Sarah Wachter wirbt nur wenig für sich

Handball  Die Keeperin des Handball-Bundesligisten Neckarsulmer Sport-Union feiert beim packendem 28:27-Härtetest gegen Russland ein 25-minütiges Länderspiel-Debüt für Deutschland.

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Ein Ausrutscher war das Länderspiel-Debüt der Neckarsulmer Keeperin Sarah Wachter sicher nicht, aber auch keine echte Topleistung.

Foto: imago images/Wolf-sportfoto

"Wir für Deutschland", brüllte das Team von Henk Groener am Sonntagabend durch die Düsseldorfer Halle, nachdem der Bundestrainer es in einer Auszeit auf die finalen fünf Minuten gegen Russland eingeschworen hatte. Und der packende deutsche Schlussspurt vom 23:26 zum umjubelnden 28:27-Erfolg saß perfekt.

Für die Endphase wieder ausgetauscht

Ein aktiver Teil des Wirs durfte Sarah Wachter beim Härtetest vor der Weltmeisterschaft im Dezember zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht mehr sein. Nach dem 14:16-Pausenrückstand hatte Groener der Neckarsulmer Torhüterin das Vertrauen und die ersten 25 Länderspiel-Minuten geschenkt. In der heißen Endphase musste sie jedoch wieder für Katharina Filter weichen.

In Abwesenheit der gesetzten deutschen Nummer eins, Dinah Eckerle, konnte zwar keine der beiden Torfrauen richtig intensiv für sich werben. Filters finale Rückkehr zwischen die Pfosten durfte aber durchaus als kleiner Fingerzeig in Richtung der Torfrau aus Buxtehude verstanden werden.

Parade mit Knalleffekt

Abgesehen von einem überhasteten Gegenstoß-Pass ließ sich Sarah Wachter aber nichts zu Schulden kommen. Der erste Wurf, den die 21-Jährige als deutsche Schlussfrau auf sich zukommen sah, landete neben dem Tor. Die Abwehr vor ihr arbeitet gut. Erstmals machtlos hinter sich gegriffen hatte Wachter beim russischen 17:16 nach 34 Minuten. Drei Gegentore ohne echte Abwehrchance später, zeigte sie dann in der 42. Minute ihre erste Parade mit Knalleffekt, als sie einen Wurf reaktionsschnell weg vom Kasten hin zur eigenen Abwehr kickte. Die Faust ballte die 1,82-Meter-Frau, als sie sich ganz groß machte und dem russischen 22:21 erfolgreich in den Weg stellte (44.). Manierliche fünf Paraden gelangen Sarah Wachter insgesamt, zehn Bälle landeten im Tor der deutschen Nummer 24. Zumindest der letzte Wurf von Außen zur russischen 26:23-Führung wäre mitunter haltbar gewesen.

Viele Bälle, die richtig schwer zu halten waren, parierte die Frau auf der anderen Seite des Feldes. Die auffälligste Keeperin kam vom den Olympia-Zweiten aus Russland und hieß Anastassija Lagina.

Stockschläder bleibt ohne Treffer

Bei der druckvollen deutsche Schlussoffensive ging aber letztlich auch die wuchtige Lagina in die Knie. Der umjubelte 26:26-Ausgleich gelang Antje Lauenroth. Sie hatte auf Linksaußen über weite Strecken zurecht den Vorzug vor der zweiten Neckarsulmerin im Kader, Johanna Stockschläder, erhalten. Stockschläder tat sich nach zuletzt sehr guten Länderspielen diesmal recht schwer und blieb nach mehreren Fehlwürfen in der Summe diesmal ohne Treffer.

Beim ausgelassenen Jubel nach Alina Grijseels nervenstarkem Siegtreffer in den Schlusssekunden waren dann aber auch beide Neckarsulmerinnen wieder mit einem Lächeln im Gesicht mittendrin. "Die Mannschaft hat die richtigen Lösungen gefunden, den Sieg nach Hause zu bringen", lobte Henk Groener. Das Duo der Sport-Union zählte nicht zu seinem Lösungsweg.

Hintergrund

Den Namen Selina Kalmbach suchte man im deutschen Aufgebot vergeblich. Die Neckarsulmer Linksaußen schaffte den Sprung in den 16er-Kader nicht und wurde von Bundestrainer Henk Groener vor dem Duell mit Russland genau wie Jenny Behrend (SG BBM Bietigheim) und Mareike Thomaier (TSV Bayer Leverkusen) gestrichen. Kalmbachs Vereinskollegin Johanna Stockschläder bekam gemeinsam mit der Bietigheimerin Antje Lauenroth den Vorzug auf linksaußen. dok


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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