Mit Tempo in die Tiefe

Handball  Eine verjüngste SG Schozach-Bottwartal will mit neuem Trainerteam oben mitspielen. Dabei hat sich im Kader seit dem letzten Spiel vor elf Monaten doch einiges verändert.

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Es brauchte einige Anlaufzeit, aber gegen Ende der Vorbereitung war die Handschrift des neuen SGSB-Trainers Hans Christensen bereits erkennbar.

Foto: Ralf Seidel

Die vergangene Saison begann überragend. Mit einem 44:17-Rekordsieg bei der TSG Ketsch II startete die SG Schozach-Bottwartal in ihre zweite Drittliga-Saison. Unglücklicherweise war dies gleichzeitig auch der Schlusspunkt. Es folgten Wochen und Monate der Ungewissheit. An der im Frühjahr kurzfristig ins Leben gerufenen Aufstiegsrunde nahm die SGSB nicht teil. So wird die Auftaktbegegnung der Saison 21/22 bei der HSG Wittlich das erste Pflichtspiel seit elf Monaten für das neuformierte Team des ebenfalls neuen Trainerduos Hans Christensen und Miriam Bohn.

"Wir gehen die Saison sehr optimistisch an", sagt der 48-jährige Nachfolger des langjährigen Coachs Michael Stettner, der zum Männer-Oberligisten TSV Weinsberg gewechselt ist. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten vorm Saisonstart.

Wie ist die Mannschaft aufgestellt und wie lief die Vorbereitung?

Zunächst einmal deutlich verjüngt. Vom Zweitliga-Kooperationspartner VfL Waiblingen stehen viele Nachwuchsspielerinnen im Kader. Wer volljährig ist, spielt beim traditionellen Aufwärm-Kick vor jedem Training schon im Team "Alt". Umso mehr wird es darauf ankommen, dass die erfahrenen Spielerinnen um Spielmacherin Svenja Kaufmann, Theresa Müller und Sina Klenk die jungen Talente auf dem Spielfeld leiten. Die Vorbereitung lief durchwachsen. Immer wieder fehlten Spielerinnen urlaubsbedingt, die Trainingsbeteiligung war nicht optimal. Durch die vielen Testspiele in den vergangenen Wochen hat das Team aber zunehmend zu sich und in seinen Spielrhythmus gefunden.


Wo liegen die Stärken der SGSB?

Ganz hinten. Das Torhüterinnen-Duo Jana Brausch und Rena Keller hat Zweitliga-Qualität. Das stellten sie nicht zuletzt bei der Generalprobe am vergangenen Samstag gegen Waiblingen unter Beweis. Dank der starken Keeperinnen kam der Zweitligist lediglich auf 25 Treffer. "Dass die beiden gut sind, ist ja kein Geheimnis. Sie werden ein Faktor sein. Wir müssen ihre Stärke aber auch nutzen", sagt Christensen. Denn Spiele entscheiden Torhüterinnen nur, wenn ihre Vorderleute auch eine entsprechende Abwehrarbeit liefern. "Da müssen wir noch aggressiver werden", fordert der neue Trainer.


Wo hat das Team Schwächen?

Am Kreis haben die bisherigen Leistungsträgerinnen Tanja Brunn und Cinja Wehe eine erhebliche Lücke gerissen. Mit Isa Lara Hage und Caroline Maier sind zwar talentierte, aber sehr junge und unerfahrene Nachfolgerinnen geholt worden. Allein in der körperlichen Präsenz, die auf dieser Position beim Wegsperren der Gegenspielerinnen enorm wichtig ist, fehlt es daher naturgemäß noch. Die zweite große Baustelle tut sich auf den Halbpositionen auf. Es fehlen klassische Schützinnen aus dem Rückraum. Denise Geier hat ihre Karriere beendet, Lotta Gerstweiler wird nach ihrem Kreuzbandriss frühestens im neuen Jahr wieder dabei sein. "Wir müssen in die Tiefe gehen, mit viel Tempo die Lücken suchen", erklärt Christensen seine Offensiv-Idee. Das bedeutet in der Regel, dass jeder Treffer hart erarbeitet werden muss.


Welcher Abgang schmerzt besonders?

Die Rückkehr von Luisa Riek zu ihrem Heimatverein TV Flein tat weh. Die 22-Jährige hatte das Zeug zu einer Drittliga-Topspielerin. Mit Anna Asmuth hat zudem eine langjährige Spielerin den Verein verlassen, so dass die Rechtsaußenposition im Frühjahr komplett verwaist war. Auch hier ist mit Sophie Räuchle ein sehr junger Ersatz geholt worden.


Wer ist die Hoffnungsträgerin?

Ab dem dritten Spieltag ist Top-Eigengewächs Lara Däuble für die 3. Liga spielberechtigt und dürfte auf Rechtsaußen Einsatzzeiten bekommen. Die 15-Jährige ist kürzlich in den DHB-Bundeskader aufgenommen worden und zählt damit zu den 18 besten Jugendspielerinnen ihres Jahrgangs.


Wie ist der Modus und wie sind die Staffelgegner einzuschätzen?

Die 3. Liga geht mit 70 Teams in sechs Staffeln an den Start. Es gibt drei Aufsteiger und 22 Absteiger. Erstes Ziel muss es sein, unter die ersten sechs seiner Gruppe zu kommen, um der Abstiegsrunde zu entgehen. Die beiden Topteams jeder Staffel spielen um den Aufstieg. Die SGSB tritt in Staffel E an. Dort trifft sie auf "alte" Bekannte wie die SG Kappelwindeck/Steinbach oder den TV Möglingen. Nicht mehr dabei sind aber etwa der TuS Metzingen II oder der TSV Wolfschlugen. "Wie stark die Liga ist, lässt sich aktuell nicht abschätzen. Wir müssen versuchen, unser Spiel durchzubringen", sagt Christensen. Der erste Gegner Wittlich hat sich jedenfalls den Klassenerhalt als Ziel gesetzt. "Wir wissen, wo wir herkommen", sagt Trainer Thomas Feilen. "Jeder Punkt in den ersten beiden Heimspielen gegen vermeintliche Favoriten ist ein Bonuspunkt für unser Ziel."

Mit Tempo in die Tiefe

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