Oberliga-Derby zwischen Neckarsulm und Weinsberg droht kurzfristige Absetzung

Handball  Die Neckarsulmer Sport-Union hält das Oberliga-Duell gegen den Lokalrivalen aus Weinsberg aufgrund der steigenden Corona-Infektionszahlen für nicht mehr tragbar.

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Wenn die Neckarsulmer um Felix Trumpp (am Ball) auf Max Schulze (rechts) und Weinsberg treffen, dann wird mächtig gekämpft. Diesmal scheint der Fight aber wegen des Coronavirus auszufallen. Foto: Archiv/Veigel

Als die Neckarsulmer Sport-Union ihre Oberliga-Partie für diesen Freitagabend (20.30 Uhr) vor Wochen geplant hat, da waren die Gedanken noch ganz andere. Wenn der Lokalrivale TSV Weinsberg kommt, dann braucht es einfach einen besonderen Rahmen. Dann braucht es für die Männer der Sport-Union die Ballei statt der sonst üblichen Pichterichhalle. Dort lassen sich schließlich trotz aller Corona-Vorschriften immerhin starke 300 Zuschauer unterbringen. Eigentlich.

Je näher das Derby jedoch rückte, desto größer wurde die Ungewissheit bei der Sport-Union. Müssen die Fans diesmal komplett draußen bleiben, obwohl ein taugliches Hygienekonzept aus dem Spielbetrieb der Bundesliga-Frauen besteht? Darf trotz der steigenden Infektionszahlen überhaupt noch gespielt werden?

Ständig ändert sich der aktuellste Stand

"Stand jetzt ist das Spiel mit maximal 100 Personen in der Halle vorgesehen", erklärte NSU-Handball-Vorstand Bernd Dollmann noch am Donnerstagvormittag. Am Nachmittag hatte sich der Stand allerdings schon geändert, als Dollmann mitteilte: "Ich gehe davon aus, dass das Spiel am Freitagvormittag abgesetzt wird."

Wäre es allein nach seinen Neckarsulmern gegangen, hätte man das Derby - sicher auch ob der angespannten Personalsituation - ohnehin schon deutlich früher abgesetzt, "aber das wollte Weinsberg nicht".

Keine Gewissheit bis Freitagmorgen

Absolute Gewissheit darüber, dass das umkämpfte Duell steigt oder nicht, gab es am Donnerstag nicht. "Wir wollen noch die Zahlen von Freitagfrüh abwarten und sitzen auch am Abend davor nochmal zusammen. Die Tendenz ist aber klar - wir wollen das Spiel zum Schutz aller beteiligten Spieler absagen", sagte Dollmann. Schon im Laufe des Donnerstags war absehbar, dass der Heilbronner Landkreis, zu dem Neckarsulm und Weinsberg zählen, die kritische 50er-Marke beim Sieben-Tage-Inzidenzwert überschreiten würde.

"Es stellt sich schon die Frage, ob es noch Sinn macht. Wir nehmen es aber, wie es kommt und haben uns ganz normal vorbereitet", betonte NSU-Trainer Clemens Borchardt die Marschroute, solange Neckarsulm nicht zum Risikogebiet erklärt war. Die Vorzeichen waren für ihn auch ohne die Corona-Sorgen schwierig genug: "Es wäre schon gut, wenn sich niemand mehr verletzt. Die Jungs haben aber zuletzt gesehen, was trotz der dünnen Personaldecke möglich ist." Noch einmal werden sie es am Freitagabend wohl nicht zeigen können.

Absetzung ist nicht vorgeschrieben

Zwingend vorgeschrieben ist eine Spielabsage auch im Hotspot-Gebiet nicht, solange die zuständige Kommune nichts anderes verordnet. Der Handballverband Württemberg hatte am Mittwoch erklärt, den Vereinen stünde es frei, angesetzte Partien in Risikogebieten ohne nachteilige Konsequenzen abzusetzen. "Da gibt es bei der Oberliga aber teils widersprüchliche Aussagen, das müssen wir noch klären. Bis Freitag 10 Uhr muss es entschieden sein", sagt Bernd Dollmann, der das Telefon am Donnerstag im Dauereinsatz hatte.

Einen Einsatz auf dem Oberliga-Parkett hätten die Weinsberger gerne gehabt. "Es geht vor allem um die Lust aufs Handballspielen. Wir haben als Mannschaft beschlossen, dass wir das genießen möchten, solange es noch möglich ist und Verband oder Behörden keine entsprechenden Restriktionen beschließen. Schließlich haben wir viel Zeit in der Vorbereitung investiert", sagte TSV-Coach Markus Kübler.

Er hatte dem Derby mit seinem Team entgegengefiebert: "Klar kommt das eigentliche Flair nicht auf. Trotzdem wollen wir uns daran erfreuen, dass wir überhaupt noch spielen dürfen - es ist vielleicht das letzte Mal. Das ist jede Woche das wiederkehrende Thema."

Das Derby zwischen Weinsberg und Neckarsulm wird an diesem Freitagabend mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht wiederkehren.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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