Mann, oh Mann: 19 Feldtore von einer Neckarsulmerin

Handball  Natalie Mann glänzt beim 32:25-Auftakt-Sieg des U23-Teams der Sport-Union gegen Denkendorf mit überragender Quote. Vergangene Saison war ihre Schwester Svenja noch die Neckarsulmer Torgarantin.

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19 von 32 Toren beim Neckarsulmer Auftaktsieg gegen Denkendorf gingen auf das Konto von Natalie Mann (beim Wurf).

Foto: Larissa Eisele

Dass auf dem Spielberichtsbogen hinter dem Namen Mann auch immer mal wieder eine zweistellige Anzahl von Toren steht, ist bei der Neckarsulmer Bundesliga-Reserve nichts Neues. Vor dem Mann stand in der Vergangenheit allerdings stets Svenja und nicht Natalie. Bis zum 32:25 (15:13)-Sieg des U23-Teams der Sport-Union gegen Denkendorf am Samstag.

Trainer Dobricic betont die mannschaftsdienliche Spielweise

Dass die bisherige Topscorerin Svenja Mann beim Württembergliga-Auftakt nicht mehr im Neckarsulmer Kader stand, machte ihre Vierlingsschwester mit satten 19 Feldtoren vergessen. Eine bemerkenswerte Marke, die NSU-Trainer Branko Dobricic dennoch nicht überbewerten wollte: "Es war eine Mannschaftsleistung. Zu sagen, wir hätten wegen ihr alleine gewonnen, wäre nicht die Wahrheit. Das Mädchen ist 19, sie wird auch noch andere Spiele haben."

Ein "wirklich tolles Debüt" bescheinigte Dobricic, der in Abwesenheit von Cheftrainerin Maike Daniels das alleinige Sagen hatte, Natalie Mann natürlich trotzdem. Besonders freute den Coach, dass Neckarsulms Nummer neun trotz der vielen Treffer mannschaftsdienlich spielte: "Es war nicht so, dass sie dafür 40 Mal draufgehalten hat, insgesamt hatte sie gerade einmal ein, zwei Fehlwürfe."

Auch in der 3:2:1-Abwehr machte Mann auf halb ein ganz solides Spiel. Und spurtete von dort über die erste Welle zu etwa einem Drittel ihrer zahlreichen Treffer. "Es war schon geil, vor allem, weil es das erste Punktspiel nach meiner Verletzung war", sagte Mann.

Comeback-Spiel nach Kreuzbandriss

In der vergangenen Runde hatte sie sich das Kreuzband gerissen. Die Partie gegen Denkendorf war ihr denkwürdiges Comeback über die kompletten 60 Minuten. Im Angriff auf halblinks statt wie vor der Verletzung auf Außen - "dabei habe ich mich da eigentlich ganz wohl gefühlt", schmunzelte Mann. "Das ging nur, weil sie unheimlich fleißig ist. Natalie hat ihre Trainingspläne zu Hause durchgezogen und sich fit gemacht. Sie hat dasselbe Potenzial wie ihre Schwester auf der anderen Halbposition", ist sich Branko Dobricic ganz sicher.

Wie viel Potenzial die gesamte Neckarsulmer Mannschaft in dieser Runde besitzt, ist hingegen weit weniger sicher. Denn so deutlich wie sich das Ergebnis liest, war das erste Saisonspiel nicht. Es war ein hartes Stück Arbeit für den kleinen Elfer-Kader der Sport-Union. Vor allem in der Abwehr. Den Denkendorfer Widerstand bekamen die jungen Neckarsulmerinnen lange nicht gebrochen. Sie schafften es erst nach dem 28:24 in den letzten fünf Minuten, deutlich auf Distanz zu gehen.

Training muss klug gesteuert werden

Selbstverständlich auch dank Natalie Mann, die im Positionsangriff immer wieder richtige Entscheidungen traf. Der Dekendorfer Coach entschied sich hingegen bis zur Schlusssirene nicht dafür, die erfolgreichste NSU-Schützin in Manndeckung zu nehmen.

Auch die Entscheidung, Natalie Mann in die erste Mannschaft zu ziehen, wird so schnell nicht fallen. "Sie trainiert schon fünfmal die Woche und das passt gut so", sagt Branko Dobricic mit Blick auf die Belastungssteuerung. Sieben bis acht Einheiten seien möglich, "auf diesem Niveau ist bei unserem U23-Team aber noch keine".

Bodenständige Handball-Familie

Dass Natalie Mann direkt ein anderes Niveau als die Württembergliga anstrebt und wie ihre Schwester Svenja schnell den Sprung in die 3. Liga sucht, fürchtet Dobricic bei allem Ehrgeiz nicht: "Die Manns sind alle keine Menschen, die sich für die Besten halten. Sie sind bodenständig. Natalie ist die Aufmerksamkeit wahrscheinlich eher unangenehm."

Angenehm ist es für sie jedenfalls in Neckarsulm: "Für mich passt hier alles." Und vielleicht ist es auch bald schon nichts Besonderes mehr, wenn im Spielbericht hinter dem Namen Mann eine zweistellige Anzahl Treffer und davor Natalie steht.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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