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Ein Zeichen an alle: SG Schozach-Bottwartal will in die 2. Liga

Frauen der Schozach-Bottwartal siegen zum Auftakt der Aufstiegsrunde mit 23:18 gegen Haunstetten - Überragende Svenja Kaufmann

Stephan Sonntag
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Lesezeit 2 Min
Ein Zeichen an alle: SG Schozach-Bottwartal will in die 2. Liga
So frei kam Elena Fabritz nur selten zum Wurf. Die erfahrene Kreisläuferin entwickelt sich mehr und mehr zu einer absoluten Führungsspielerin.  Foto: Berger, Mario

Als Knackpunkt des Spiels wollte Sina Klenk ihren Siebenmeter kurz nach dem Seitenwechsel nicht bezeichnen. "Das wäre zu hoch gehängt, aber es war sicher ein günstiger Moment für die Aktion", befand die Rückraumspielerin der SG Schozach-Bottwartal. Nachdem knapp eine Minute zuvor SGSB-Kapitänin Theresa Müller vom Strich an Haunstettens Torhüterin Magdalena Frey gescheitert war, schritt die Routinierin zur Tat. Und wie! Männliche Fußballer würden hier vermutlich den Spruch eines früheren Welttorhüters aus Karlsruhe bemühen. Jedenfalls düpierte Klenk die gegnerische Keeperin mit einem dreisten Heber.

Es war zwar lediglich der Treffer zum 11:10 in der 34. Minute. Doch es war vor allem ein Zeichen: der Stärke, des Selbstvertrauens, des Siegeswillens. Gerichtet an die Teamkolleginnen, die Gegnerinnen und die 600 ohrenbetäubend lauten Fans in der Beilsteiner Langhanshalle.

Die vielleicht besten 26 Minuten in der gesamten Saison

Was folgte waren die vielleicht besten 26 Minuten der Gastgeberinnen in der gesamten Saison. Basierend auf einer 6:0-Abwehr aus Granit und einer Torhüterin Jana Brausch in Gala-Form, spielte sich die SGSB in einen Rausch und fegte den TSV Haunstetten im ersten Aufstiegsspiel zur 2. Bundesliga mit 23:18 (9:10) vom Feld.

"Das sind erst einmal zwei Punkte und fertig", stellte Hans Christensen in seiner dänisch-nüchternen Art fest. Doch dem Trainer war anzumerken, dass er sehr stolz auf die Leistung seines Teams war: "Wir haben über 60 Minuten eine sehr gute Abwehr gespielt." Zweifelsohne. Einen Gegner, der im Schnitt knapp 30 Tore pro Spiel erzielt, bei deren 18 zu halten, ist schon eine Ansage. Doch das Prunkstück des TSV Haunstetten ist ja eigentlich die offensive 3:2:1-Abwehr. Die bekam die SGSB besonders in den ersten 30 Minuten zu spüren. "Sehr aggressiv, sehr weit draußen. Sie haben uns fast an der Mittellinie attackiert", fasste Natascha Weber das Konzept zusammen.

Viele schmerzhafte Eins-gegen-Eins-Situationen

Es erforderte enorme Laufbereitschaft und viele schmerzhafte Eins-gegen-Eins-Situationen, um Lücken in diese eingespielte Formation zu reißen. Dafür braucht es eine eiskalte Denker- und Lenkerin. Die trug die Rückennummer acht und lieferte im voraussichtlich sechstletzten Spiel ihrer Karriere eine überragende Vorstellung ab. 60 Minuten ackerte Svenja Kaufmann vorne wie hinten, warf sich in unzählige Zweikämpfe und behielt stets kühlen Kopf. "Svenja brauchen wir in so einem Spiel", sagte Christensen. Gerade in der ersten Hälfte, als sein Team offensiv keine Lösungen fand, war die Spielmacherin als Torschützin aus dem Rückraum gefragt. Vier ihrer sechs Treffer erzielte die 28-Jährige in den ersten 30 Minuten.

Dennoch ging es mit einem 9:10-Rückstand in die Kabine. "Ich hatte trotzdem keine Sorge", sagte Brausch, als ob sie geahnt hätte, dass dem TSV in den kommenden 20 Minuten nur mickrige drei Treffer gelingen würden. "Ich habe heute einige Bälle gehalten, die ich nicht halten muss", sagte Brausch. Teamkollegin Klenk attestierte ihrer Torhüterin einen "Sahne-Tag" und dem gesamten Team eine "Hammer-Abwehr".

Jede Spielerin wird noch ihre Bewährungschance bekommen

In Richtung des gesamten Teams hatte auch der Trainer noch eine Botschaft loszuwerden. "Wir haben heute schmal gespielt", sagte Christensen, sprich mit nur wenigen Akteurinnen. "Es müssen aber alle verstehen, dass sie zu diesem Kollektiv gehören, auch wenn sie heute nur wenig oder gar nicht gespielt haben", machte der Coach deutlich. Schließlich stehen noch fünf Partien aus und jede Spielerin wird noch ihre Bewährungschance bekommen, um den Traum vom Bundesliga-Aufstieg wahr zu machen.

"Das war heute ein Auftakt nach Maß, vor voller Halle, einfach richtig geil", sagte Klenk und freute sich schon auf das nächste Spiel am kommenden Sonntag (15 Uhr) gegen den SV Allensbach, der sein erstes Spiel mit 22:18 gegen Freiburg gewonnen hat.

SG Schozach-Bottwartal: Brausch, Keller (Tor) - Weber (1), Hanak, Müller (4/1), Kaufmann (6), Däuble (2), Hönig, Keil, Klenk (2/2), Räuchle, Fabritz (4), Maier, Loehnig (4).

Beste Schützinnen des TSV: Irmler (4), Walter (4), Schäfer (3).

Schiedsrichterinnen: Laura Bley, Birgit Tarka.

Siebenmeter: SGSB 5/3; TSV 4/2.

Zeitstrafen: 2/4.

Zuschauer: 600.

Ein Zeichen an alle: SG Schozach-Bottwartal will in die 2. Liga
So sah es in der ersten Halbzeit oft aus: Nur mit größtem Einsatz und mit Schmerzen fanden Lisa Loehnig und ihre SGSB den Weg zum Tor. Fotos: Mario Berger  Foto: Berger, Mario
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