Sebastian Heymann kann keine Eigenwerbung betreiben

Handball  Starke Außen, wackeliger Rückraum: Beim mühsamen 26:24-Sieg der DHB-Auswahl in Bosnien sammelt Sebastian Heymann keine Pluspunkte für Olympia.

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In der Abwehr solide, im Angriff nach eigenem Bekunden mit viel Luft nach oben: Sebastian Heymanns (re.) Auftritt in Bosnien war sehr durchwachsen.

Foto: dpa

Das vorletzte Schaulaufen der DHB-Auswahl für die Olympia-Tickets war eine zähe Angelegenheit. Mühevoll arbeitete sich die deutsche Nationalmannschaft am Donnerstag in Bugojno zu einem 26:24 (15:15)-Erfolg gegen Bosnien-Herzegowina. Es war der 19. Sieg in Folge in der EM-Qualifikation.

Am Sonntag (18.00 Uhr/Sport 1) soll in der Stuttgarter Porsche-Arena gegen Estland dann Nummer 20 folgen. Die deutsche Auswahl ist bereits für das Turnier 2022 in Ungarn und der Slowakei qualifiziert.

Partie zum Experimentieren genutzt

Wie angekündigt nutzte Bundestrainer Alfred Gislason die Partie zum Experimentieren. Im Rückraum durften Juri Knorr, Sebastian Heymann und Fabian Wiede beginnen - drei Wackelkandidaten. Besonders dem Horkheimer Heymann war die Anspannung anzumerken, er agierte verkrampft und fehlerbehaftet. "Das war weit weg von seinen Leistungen im Training. Er hat sich zu sehr unter Druck gesetzt", sagte Gislason in der ARD.

Nach gut 20 Minuten nahm der Bundestrainer den Göppinger Rückraumspieler vom Feld. Nur ein Treffer war ihm gelungen - bei vier Versuchen. Seine letzte Szene war ein Schrittfehler. Das war nicht die erhoffte Eigenwerbung für Tokio. "In der Abwehr war ich ganz gut. Vorne habe ich versucht, umzusetzen, was Alfred von mir verlangt, meine Abschlüsse zu suchen. Das hat nicht immer so gut geklappt, da war sicher noch Luft nach oben", sagte Heymann. Der Bundestrainer versicherte: "Es hat sich heute kein Spieler total ins Abseits gespielt."

Weber für Heymann auf ungewohnter Position

Für Heymann kam zunächst Philipp Weber auf ungewohnter Position zum Einsatz. Der Ersatzkapitän für den verletzt fehlenden Uwe Gensheimer wechselte im zweiten Durchgang dann aber auf seine angestammte Spielmacherposition. Julius Kühn übernahm den linken Rückraum. Der Melsunger überzeugte ebenfalls nicht durchweg, kam am Ende aber immerhin noch auf fünf Treffer.

Werbung in eigener Sache betrieben eigentlich nur die Außen Marcel Schiller und Timo Kastening. Das Duo erzielte 17 der 26 deutschen Tore. "Wir hatten ein sehr gutes Tempo drin, gerade in der ersten Halbzeit kamen wir zu vielen leichten Toren im Gegenstoß", sagte der Göppinger Linksaußen Schiller, der mit zehn Treffern zum wiederholten Male bester deutscher Torschütze war.

Bosnischer Keeper Buric als Bank

In der zweiten Halbzeit fand dann aber sogar Marcel Schiller immer wieder in Benjamin Buric seinen Meister. Der bosnische Keeper in Diensten der SG Flensburg-Handewitt war stärkster Akteur seines Teams. Allerdings sammelte auch Deutschlands Nummer eins Andreas Wolff fleißig Pluspunkte, so dass es nach dem 15:15 zur Pause bis zum Schluss eine enge Partie blieb. Kastening machte am Ende den Deckel drauf.


Bosnien-Herzegowina: Ahmetasevic, B. Buric (Tor) - Peric 6/2, Ovcina 4, Malinovic 3, Vranjes 3, Haseljic 2, S. Buric 1, Herceg 1, Karacic 1, Prce 1, Stjepanovic 1, Terzic 1, Delic, Gradjan, Hamidovic.

Deutschland: T. Klimpke, Wolff (Tor) - Schiller 10/3, Kastening 7, Kühn 5, Golla 1, Heymann 1, Knorr 1, Wiede 1, Dahmke, Groetzki, K. Häfner, F. Lemke, Ph. Weber, Weinhold, Wiencek.

Schiedsrichter: Dalibor Jurinovic (Kroatien)/Marko Mrvica (Kroatien).

Strafminuten: 8 / 8.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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