Siegtor Sebastian Heymann, die Zweite

Handball  Wie gegen die Löwen entscheidet der Horkheimer Handball-Profi von Frisch Auf Göppingen auch in Wetzlar das Spiel in letzter Sekunde.

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Jubeln kann manchmal auf gefährlich sein: Nach seinem Siegtreffer in Wetzlar stürzen sich die Göppinger auf Sebastian Heymann (re.).

Foto: imago-images/Beautiful Sports

Oops, he did it again" ließe sich in Anlehnung an Britney Spears über Sebastian Heymann sagen. Der Horkheimer hat es tatsächlich wieder getan, nämlich ein Bundesligaspiel in der letzten Sekunden entschieden. Allerdings nicht aus Versehen ("Oops"), sondern minutiös, eher sogar sekundiös geplant.

Am Mittwochabend stand für Frisch Auf Göppingen das erste Bundesligaspiel nach der Länderspielpause auf dem Programm. Zur Erinnerung: Die letzte Partie der Schwaben vor dem Olympia-Qualifikationsturnier in Berlin war das Derby bei den Rhein-Neckar Löwen. Heymann gelang der Siegtreffer mit einem Mordswurf zwei Sekunden vor der Schlusssirene.

Angstgegner aus Hessen mit siebtem Feldspieler

Beim ersatzgeschwächten Angstgegner in Hessen hatte Frisch Auf seit 2009 nicht mehr gewonnen. Gegen die HSG lief für die Gäste zunächst aber alles wie am Schnürchen. Neuzugang Josip Bozic-Pavletic sowie die Nationalspieler Marcel Schiller und Heymann sorgten für eine frühe 3:0-Führung. Die Göppinger Defensive plus Torhüter Urh Kastelic waren ebenfalls von Beginn an hellwach, so dass HSG-Coach Kai Wandschneider seine Mannen bereits beim Stand von 2:6 (10. Minute) zur Auszeit bat.

Ab sofort spielte Wetzlar kontinuierlich mit dem siebten Feldspieler. "Wir haben früh gesehen, dass wir gegen die Göppinger Abwehr sonst kein Land sehen", sagte der Trainerfuchs hinterher. Dank ihres bärenstarken Kapitäns Kristian Björnsen - mit neun Treffern bester Torschütze des Abends - kamen die Gastgeber wieder auf 12:13 heran (28.).

Göppingen macht den Sack nicht zu

Dieses Spielchen wiederholte sich bis zum Ende noch zwei Mal. "Wir waren heute mehrfach deutlich vorne und haben es selbst versäumt, den Sack zuzumachen", ärgerte sich Gästetrainer Hartmut Mayerhoffer hinterher. Göppingen zog auf 20:13 davon (37.). Die HSG verkürzte wieder auf 19:21 (43.). Frisch Auf zog die Zügel wieder an und auf 26:20 (47.) davon. Doch das war mitnichten die Vorentscheidung. Wie schon in den Heimspielen zuvor, bewies der Tabellenzehnte Moral und glich in der 55. Minute zum 28:28 aus. Alles wieder auf Null.

Göppingen legte zwar weiter vor, führte 30:28 (58.) und 31:29 (59.), bekam den Deckel aber einfach nicht drauf. 30 Sekunden vor dem Ende hatte Wetzlar beim Stand von 30:31 mit dem letzten Angriff die Chance, einen Punkt zu behalten und die Sieglos-Serie der Schwaben in der Rittal-Arena um ein weiteres Jahr zu verlängern. Wandschneider und seine Mannen hatten sich was Hübsches ausgedacht, wollten per Kempa-Tor zum Erfolg kommen. Die Göppinger Defensive roch zwar den Braten, blockte den Pass in den Torraum, doch den Abpraller knallte - natürlich - Björnsen zum 31:31 ins Netz.

Ball sofort nach vorne geworfen

Die Wetzlarer jubelten schon. Doch sie hatten die Rechnung ohne das Duo Kastelic/Heymann gemacht. "Ich hatte Urh schon in der Auszeit gesagt, dass er den Ball sofort nach vorne werfen soll, wenn Wetzlar zum Abschluss kommen sollte. Dann haben wir womöglich noch einen Torwurf", verriet Heymann nach Spielende.

Geplant. Getan. Kastelic fischte den Ball aus dem Netz, feuerte die Kugel Richtung Mittelkreis. Heymann fing sie drei Sekunden vor der Schlusssirene, warf geschickt über die hochspringenden Wetzlarer hinweg und eine Sekunde vor Ende landete der Ball im verwaisten Wetzlarer Tor. Die Gastgeber hatten es schlicht verpasst, rechtzeitig ihren Keeper wieder einzuwechseln. "Es gab zwei Spieler, die hätten wechseln müssen, aber wir haben gar nicht mehr reagiert. Das ist bitter", ärgerte sich Wandschneider.

Heymann steuerte sofort auf seinen Torhüter zu, um ihm zu danken, doch bevor es dazu kam, riss ihn Kreisläufer Kresimir Kozina zu Boden und der Rest des Teams schmiss sich auf den Matchwinner. "Nach so einem Spiel darf das mal sein", sagte Heymann, nachdem er in einem Stück aus der Menschenmasse wieder hervorgekommen war. "Ich bin froh, dass wir das Spiel dreckig gewinnen konnten."

 

Video vom Siegtreffer (Facebook-Seite von Frisch Auf Göppingen)

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Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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