Weinsberger Dach und Deckung gerade noch dicht genug

Handball  Die nächste Kuriosität in der Weibertreuhalle kostet den TSV Weinsberger diesmal nicht den Oberliga-Sieg. Nach Starkregen tropft es von der Decke.

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Bange Blicke nach oben: Maximilian Schulze (Mitte) und Moritz Wahl (re.) beobachten die undichten Stellen des Weinsberger Hallendachs.

Fotos: Alexander Bertok

Ab der 22. Minute traten die Weinsberger gleich gegen zwei Wiedersacher an. Und beide blieben am Sonntag bis zum Schluss eine Gefahr für den ersten Oberliga-Sieg im zweiten Saisonspiel. Dass der wieselflinke HC Neuenbürg dem TSV Weinsberg den Weg zum 36:33 (18:16) schwer machen sollte, hatte das Team von Trainer Michael Stettner erwartet. Eine erneute Kuriosität in der Weibertreuhalle, die Punkte kosten könnte, allerdings nicht.

War es beim 26:26-Auftakt eine Lücke im Tornetz gewesen, die Weinsberg um den erzielten Siegtreffer gegen Herrenberg gebracht hatte, lag das Problem diesmal an deutlich kleinerern undichten Stellen. "Ich hatte echt Angst, dass die Schiedsrichter abbrechen - man konnte es nicht von der Hand weisen, dass es permanent runtergetropft hat", gestand Stettner mit Blick zur verglasten Decke, die dem einsetzenden Starkregen nicht mehr richtig Stand hielt.

Die Angst vor einem Spielabbruch

Der wichtigste Weinsberger Mann war während der Unterbrechung beim Stand von 13:11 plötzlich der Hallenmeister des TSV. "Der hat alles mal wieder auf und zu gemacht - das hat dann tatsächlich geholfen", berichtete der Coach. Gänzlich in trockenen Tüchern war die Sache trotzdem noch nicht.

"Ich dachte eigentlich, dass es nicht bis zu Ende geht. Das ist schon ein paar Mal in Training passiert, normal tropft das dann zwei Stunden runter - zum Glück hat es aufgehört", sagte TSV-Shooter Moritz Wahl, der zusätzlich auch als verdeckter Wischer tätig war: "Zwei, drei Tropfen waren auch nach der langen Unterbrechung mal noch da, aber die haben wir heimlich mit dem Fuß weggewischt, dass die Schiris es nicht nochmal sehen und doch abbrechen." Nicht nur die ungewohnte Aufgabe meisterte die Nummer 77 des TSV erfolgreich. Ein bisschen war nämlich auch in der Weibertreuhalle Wahl-Sonntag, Wahl mit neun Treffern immer wieder das offensive Thema. "Heute war es gut. Ich bin zufrieden. Die Rückraum-Achse mit Max, Sven, Jan und mir ist gut eingespielt." Zusammen kamen Schulze, die König-Brüder und der Topscorer auf satte 25 Treffer und machten damit über zwei Drittel der TSV-Tore.

Weinsberger Torhüter Marc Krammer überzeugt erneut

Weinsberger Dach und Deckung gerade noch dicht genug

TSV-Torhüter Marc Krammer sah immer wieder völlig freie Neuenbürger auf sein Tor zukommen. Dennoch machte der neue Keeper eine sehr gute Figur.

Aber auch Neuenbürg spielte mit mächtig Druck im Angriff, so dass sich von Anfang an eine muntere Partie mit hohem Tempo entwickelte. Ähnlich wie ihr Hallendach zeigten die Weinsberger dabei immer wieder undichte Stellen in der Defensive. Und zwar schon vor der Unterbrechung. So durfte der HC trotz starkem TSV-Angriff immer wieder schnell aufschließen. Zu mehr als dem zwischenzeitlichen Ausgleich kam der gute Gast aber nie. Auch, weil sich der neue TSV-Keeper Marc Krammer wie schon beim Auftakt in prächtiger Verfassung zeigte und die HC-Angreifer immer wieder mit seinen unorthodoxen Bewegungen aus dem Rhythmus brachte. "Es hat sich schon gelohnt, dass wir es geschafft haben, Marc für uns zu gewinnen. Er hat eine richtig gute Ausstrahlung und hilft der Abwehr ungemein", lobte sein Trainer.

Max Schulze erzielt im Endspurt zwei wichtige Tore

Nach der knappen 18:16-Pausenführung wurden auch Krammers Vorderleute besser. Die Weinsberger bekamen mehr Zug in die Defensive und zogen bis zu 43. Minute auf 28:22 davon. Die Vorentscheidung war das aber noch nicht. "Wir haben es nicht geschafft, den Sack zu zumachen. Wir müssen uns viel früher belohnen für das ganze Ding, damit es gar nicht mehr so spannend wird", monierte Stettner: "Irgendwann haben wir es gar nicht mehr geschafft, in der Positionsabwehr zu stehen - da müssen wir viel schneller zurück."

So schloss Neuenbürg wieder bis auf 29:31 (57.) auf. "Da haben wir zu viele einfache Fehler gemacht und Neuenbürg herankommen lassen", sagte Max Schulze, der im Endspurt mit zwei wichtigen Treffern zur Stelle war. Und hinten hielten die Weinsberger genau wie das Dach in ihrer Weibertreuhalle gerade noch dicht genug für den verdienten Sieg.

 

TSV Weinsberg: Krammer, Zügel - Schulze (5), Stöbel (1), Kazmeier, Hofacker (1), J. König (4), Heim, Lanig (1), Schrempf, S. König (7), Pech, Mahl (6/2), Wahl (9), Darancik (2).
Siebenmeter: TSV 2/2, SG 4/6.
Zeitstrafen: 5/7;
Zuschauer: 200.

 

Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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