Sieg festgehalten
TSV Weinsberg feiert gegen Konstanz ersten Heimerfolg in der Oberliga − Torhüter-Eigengewächs Michael Frisch gibt starkes Debüt

Michael Frisch war noch Minuten nach dem Abpfiff am Zittern. Gut zehn Minuten vor dem Ende der Oberligapartie seiner Weinsberger gegen die HSG Konstanz II musste der 19-Jährige gestern zwischen die Pfosten. Der bis dahin stark haltende Nicolai Fasano hatte sich bei einer Parade eine Kapselverletzung am Finger zugezogen. Der etatmäßige zweite Mann Timo Hirschmann war wegen seiner Rückenprobleme nicht einsatzfähig. 22:19 führten die Weinsberger zu diesem Zeitpunkt. "Ich bin mit Puls 180 aufs Feld", gestand Frisch.
Doppelparade
Am Ende feierte der TSV mit 32:27 (13:13) seinen ersten Oberliga-Heimsieg und besonders den Torwart-Debütanten. Mit fünf Paraden hatte das Eigengewächs maßgeblichen Anteil daran, dass die zwei Punkte in der Weibertreuhalle blieben. Dabei ging es gar nicht gut los. An den ersten beiden Würfen auf sein Tor war Frisch zwar dran, konnte sie aber nicht abwehren. Auf der Bank überlegte man bereits, ob Fasano nicht getaped wieder aufs Feld sollte. Doch dann glänzte Frisch mit einer Doppelparade und blieb noch drei weitere Male Sieger. "Das ist bei mir immer so. Ich brauche einen Ball, um ins Spiel zu kommen, um mich hochzupushen." Danach war der Maschinenbaustudent nicht mehr zu halten. "Die Fans haben so gejubelt, meine Familie war da, viele Freunde. Meinen Bruder Jonas habe ich brüllen gehört."
Von so viel positiver Emotion war bei den Gastgebern zu Beginn des Spiels wenig zu spüren. Der Negativtrend mit drei verlorenen Spielen in Folge war dem Team anzumerken. Durch viele freie Fehlwürfe, darunter drei Siebenmeter, hielten die Weinsberger die mit nur drei Ersatzspielern angereisten Gäste im Spiel. Besonders Mittelmann Benjamin Schweda und die Kreisläufer Manuel Both und Marius Oßwald bekam die TSV-Abwehr in den ersten 30 Minuten überhaupt nicht in den Griff. "Das haben wir in der zweiten Hälfte viel besser verteidigt", sagte Kreisläufer Rico Reichert, der im Vergleich zur Vorwoche eine ebenso deutliche Leistungssteigerung zeigte wie Rechtsaußen Alexander Ruck.
Trotzdem dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, bis es der TSV endlich schaffte, sich ein wenig abzusetzen. Beim eingangs erwähnten 22:19 waren es erstmals drei Treffer. Diesen Vorsprung hielten die Gastgeber fortan verbissen. Ob Ruck, Roland Kroll, Max Schulze oder der starke Kapitän Sven König − die Überzeugung in die eigene Stärke wuchs mit jedem erfolgreichen Abschluss. "In der aktuellen Situation ist klar, dass uns das Spiel nicht leicht von der Hand geht", sagte Trainer Markus Kübler. Dessen Schachzug mit einem zusätzlichen Feldspieler in Unterzahl ging voll auf. "Wir haben keinen einzigen Gegentreffer ins leere Tor bekommen, aber im Sechs-gegen-Sechs regelmäßig getroffen", freute sich Kübler. Mit dem 30:26 durch Ruck knapp zwei Minuten vor dem Ende war der zweite Saisonsieg schließlich unter Dach und Fach.
Der gefeierte Mann des Abends war am Ende Michael Frisch. "Er hat gut Fuß gefasst bei uns. Den Tag soll er jetzt einfach genießen", sagte Kübler.
TSV Weinsberg: Fasano, Frisch, Hirschmann - Schulze (6), R. Reichert (4), Leinhos (1), Schwerdtle, J. König (3), F. Reichert, S. König (9/3), Ruck (5/1), Prasolov, Kroll (4), Geiger.
Beste Schützen der HSG: Schweda (8/4), Both (6).
Siebenmeter: TSV 8/4; HSG 8/4.
Zeitstrafen: 7/7.
Disqualifikation: J. König (TSV) nach dritter Zeitstrafe (55.).
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