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Handball-Abenteuer in Slowenien: Lotta Gerstweiler und Nina Engel reisen mit der U20 zur WM

Die deutsche U 20-Nationalmannschaft des DHB fährt mit Lotta Gerstweiler und Nina Engel zur Weltmeisterschaft. Für den DHB und Nationaltrainer André Fuhr ist es nach einer schwierigen Turniervorbereitung auch eine Reise ins Ungewisse.

Nils Buchmann
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Lesezeit 3 Min
Eine Reise ins Ungewisse
SUN-Neuzugang Nina Engel kennt sich im DHB-Dress und in den slowenischen Sporthallen bereits aus. Sie ist eine der Leistungsträgerinnen im Team.  Foto: Marco Wolf via www.imago-images.de

Die Vorbereitung war holprig, die Gegner sind unbekannt, doch die Vorfreude ist groß. André Fuhr hatte sicherlich schon einfachere Aufgaben. Der 51-Jährige ist Trainer der Deutschen U 20-Nationalmannschaft der Frauen, bereitet sich seit einigen Wochen mit seinem Team auf die bevorstehende Weltmeisterschaft in Slowenien (21. Juni bis 3. Juli) vor und muss für gleich mehrere Probleme Lösungen finden.

Am Mittwoch geht es für die DHB-Auswahl in Celje los. Gastgeber Slowenien, Chile und Mexiko warten auf die deutschen Handballerinnen in der Gruppenphase. Welche Spielerin letztlich wo auf der Platte steht, das weiß aber auch André Fuhr noch nicht ganz sicher.

Verletzungen, drei Corona-Infektionen, vier abgesagte Testspiele, sechs Debütantinnen im drittletzten Vorbereitungsspiel − viel Zeit zum Herausbilden von Spielzügen und Abläufen hatte die Auswahl trotz zweier Auswahllehrgänge und des Vier-Nationen-Turniers in Hamm nicht. "Alles muss noch verbessert werden", sagt Fuhr mit einem Lachen zu den Erkenntnissen der Turniervorbereitung. "Vor allem die Automatismen in Abwehr und Angriff müssen sich noch einschleifen", sagt Fuhr. Auch die Nervosität müssten gerade einige der neuen Spielerinnen noch ablegen.

Gerstweiler überzeugt mit Präsenz und Torgefahr

Eine Reise ins Ungewisse
Lotta Gerstweiler  Foto: SGSB

Bis morgen weilt der DHB-Tross zum zweiten Lehrgang in Ismaning, von wo es im Anschluss direkt nach Celje geht. 29 Spielerinnen hatte Fuhr beim Handballweltverband IHF zunächst vorsorglich für das Turnier gemeldet, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Die Liste mit den Spielerinnen auf Abruf ist entsprechend lang. Später wurde der Kader auf 16 Akteurinnen gestutzt. Der linke Rückraum macht ohne die verletzte Naomi Conze (Werder Bremen) ebenso Sorgen wie die Position am Kreis, auf der gleich vier potenzielle Startspielerinnen ausfallen. "Mal schauen, ob noch eine, zwei oder drei Spielerinnen dazukommen", kann Nationaltrainer André Fuhr Wechselspiele nicht ausschließen.

In jedem Fall können sich Lotta Gerstweiler (SG Schozach-Bottwartal) und erst recht Leistungsträgerin Nina Engel (Werder Bremen, ab der nächsten Saison in Neckarsulm) auf Einsatzzeiten freuen. "Wir haben Lottas Leistungen bei Schozach-Bottwartal beobachtet", sagt Fuhr. "Sie kann uns mit ihrer körperlichen Präsenz weiterhelfen und macht auch mal einfache Tore", stellt der Coach den Mehrwert der Rückraumspielerin heraus. "Wir haben sonst keine Spielerin mit diesem Profil im Kader." Während Gerstweiler durchaus von den vielen verletzungsbedingten Absagen profitierte, war Nina Engels Nominierung "gar keine Frage" (Fuhr). Die 19-Jährige ist als Leistungsträgerin gesetzt und war mit der U 19-Auswahl des DHB bereits im Vorjahr in Celje; damals bei der Europameisterschaft. Die Bedingungen mit Hotel und den dortigen Sporthallen seien gut, sagt die künftige Neckarsulmerin und gibt zu: "Ich bin schon ein bisschen entspannter und lockerer als letztes Jahr."

Gegen unangenehme Gegner das Maximum herausholen

Ihre Erfahrungen rund um die Abläufe bei einem solchen Turnier müssen viele ihrer Kolleginnen allerdings erst noch sammeln. "Ich bin aber positiv überrascht über den Willen und Kampfgeist der Mannschaft", sagt Engel. Relativ schnell habe sich in den "intensiven Wochen" der Vorbereitung trotz der vielen Wechsel im Team eine gute Einheit gebildet. "Unser − und auch mein persönlicher Anspruch − muss sein, das Beste, was möglich ist, herauszuholen."

Was letztlich möglich sein wird, wird sich erstmals zum Start am Mittwoch gegen Chile (11.30 Uhr) zeigen. "Man weiß wenig über Chile und Mexiko (24. Juni, 16.30 Uhr), aber wir haben als DHB das Selbstverständnis, beide zu schlagen", sagt Nationaltrainer Fuhr. Slowenien (25. Juni, 18.30 Uhr) sieht er als "unangenehmen Gegner". Wie viele Punkte seine Auswahl mit in die Hauptrunde nehmen könne, wird daher vor allem vom Resultat gegen den Gastgeber abhängen.

Drei weitere Neckarsulmer Neuzugänge in Slowenien am Ball

"Wir müssen von Spiel zu Spiel denken − die Situation lässt nichts anderes zu", umreißt André Fuhr den Plan für das Turnier. Er hat in der Vorbereitung bei seiner Mannschaft "großes Herz" und einen "guten Charakter" erkannt. Sollte in Slowenien auch noch guter Handball hinzukommen, könnte das die komplizierte Ausgangssituation zweifelsfrei entspannen.

Neben den beiden Deutschen sind auch drei weitere Neuzugänge der Sport-Union Neckarsulm in Slowenien für ihr jeweiliges Land am Ball. Lin Johannsen (Linksaußen) für Dänemark, Anita Polácková (Tor) für Tschechien und Amber Verbraeken (Rechtsaußen) für die Niederlande. Im erweiterten Kader der Deutschen Auswahl steht mit Laila Ihlefeldt (Jahrgang 2004) noch eine weitere Sport-Union-Spielerin. Dass die linke Rückraumspielerin, die noch U 18 spielen könnte, nachnominiert wird, ist jedoch eher unwahrscheinlich. Man wolle vorwiegend auf die 2002er-/2003er-Jahrgänge setzen, erklärt André Fuhr.

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