Viel Sparflamme, wenig Derbyfeuer

Handball  Schozach-Bottwartal schlägt Möglingen trotz traditionell schwacher erster Hälfte mit 28:23

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SG-Torhüterin Rena Keller durfte sich über viele Paraden freuen.

Als die Drittliga-Frauen der SG Schozach-Bottwartal ihr Siegestänzchen aufs Parkett der Beilsteiner Langhanshalle legten, war sie dann doch wieder präsent, die Besonderheit der Partie. "Derbysieger, Derbysieger", skandierten die Gastgeberinnen lautstark während sie freudig im Kreis sprangen. Ein 28:23 (13:14)-Erfolg gegen den TV Möglingen, der sich am Samstagabend vor allem in der ersten Hälfte so gar nicht nach Derby angefühlt hatte.

Es gelang der SG nicht, ein Feuerwerk zu zünden

Bereits nach sechs Minuten und einer 4:2-Führung schaltete die klar favorisierte SG auf Sparflamme, statt gegen den unerfahrenen Lokalrivalen ein Feuerwerk zu zünden. "Es ist ja nicht das erste Spiel, bei dem wir uns in der ersten Halbzeit schwer tun. Ich glaube, wir hatten sieben Fehlwürfe und acht technische Fehler allein in der ersten Halbzeit - das reicht eigentlich für ein ganzes Spiel. Wir haben die große Torhüterin warm geworfen", monierte Schozach-Bottwartals Anführerin Svenja Kaufmann.

"In der Halle ist ja gar keine Stimmung", wunderte sich ein TVM-Fan in den Anfangsminuten hinter seinem Mund-Nasenschutz. "Dann mach" du sie doch", empfahl der Nebensitzer vergeblich. Zwar war die Begegnung der beiden Teams, die nicht einmal 30 Kilometer trennen, mit 400 Zuschauern mehr als stattlich besucht.

Echte Derby-Atmosphäre kam aber kaum einmal auf. Die SG tat allerdings auch viel dafür, dass kein Funke aufs verhaltene Publikum überspringen konnte. Richtig aus sich heraus kam nach einer ersten Hälfte auf ganz schwachem Niveau lediglich TVM-Coach Hannes Diller. Mit triumphierendem Gestikulieren lenkte er die scheuen Blicke seines jungen Teams auf die Anzeigetafel der Langhanshalle. Dort leuchtete über Heim eine 13 und über Gast eine 14. Ein überraschender Anblick nicht nur für den Außenseiter.

Allein sechs Siebenmeter für die Gäste in der ersten Hälfte

Immer wieder aufs neue überraschend für die SGSB war auf dem Weg zum peinlichen Pausenrückstand Möglingens cleveres Manöver, zu schnell gegebenen Siebenmetern zu kommen. Satte sechs Treffer durfte Alina Kynast so von der Linie erzielen. "Ich glaube, wir waren einfach zu langsam und die Möglinger Halbrechte hat uns ziemliche Probleme gemacht. Wir sind voll darauf reingefallen, damit haben wir irgendwie nicht gerechnet, weil es in der Videoanalyse nicht so rauskam", sagte Abwehrchefin Sina Klenk. Auch Svenja Kaufmann gestand: "Sie haben den letzten Schritt mehr gemacht, den wir nicht verhindert haben. Dabei wollten sie eigentlich nie werfen, sondern den Siebenmeter."

Diesen gestatte Schozach-Bottwartal den Gästen in der zweiten Hälfte nur noch zweimal. Und einen Siebenmeter-Versuch entschärfte die starke Keeperin Rena Keller. Offensiv gingen nun die Routiniers wie Kapitänin Theresa Müller und Kaufmann so voran, wie man es in einem Derby erwarten darf. Zumal Möglingen sich nur zaghaft in den Weg stellte. "Die Lücken waren riesengroß. Es war ja nicht so, dass die vorher überragend gespielt hätten", sagte Svenja Kaufmann.

In der Schlussviertelstunde ging der Fokus erneut verloren

Bei Müllers 19:15 war das Ergebnis für die SG nach 36 Minuten wieder einigermaßen standesgemäß. Schozach-Bottwartal spielte endlich mit der Überzeugung eines verlustpunktfreien Tabellenführers und machte mächtig Tempo. Nach dem 21:17 (42.) musste Coach Hans Christensen aber schon wieder lautstark mahnen: "Hey, Fokus!" So richtig fokussiert war sein Team in der Schlussviertelstunde aber nicht mehr. Gegen einen völlig verunsicherten TVM musste es aber auch nicht sehr viel mehr als die neuerliche Sparflamme sein. "Später fragt zwar niemand mehr, wie wir die Punkte geholten haben. Aber wir müssen jetzt schon schauen, weil es immer wieder die erste Halbzeit ist. Es kommen ja auch noch andere Gegner - da dürfen wir uns sowas nicht leisten, können uns nicht mehr nur auf die zweite Halbzeit verlassen", sagte Svenja Kaufmann.

Egal, ob Derby oder nicht.

SGSB: Keller, Brausch - Wolf, Hanak (1), Müller (6), Kaufmann (5), Hönig (4/1), Keil (3), Klenk (3/1), Hage, Räuchle (2), Maier, Loehnig (4). Bester Werferinnen TVM: Kynast (8/6), Ihlefeldt (4), Dierolf (4/1).

Siebenmeter: SGSB 2/5, TVM 7/8. Zeitstrafen: 6/3. Zuschauer: 400.

Guter Rückhalt

Die zweite Hälfte der SG Schozach-Bottwartal war die deutlich bessere - auch dank Keeperin Rena Keller, die zahlreiche Bälle parierte und nur neunmal hinter sich greifen musste. "Das war auf jeden Fall auch mein persönliches Ziel, unbedingt alles zu geben. Die Mannschaft wieder hoch zu pushen und aus dem Loch der ersten Halbzeit rauszuholen - das hat gut geklappt", sagte die talentierte Torhüterin, die in der zweiten Hälfte für Jana Brausch kam. dok

Viel Sparflamme, wenig Derbyfeuer

Svenja Kaufmann (am Ball) nutzte in der zweiten Hälfte die großen Lücken in der Möglinger Defensive. Gemeinsam mit SG-Kapitänin Theresa Müller brachte sie den Favoriten auf den Erfolgsweg.

Fotos: Andreas Veigel

Viel Sparflamme, wenig Derbyfeuer

Schozach-Bottwartals Trainer Hans Christensen brauchte lange, bis er sein Team auf Kurs bekam. Wieder einmal war die erste Hälfte unterdurchschnittlich.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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