Neckarsulmer Sport-Union: Neustart drei Klassen tiefer

Handball  Die Neckarsulmer Sport-Union bekommt nach dem Oberliga-Rückzug kein Württembergliga-Team zusammen und startet in der neuen Saison in der Landesliga. Neu ist dann auch der Trainer.

Email

Mit seinen gerade einmal 24 Jahren wird Jonas Heilmann neuer Cheftrainer der Sport-Union. Foto: Archiv/Veigel

Der Absturz ist heftig. Statt wie bisher in der viert-höchsten Spielklasse, werden die Neckarsulmer Handball-Männer ab der Saison 21/22 in der siebten Liga zu Hause sein. "Wir haben in den vergangenen Wochen versucht, eine Mannschaft für die Württembergliga zusammenzubekommen. Das hat am Ende nicht geklappt", sagte Rolf Härdtner am Dienstag.

Letztlich waren nur sechs Spieler bereit, künftig in der fünften Liga das Neckarsulmer Trikot zu tragen. Mindestens ebenso viele hätten also dazu verpflichtet werden müssen, um einen spielfähigen Kader zusammenzubekommen. Das wäre schwierig geworden und war auch nicht intendiert. "Wir wollen wieder eine Mannschaft haben, die das NSU-Gen in sich trägt. Die Aufbruchstimmung in der Abteilung ist riesengroß", sagt Härdtner.

Vielleicht meldet die NSU auch eine dritte Mannschaft an

Rund 50 Spieler stünden zur Verfügung. Überlegt wird, neben einer zweiten Mannschaft sogar noch eine dritte anzumelden. Für jeden spielwilligen Handballer soll es ein entsprechendes Angebot geben. "Bisher agierte die erste Mannschaft ein bisschen losgelöst vom Rest der Abteilung. Künftig wird das eine Einheit sein", sagt Härdtner.

Als Trainer wird der bisherige Oberligaspieler Jonas Heilmann fungieren. Clemens Borchardt war nicht bereit, das Team unterhalb der Württembergliga zu betreuen. "Jonas wird ein sehr guter Trainer", ist Härdtner überzeugt.

Der 24-Jährige hat trotz seines Alters schon reichlich Erfahrung als Jugendcoach gesammelt. "Von den Minis bis zu den A-Junioren habe ich alles trainiert", sagt Heilmann. Bereits 2017 machte der gebürtige Heilbronner die C-Lizenz, 2018 folgte die B-Lizenz. Zuletzt trainierte er gemeinsam mit Oberliga-Kreisläufer Felix Hofacker die A-Junioren der JSG Neckar-Kocher.

Der neue Trainer spürt das Vertrauen des Vereins

Nachdem sich die Württembergliga-Pläne zerschlagen hatten, waren Härdtner und Handball-Abteilungsleiter Christian Saup auf Heilmann mit der Idee zugegangen, das Traineramt zu übernehmen. "Das hat sich top angehört und ich spüre das Vertrauen und den Willen des Vereins, etwas Neues aufzubauen", sagt Heilmann.

Der angehende Sport- und Mathematiklehrer wird nun versuchen, in den kommenden Wochen eine schlagkräftige Landesliga-Mannschaft zusammenzustellen. "Von der Oberliga in die Landesliga zu gehen, bedeutet natürlich einen harten Schnitt. Der Neuaufbau bietet aber auch Chancen. Sportlich ist alles möglich. Der Verein wird uns keine Steine in den Weg legen", sagt Heilmann. Härdtner bestätigte das ausdrücklich.

Heilmann wird kein spielender Trainer sein

Der Kern des Teams wird sich aus der bisherigen zweiten Mannschaft und Nachwuchskräften aus der A-Jugend zusammensetzen - ergänzt um den einen oder anderen oberligaerfahrenen Akteur. Heilmann selbst wird im Normalfall nicht mehr auf dem Feld zu sehen sein. "Mein Fokus liegt klar auf der Trainertätigkeit. Aus meiner Sicht ist es schwierig, Führungsspieler auf dem Feld zu sein und gleichzeitig die Mannschaft zu coachen."

Über Namen im künftigen Kader wollte Heilmann nicht spekulieren. Bei einigen Neckarsulmern hat sich die Frage nach dem zukünftigen Verein ohnehin bereits geklärt. Mit Robin Mahl und Luca Kazmeier wechselt ein Duo zum bisherigen Oberliga-Konkurrenten TSV Weinsberg. Kapitän Benjamin Schreider und Felix Trumpp werden wohl eine Handball-Pause einlegen. Weitere Personalentscheidungen dürften zeitnah folgen

 

Umbruch bei den Frauen II

"Das Gesicht der Mannschaft wird sich verändern", sagt Maike Daniels. Die Trainerin der Württembergliga-Frauen steht vor der coronabedingt sehr schwierigen Herausforderung, einen schlagkräftigen Bundesliga-Unterbau für die Saison 21/22 zusammenzustellen, der möglichst um den Aufstieg in die Oberliga mitspielt. Allein mit eigenen Kräften wird das nicht klappen. Neuzugänge sind aufgrund des ruhenden Trainings- und Spielbetriebs schwer zu sichten und zu beurteilen. 

 


Kommentar: Tiefer Fall

Leistungssportliche Ambitionen muss die Sport-Union auf den weiblichen Bereich konzentrieren.

Die Erfolgsserie der Bundesliga-Frauen überdeckt derzeit die großen Schwierigkeiten, in der die Handball-Abteilung der Neckarsulmer Sport-Union steckt. Der früh bekanntgegebene Entschluss, das Männerteam aus der Oberliga zurückzuziehen, hat wie befürchtet zu einem personellen Aderlass geführt. Statt des erhofften Neustarts in der Württembergliga kommt es zum Absturz in die Landesliga. Um es klar zu sagen: Der Männer-Handball führt in Neckarsulm künftig ein Stiefmütterchendasein.

Im Unterbau zum Frauen-Bundesligateam sieht es ebenfalls nicht rosig aus. Der Abstand von der fünften zur ersten Spielklasse ist einfach zu groß. Wenn dann coronabedingt noch der Trainings- und Spielbetrieb ruht, ist es nicht verwunderlich, dass einige Talente neue Prioritäten setzen. Vom ursprünglichen Ziel, zunehmend mehr Bundesligaspielerinnen selbst auszubilden, hat sich die Sport-Union entfernt.

Ohne Unterbau ist es dauerhaft schwierig, ein Aushängeschild stabil zu halten. Ein Satellit im Bundesliga-Orbit braucht eine Bodenstation, um nicht abzustürzen. Die leistungssportlichen Ambitionen müssen auf den weiblichen Bereich konzentriert werden. Gleichzeitig muss der männliche Bereich aus der eigenen Jugend heraus zumindest breitensportlich stabilisiert werden.

Der Tanz auf zwei Handball-Hochzeiten ist in Neckarsulm auf absehbare Zeit beendet.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

Kommentar hinzufügen