Neckarsulm zieht Mannschaft aus Handball-Oberliga zurück

Handball  Die Neckarsulmer Sport-Union zieht ihr Viertliga-Team am Saisonende aus der Baden-Württemberg Oberliga zurück. Wie die Zukunft des Männer-Handballs im Verein aussehen wird ist offen.

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Rückzug aus der Oberliga: Das Neckarsumler Team um Trainer Clemens Borchardt . Foto: Archiv/Veigel

Virtuell musste Rolf Härdtner am Montagabend die schlechte Nachricht überbringen. „Das hat es noch schwerer gemacht“, sagte der Vorsitzende der Neckarsulmer Sport-Union am Dienstag im Gespräch mit der Stimme.

Der Verein wird seine Handball-Männer am Saisonende aus der Baden-Württemberg Oberliga zurückziehen. „Coronabedingt können wir die Mannschaft nicht mehr finanzieren“, begründet Härdtner die Entscheidung, die er in enger Abstimmung mit dem für Handball zuständigen Vorstandsmitglied Bernd Dollmann und Abteilungsleiter Christian Saup getroffen hat. 

Aktuelle Saison soll - sofern coronabedingt möglich - absolviert werden

Die laufende Saison soll noch ordnungsgemäß zu Ende gebracht werden, sofern der Spielbetrieb im neuen Jahr wieder aufgenommen werden sollte. Unabhängig vom sportlichen Ausgang (Neckarsulm ist mit drei Niederlagen aktuell Tabellenletzter), ist das Kapitel Viertklassigkeit beendet. „Das ist unwahrscheinlich schade. Ich habe gehofft, dass es nicht so weit kommt. In diesen Zeiten muss aber wohl jeder mit so etwas rechnen“, sagte Trainer Clemens Borchardt am Dienstag.

„Die momentane Situation ist für niemanden im Amateursport einfach. Wir sehen uns zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht seriös in der Lage für einen BWOL-Spielbetrieb im kommenden Jahr zu planen, unabhängig davon, ob wir uns sportlich qualifizieren würden oder nicht“, erklärte Abteilungsleiter Saup in der offiziellen Vereinsmitteilung. „Ich bin mit dem Neckarsulmer Männerhandball aufgewachsen. Umso schwerer ist mir, ist uns allen, diese Entscheidung gefallen."

Zeit für Spieler, ihre Zukunft zu planen 

Mit dem Rückzug des Oberligateams soll aber keineswegs der Männer-Handball in Neckarsulm begraben werden. „Den wird es bei uns weitergeben“, versichert Härdtner. In welcher Liga und mit wie vielen Mannschaften ist indes völlig offen und hängt davon ab, wie viele Spieler auch in der fünften Liga für Neckarsulm spielen wollen. „Wir haben die Entscheidung bewusst so früh getroffen, damit die Spieler genügend Zeit haben, ihre sportliche Zukunft zu planen“, sagt Härdtner.

Die Männer standen auch nach dem Oberliga-Aufstieg 2017 immer im Schatten der Bundesliga-Frauen. Müssen sie jetzt endgültig der teuren Profitruppe Tribut zollen? „Nein“, sagt Härdtner entschieden. „Vielmehr haben die Frauen in der Vergangenheit die Männer mitfinanziert. Aus dem Männerbereich kam nichts.“

Dem Bundesligateam fehlen in dieser Saison allerdings auch die wichtigen Zuschauereinnahmen. Fast alle Spiele mussten vor leeren Rängen absolviert werden. Da auch sämtliche Feste abgesagt wurden, aus denen der Verein sonst wichtige Einnahmen erzielt, wurden die Handball-Männer offenbar immer mehr zur reinen Kostenstelle. Jetzt hat der Verein die Kosten-Notbremse gezogen und den Etat für die kommende Saison drastisch reduziert, „aber nicht auf null runtergefahren“, wie Härdtner betont. Aber eben doch soweit, dass damit keine konkurrenzfähige Oberliga-Mannschaft finanziert werden kann.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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