Sorgenvoller Start der Oberliga-Handballer der Sport-Union, Siege für Weinsberg und Bönnigheim

Handball  Neckarsulm verliert wegen einer verschlafenen Anfangsphase gegen Zizishausen mit 31:34. Dafür gelingt Weinsberg mit einem 38:32-Erfolg in Neuhausen ein Befreiungsschlag und die Frauen des TSV Bönnigheim fahren im zweiten Spiel den zweiten Sieg ein.

Email

Das zieht runter: Kevin Matschke (am Ball) zog sich gegen Zizishausen einer Verletzung zu und droht Neckarsulm auszufallen.

Foto: Mario Berger

Was bei der Sport-Union aktuell noch positiv stimmt? Felix Hofacker seufzte am Samstagabend kurz und sagte dann: "Die Runde ist immerhin noch ganz schön lang." Tatsächlich haben die Neckarsulmer erst zwei Oberliga-Spiele bestritten und trotz zweier Pleiten ist natürlich noch nichts verloren.

Dennoch stimmt der NSU-Start ziemlich sorgenvoll. Nicht nur, weil die Leistung gegen Zizishausen beim 31:34 (15:17) erneut nicht genügte. "Obwohl wir mit einem großen Kader angelaufen sind, wird meine Personaldecke immer dünner und dünner - dabei brauchen wir eigentlich jeden Mann auf dem Feld", klagte der Neckarsulmer Coach Clemens Borchardt.

Kurz vor Schluss verletzt sich Kevin Matschke am Sprunggelenk

Als die Neckarsulmer beim 29:32 gegen Zizishausen drei Minuten vor der Schlusssirene bereits die fahrige Partie verloren hatten, sollte auch noch Kevin Matschke ausfallen. Im Angriff verletzte sich der Neckarsulmer Halblinke das Sprunggelenk und musste von seinem Coach vom Feld geführt werden. "Vom Gefühl her meinte er gleich, dass das Band ab ist", sagte Clemens Borchardt, der dennoch nicht gleich komplett schwarz sehen wollte: "Hoffentlich ist es nur ein bisschen gezerrt."

Auch auf eine bessere Defensivleistung hatte der Neckarsulmer Trainer vor dem ersten Heimspiel gehofft. Vergeblich. "34 Gegentore daheim sind einfach viel zu viel", monierte NSU-Kreisläufer und Abwehrkante Felix Hofacker. Besonders den besten Zizishauser Louis Mönch bekam die Sport-Union über weite Strecken überhaupt nicht in den Griff. "Ohne zu wissen, wie viel Tore er gemacht hat - das darf uns nicht passieren, dass wir uns von einem Spieler so abschießen lassen", betonte Hofacker.

Zu viele halbherzige Angriffe

Erst als der wiedergenesene Robin Mahl den Man of the Match nach 45 Minuten kurz deckte, verpuffte die Gefahr des 13-Tore-Manns. Doch nicht nur hinten drückte bei Neckarsulm der Schuh. "Wo soll ich den hinspielen, es ist alles voller Roter", fragte Shooter Felix Trumpp schulterzuckend in Richtung Bank der Sport-Union, als beim 20:26 (42.) wieder einmal ein halbherziger NSU-Angriff an der offensiven Deckung der Gäste zerschellt war.

Von Anfang an hatte die Sport-Union mit der extrem beweglichen roten Wand des TSV große Probleme und startete strauchelnd mit einem 0:4-Lauf in die ersten sieben Minuten. "Wir wollten eigentlich ohne Ball viel laufen, wollten den Ball in der Bewegung annehmen - stattdessen haben wir Standhandball gespielt", wunderte sich Borchardt.

Hinzu kamen immer wieder vermeidbare Fehler. NSU-Kapitän Benjamin Schreider brachte sein Team zumindest etwas in die Spur und mit dem 9:11 (20.) wieder ran. Auch beim 15:17-Pausenstand war nach einer mäßigen ersten Hälfte noch alles möglich.

Zu viele einfache Fehler, zu große Lücken in der Abwehr

Doch auch den Start in die zweite Hälfte verpennte die Sport-Union. Nach 36 Minuten stand es 17:23 - näher als auf zwei Tore sollte Neckarsulm nicht mehr herankommen. Wille und Kampf waren zwar da, allerdings auch immer wieder ganz einfache Fehler im Angriff und Lücken in der Abwehr.

"Letztendlich sind wir dem frühen Rückstand das ganze Spiel hinterhergelaufen. Wir müssen es schaffen, die einfachen Ballverluste abzustellen. Sonst wird es gegen jeden Gegner schwierig", sagte Felix Hofacker. Positiv will er trotzdem bleiben: "Wenn wir die Kleinigkeiten abstellen, sieht es auch gleich wieder anders aus."

Neckarsulmer SU: Max Kerner, Bartelmann (Tor) - Kazmeier, Trumpp (3), Castiello, Brake (5), Track (3), Schreider (5), K. Matschke (4/2), Hemmer, Hofacker (7), Staib, Mahl (4).

Beste Schützen TSV: Mönch (13/4), Müller (6/1).

Siebenmeter: NSU 2/2, TSV 6/5. Zeitstrafen: 3/2.

 

Weinsberger Tor-Gala vor leeren Sitzen in Neuhausen

Oberligist TSV Weinsberg hat mit einem überraschend deutlichen 38:32 (22:17)-Sieg beim stark eingeschätzten TSV Neuhausen/Fildern ein Ausrufezeichen gesetzt. „Einstellung und Engagement waren top. Das zeigt sich in der Angriffsleistung“, sagte Kapitän Sven König. Mit 2:2 Punkten auf dem Konto kann das Team von Trainer Markus Kübler deutlich entspannter ins erste Heimspiel am kommenden Sonntag gehen.


Im Grunde war es ein Start-Ziel-Sieg der Gäste vor leeren Rängen in der Egelsee-Sporthalle. Neuhausen lag zu keinem Zeitpunkt der Partie in Führung. „Die Umstände waren sicher kein Nachteil für uns“, gab König zu. Nach einer weitgehend ausgeglichenen Anfangsviertelstunde erarbeiteten sich die Gäste bereits bis zur Pause einen Fünf-Tore-Vorsprung.


Mit dem aus der Quarantäne entlassenen Moritz Wahl, der bei seinem Comeback sieben Mal traf, hatte das Offensivspiel erheblich mehr Durchschlagskraft. Auch Neuzugang Luka Vukotic erzielte seine ersten vier Oberliga-Tore und stand dem etatmäßigen Kreisläufer Moritz-Lukas Lanig nicht nach.
Näher als auf drei Tore kamen die Gastgeber, die zum Auftakt beim Aufsteiger Birkenau gewonnen hatten, auch in der zweiten Hälfte nicht heran. Alles in allem ein hochverdienter Erfolg und eine echte Tor-Gala der Weinsberger.


TSV Weinsberg: Krems, Zügel (Tor) - Schulze (6), Ströbel (3), Baumann, Schmid, Schenk (5), Lanig (4), S. König (9/3), Pech, Vukotic (4), Wahl (7).

Beste Schützen von Neuhausen: Letzgus (11/2), Sommer (7).

Siebenmeter: Neuhausen 2/2; Weinsberg 4/3.

Zeitstrafen: 5/3.

 

Bönnigheimer Zittersieg beim Aufsteiger für den perfekten Saisonstart

Denkbar knapp mit 30:29 (14:14) haben die Bönnigheimer Oberliga-Frauen am Sonntag bei der TG Nürtingen II den zweiten Sieg im zweiten Spiel eingefahren. Die Partie beim Aufsteiger musste ohne Zuschauer bestritten werden, so dass die Spielerinnen auf der Bank auch als Fans gefragt waren.


Die Gastgeberinnen begannen stark, legten ein 3:0 (6. Minute) vor. Nach anfänglichen Schwierigkeiten entwickelte sich aber ein Spiel auf Augenhöhe und nach 20 gespielten Minuten hatte sich der TSV beim 11:8 ein Drei-Tore-Polster erarbeitet. Zur Pause stand es dann aber wieder 14:14.


Nach der Halbzeit war es vor allem die Achse Sina Häberlen und Sandra Graner, die immer wieder schön am Kreis angespielt werden konnte und wichtige Tore erzielte. Auch Kathrin Gerullis lieferte im Tor eine starke Partie ab und sorgte in den entscheidenden Phasen dafür, dass die TG Nürtingen nie über ein Unentschieden hinauskam.

Wirklich absetzen konnte sich der TSV aber nicht und beim 29:28 in der 58. Minute wurde es noch einmal spannend. Am Ende war es ein entscheidendes Tor, welches den Gästen zu zwei weiteren Punkten verhalf. „Ich bin froh über die hart erkämpften Punkte gegen einen Gegner auf Augenhöhe und mit dem Start in die Saison zufrieden“, sagte Trainer Stefan Martin.


TSV Bönnigheim: Gerullis, Altmann (Tor) - Zäh, Hafendörfer, Haar, Gröger (2), Graner (10/2), Ullrich (3/2), Meic (1), Samer (1), Häberlen (6), Halupka (3), Kerner (4).

Siebenmeter: TG 4/4; TSV 8/4

Zeitstrafen: 8/3.

Disqualifikation: Rote Karte für Vivien Fischer (Nürtingen/54.).


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

Kommentar hinzufügen