Sebastian Heymanns Anspruch: Stabiler Höhenflug statt Eintagsfliege

Handball  Er ist erst 22 Jahre alt und schon Handball-Nationalspieler: Sebastian Heymann aus Horkheim musste wegen einer Verletzung beim Bundesligisten Göppingen aussetzen. Jetzt steht seine Rückkehr an. Was sind seine Ziele?

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Stark zurückkommen: Sebastian Heymann arbeitet hart an seinem Comeback, achtet aber bewusst auf die richtige Balance.

Foto: imago images/Eibner

Sebastian Heymann besitzt bereits ein ganz besonderes Gespür für seinen Körper. Er weiß um Stärken und Schwächen der vielen Knochen, Muskeln und Bänder, die sich auf seine athletischen 1,98 Meter verteilen. Der 22-Jährige weiß es aus leidvoller Erfahrung.

Nach einem Mittelfußbruch, einer langwierigen Kapselverletzung und einer Gehirnerschütterung hat Heymann schon früh lernen müssen, ganz bewusst auf seinen Körper, sein großes Kapital, zu achten.

Kreuzbandriss im Oktober 2019

Und doch bremst den hoch veranlagten Halblinken im Oktober 2019 erneut ein Verletzung aus. Ein Kreuzbandriss im rechten Knie stoppt Sebastian Heymanns Erfolgsweg beim Bundesligisten Frisch Auf Göppingen abrupt.

Auch als es Heymann acht Monate später beim Aufbautraining leicht ins operierte rechten Knie fährt, hört der aus Horkheim stammende Jung-Nationalspieler ganz sensibel in sich hinein. Und vernimmt einen kleinen Misston. Die Wochen danach geht Sebastian Heymann daher bewusst langsam an, baut die Belastung behutsam auf.

Meniskusglättung im Juli 2020

Beim Kontrolltermin in Markgröningen vergangene Woche spricht der Shooter den leichten Schmerz dann direkt an. Doch auf den MRT-Bildern ist nichts zu sehen. Sicherheit kann nur eine Arthroskopie, der Blick aufs offene Knie bringen. Heymann verlässt sich auf sein Gefühl und lässt den neuerlichen Eingriff vornehmen: "Unterm Strich war es die richtige Entscheidung. Es war Gott sei Dank nichts Wildes, der Meniskus hat halt ein bisschen was abbekommen. Da wurde jetzt ein Stück geglättet. Die Sicherheit, dass am Band alles gut ist, ist jetzt da. Die Ärzte waren mit der Stabilität des Knies sehr zufrieden."

Seit Montagabend ist Sebastian Heymann zurück in Göppingen, darf langsam auf dem Fahrrad strampeln. Sechs bis acht Wochen wird es nach Einschätzung des Mannschaftsarztes dauern, ehe er wieder auf dem "wirklich richtig guten" Stand von vor dem Eingriff ist: "Es verzögert alles ein bisschen, das bringt mich aber nicht großartig aus dem Konzept, nicht aus dem Plan", meint Heymann.

Coronavirus-Pandemie hilft Heymann

Dass die neue Bundesliga-Saison wegen der Coronavirus-Pandemie wohl erst im Oktober und damit einen Monat später startet, hilft Heymann. Auch, dass sich der Trainingsvorsprung der Mannschaftskollegen wegen Kurzarbeit in überschaubaren Grenzen hält. "Nichtsdestotrotz bin ich froh, wenn es endlich wieder losgeht und man sich mit den besten Mannschaften in Deutschland messen kann", betont Sebastian Heymann.

Die Ansprüche sind hoch: "Natürlich muss ich erst einmal wieder komplett fit werden, um wieder anzugreifen und an die Leistung anzuknüpfen, wo ich die letzten zwei Jahre aufgehört habe. Ich hoffe, schnellstmöglich wieder auf die 100 beziehungsweise 110 Prozent zu kommen."

Kraft für die Reha-Ziele

Bis dahin wird Sebastian Heymann noch mehr auf seinen Körper hören, das Pensum ganz genau steuern. Lieber auf den Wohlfühl- statt auf den Risikobereich setzen. Kraft für die Reha-Arbeit geben ihm die eigenen Ziele: "Ich will einiges erreichen. Nicht nur persönlich, sondern auch mit Göppingen. Zudem habe ich mein Debüt in der A-Nationalmannschaft gegeben. Das möchte ich nicht nur als Eintagsfliege erlebt haben, sondern ich will natürlich gerne häufiger spielen, auch bei großen Turnieren."


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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