Schmerzhafter Schritt der JSG Neckar Kocher Richtung Bundesliga

Handball  Die A-Juniorinnen der JSG gewinnen den ersten Teil der JBLH-Qualifikation gegen die Stuttgarter Kickers mit 31:22, verlieren aber mit Sophie Hilf eine wichtige Spielerin mit einer Knieverletzung.

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Durchgekämpft: Rebecca Schäfer (links) und die JSG Neckar Kocher ließen sich auch durch Widrigkeiten nicht vom Sieg abhalten.

Fotos: Mario Berger

In der Halbzeit herrschte Totenstille. Das U 19-Team der JSG Neckar Kocher versammelte sich geschockt in den Katakomben der Neckarsulmer Ballei. Obwohl die A-Juniorinnen den Kontrahenten Kickers Stuttgart über 30 Minuten dominiert hatten und klar mit sieben Toren in Führung lagen.

Doch deutlich schriller als die Pausensirene war kurz zuvor ein Schmerzschrei durch die Halle getönt. Er kam vom wichtigen JSG-Zugang Sophie Hilf. Und er bedeutete sowohl den dringenden Verdacht auf einen Kreuzbandriss für die Nummer 21 der JSG, als auch einen sehr viel schwereren Gang durch die zweite Hälfte für die restliche Mannschaft. Trotzdem schaffte das Team von Trainerin Nadine Wiume am Samstag den ersten von zwei Schritten in Richtung der anvisierten Jugendbundesliga (JBLH). Es blieb trotz des letztlich versöhnlichen 31:22 beim Auftakt der Qualifikation ein schmerzlicher.

Am Dienstag wird der Gegner ermittelt

Wiume konnte sich auch am Tag danach noch nicht wirklich über den Sieg freuen. Natürlich in ersten Linie aus Mitgefühl für ihre verletzte Spielerin. Aber auch mit Blick auf das finale Quali-Spiel: "Das macht die Sache am Sonntag nicht leichter - ganz im Gegenteil." Am Dienstag wird der Gegner ermittelt, der entweder RW Neckar oder FrischAuf Göppingen heißt. Die Devise der JSG ist unabhängig vom Kontrahenten klar: "Jetzt erst recht."

Dass die Qualität für die JBLH da ist, hat die JSG bereits gegen die Kickers klar erkennen lassen. "Ich würde sagen, dass wir das Spiel von der ersten Sekunde an klar dominiert haben. Wir haben jeden Fehler bestraft und sie eigentlich überrannt, aus der 3:2:1-Deckung gut Tempo gemacht", lobte Nadine Wiume den Start ins erste Spiel seit Monaten langer Corona-Pause. Zügig sahen sich die Stuttgarterinnen zu einer doppelten Manndeckung gezwungen. Die JSG war nur kurz überrascht und ließ sich davon kaum aus dem Tritt bringen und löse die neue, taktische Aufgabe schnell. Das Heimteam befand sich auf dem Weg zu einem Kantersieg, spielte sich mehr und mehr in einen Rausch. "Und dann kam die Verletzung", so Wiume.

Totenstimmung in der Kabine

Schmerzhafter Schritt der JSG Neckar Kocher Richtung Bundesliga

Unschöne Szene: Sophie Hilf liegt mit Schmerzen am Boden der Ballei. Ohne Fremdeinwirkung zog sich die Nummer 21 der JSG eine Knieverletzung zu.

Ohne Fremdeinwirkung ging Sophie Hilf zu Boden. Die wichtige Angreiferin und Abwehrsäule konnte nicht mehr zurückkommen. "Zumindest hatten wir in dem Moment die Halbzeit. Das ist besser, als wenn ich sofort reagieren muss - aber eigentlich will man gar nicht reagieren", erklärte die Trainerin, die es auch in der Kabine nicht einfach hatte: "Es war Totenstimmung und sehr, sehr schwer, die Mädels wieder halbwegs hoch zu kriegen. Es war wirklich in den Köpfen drin, wenn man die Mitspielerin plötzlich sieht, wie sie schreiend am Boden liegt - und man kann einfach nichts machen."

Zu Beginn der zweiten Hälfte merkte man den Neckar-Kocher-Mädels den Schock noch immer deutlich an. Hinzu kam der nächste Taktik-Kniff der Stuttgarterinnen mit einer siebten Feldspielerin im Angriff. "Das war auch sehr spannend, weil man das in der Jugend so kaum kennt. Wir hatten die Situation noch nie und sie auch noch nie trainiert", gestand Nadine Wiume. Doch dann bekam ihre Mannschaft die Nerven und die neue Spielsituation in den Griff.

Komfortable Führung ganz gut runtergespielt

In der 41. Minute machte Lea Grießer das 24:14, und auch zehn Minuten vor der Schlusssirene lag die JSG mit 27:19 noch immer komfortabel in Führung. "Wir haben es ganz, ganz gut gelöst und Treffer ins leere Tor gemacht", bilanzierte die Trainerin: "Wir haben es ganz gut runtergespielt."

Großer Jubel kam am Ende aber trotzdem nicht auf. Zu sehr drückte die schwere Verletzung noch immer auf die Stimmung. Nadine Wiume bleibt eine Woche, um ihre JSG Neckar Kocher wieder aufzurichten.

 

Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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