Tabellen stehen, Fragen bleiben

Handball  Der Handballverband Württemberg hat nach dem Vorbild der Bundesliga die Abschlusstabellen von der vierten Spielklasse abwärts veröffentlicht. Zudem hält er an der Einführung der Verbandsliga fest. Klarheit über Staffelzuteilungen herrscht aber erst Mitte Mai.

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Die Fleinerinnen um Isabel Rodrigo (am Ball) werden nächste Saison wohl wie der TSV Nordheim in der Verbandsliga spielen. Foto: Andreas Veigel

Nach dem Vorbild der Bundesligen und dritten Ligen sind am Mittwoch auch die Abschlusstabellen von der vierten Spielklasse abwärts veröffentlicht worden. Maßgeblich waren die Tabellenstände zum Stichtag 12. März, die nach der Quotientenregelung gewertet wurden.

In der offiziellen Mitteilung begrüßt der Handballverband Württemberg (HVW) die gefundene Lösung. "Es hat sich gelohnt zu warten und das Problem in langwierigen Verhandlungen gemeinsam zu lösen", wird Präsident Hans Artschwager zitiert. Nun habe man eine einheitliche Regelung "von unten bis ganz oben". Alle Baustellen sind damit aber immer noch nicht geschlossen. Der Überblick:

Wie wird die Quotientenregel berechnet?

Die Quotientenregelung besagt, dass die bis zum 12. März errungenen Pluspunkte durch die Anzahl der absolvierten Spiele geteilt, der ermittelte Wert mit 100 multipliziert und auf eine Stelle hinter dem Komma gerundet wird. Bei gleichem Punktquotienten wurden weitere Faktoren wie die direkten Duelle oder der Torquotient hinzugezogen.

Wird die geplante Verbandsliga zur nächsten Saison eingeführt?

Ja. "Dafür gibt es keine Alternative", sagt Michael Roll, Vorsitzender des HVW-Ausschusses Spieltechnik. Er verweist auf den Schiedsrichtermangel: "Wir können durch die geringere Anzahl von Spielen Schiedsrichteransetzungen für rund 300 Begegnungen einsparen." Dadurch wird es in der kommenden Saison nur eine eingleisige Württembergliga geben. Darunter die Verbandsliga mit zwei Staffeln und dann die Landesligen. Wie vor Saisonbeginn geplant, werden die Württembergligisten ab voraussichtlich Rang acht damit nächste Saison in der Verbandsliga spielen.

Wenn Teams aus der fünftklassigen Württembergliga künftig in der sechstklassigen Verbandsliga spielen, dann gibt es ja doch Absteiger, oder nicht?

Gefühlt ja, faktisch nein. Der HVW vertritt den Standpunkt, dass hier lediglich die Ligastruktur neu eingeteilt werde, von einem Abstieg also keine Rede sein könne. Mit einem Augenzwinkern kommentierte der Vorsitzende der Sportfreunde Schwaikheim Christian Mergenthaler im Gespräch mit der Heilbronner Stimme die Situation: "Ein Verbleib in der Württembergliga wäre gefühlt ein kleiner Aufstieg und der Gang in die Verbandsliga ein kleiner Abstieg." Die Schwaikheimer belegen in der Abschlusstabelle der Männer-Württembergliga Nord den neuralgischen Rang acht. "Nach meinem Kenntnisstand bleiben wir damit drin", sagt Mergenthaler. Sicher ist das aber keineswegs. Gleiches gilt für den SKV Oberstenfeld auf Rang sieben, der - Stand heute - auch künftig in der Württembergliga spielen würde.

Wann stehen die Staffelzuteilungen für die neue Runde fest?

Nach dem 15. Mai. Bis zu diesem Stichtag hat der HVW die Meldefrist für seine Ligen verlängert. Durchaus möglich, dass der eine oder andere Verein aus finanziellen Gründen doch noch zurückzieht. Grundsätzliches Ziel ist es, alle Staffeln möglichst klein zu halten. "Sollten wir nur eine verkürzte Saison spielen können, dann lässt sich das mit zwölf Teams eher realisieren, als mit 16 oder 18", erklärt Roll.

Wer sind die Gewinner der Regelung?

Die Neckarsulmer Männerteams haben damit den Klassenerhalt in der Oberliga und Landesliga sicher. Die Württembergliga-Frauen des TSV Nordheim müssen als Tabellenletzter nicht wie vor Saisonbeginn festgelegt in die Landesliga absteigen, sondern dürfen nächste Saison in der neuen Verbandsliga antreten. Dorthin steigt auch Landesliga-Meister TV Flein bei den Männern auf. Die Bezirksligameister aus Heilbronn-Franken, die HSG Hohenlohe (Männer) und der SV Heilbronn (Frauen), spielen nächste Saison in der Landesliga. Was mit den Mannschaften auf den Relegationsplätzen geschieht, ist noch nicht geklärt.

Wer sind die Verlierer?

Möglicherweise die Frauen des TV Flein auf Rang acht der Württembergliga. Nach aktuellem Stand würde das den Gang in die neue Verbandsliga bedeuten. "Die Verbandsliga war unser Ziel, aber es war mehr drin. Ich finde es unglücklich, wie der HVW agiert", sagt der scheidende Trainer Denis Braun. Nach der Quotientenregel fehlen gerade einmal 0,7 Zähler auf den siebten Platz, der wahrscheinlich eine weitere Württembergliga-Saison bringen würde. "Das ist quasi nichts", findet Braun. Ein bisschen Hoffnung besteht für die Fleinerinnen noch. Sollte bis zum 15. Mai noch ein Württembergligist zurückziehen, dann wäre der TVF der erste Nachrücker.

Haben Teams bereits zurückgezogen?

Ja, die Oberliga-Frauen der HG Oftersheim/Schwetzingen und die Bezirksliga-Männer des TB Richen.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig. 

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