"Ich kann direkter in der Ansprache sein"

Handball  Michael Stettner, der künftige Trainer der Oberliga-Männer des TSV Weinsberg, spricht im Interview über Motivationslöcher, Kabinenfeeling und Perspektiven.

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Bei der SG Schozach-Bottwartal hat Trainer Michael Stettner zurzeit wegen der Corona-Pandemie keine Chance, sich in der Halle einzubringen.

Foto: Andreas Veigel

Der Höhenflug der SG Schozach-Bottwartal ist eng mit Michael Stettner verbunden. Der langjährige Spieler des Vereins führte zunächst die A-Juniorinnen bis in die Bundesliga und schließlich die erste Frauenmannschaft von der Landesliga bis in die 3. Liga. In der nächsten Saison steht der 37-Jährige beim Männer-Oberligisten TSV Weinsberg an der Seitenlinie. Im Interview erklärt Stettner, worauf er sich dort am meisten freut, was seine Freundin von dem Wechsel hält und an welchen Stellschrauben er in Weinsberg drehen möchte.

 

Herr Stettner, wie kam der Kontakt mit dem TSV Weinsberg zustande?

Michael Stettner: Wir waren schon vor zwei Jahren mal im Gespräch, als es um die Nachfolge von Stefan Fähnle in Weinsberg ging. Damals habe ich abgesagt, weil ich mit der SG den Sprung in die 3. Liga schaffen wollte. Aktuell war es so, dass sich Weinsberg recht schnell gemeldet hat, nachdem ich verkündet hatte, am Saisonende in Beilstein aufzuhören und eine neue Herausforderung zu suchen. Dann sind wir uns ratzfatz einig geworden.

Hatten Sie noch andere Angebote?

Stettner: Ja, aber es war auch nicht so, dass bei mir pausenlos das Telefon geklingelt hat. Das hatte vielleicht aber auch mit der unsicheren Lage aufgrund der Corona-Pandemie zu tun.

 

Was wird jetzt anders mit den Jungs als vorher mit den Mädels?

Stettner: Ich kann sicher ein wenig direkter in der Ansprache oder auch im Einzelgespräch sein. Natürlich sind auch die fachlichen Anforderungen andere, das Spiel im Männerbereich ist schneller und körperlicher. Am meisten freue ich mich aber auf etwas ganz anderes.

 

Auf was?

Stettner: Dass ich als Trainer endlich wieder das Kabinenfeeling mitbekomme. Bisher war ich vor dem Spiel fünf Minuten drin, in der Halbzeit fünf Minuten und nach dem Spiel zwei Minuten. Mehr habe ich in den vergangenen Jahren von der Kabine nicht mitbekommen.

 

Was hat Ihre Freundin Theresa Müller zum Wechsel nach Weinsberg gesagt, die ja bei der SGSB spielt?

Stettner: Sie hat es gefeiert und freut sich für mich. Sie wusste natürlich auch schon länger, dass ich mich mit dem Gedanken trage, bei der SG aufzuhören und dass ich gerne auch mal im Männerbereich arbeiten würde.

 

Welche Perspektiven sehen Sie für die Weinsberger in der Oberliga?

Stettner: Das ist eine wahnsinnig gute Mannschaft, die an einem Top-Tag jedes Team schlagen kann. Eine Stellschraube, an der aus meiner Sicht gedreht werden kann, ist die defensive Stabilität. Es fiel in den vergangenen Jahren schon auf, dass Weinsberg Spiele eher mit 36:33 als mit 28:24 gewonnen hat.

 

Inwieweit sind Sie bereits in die Kaderplanung eingebunden?

Stettner: Natürlich bin ich aktuell bei den Gesprächen mit den Spielern dabei. Es sieht gut aus, dass der Kern des Teams zusammenbleiben wird.

Mit wie viel Neckarsulmer Spielern haben Sie bereits gesprochen, nachdem die Sport-Union ihren Rückzug aus der Oberliga am Saisonende angekündigt hat?

Stettner: (lacht) Kein Kommentar.

 

Was lässt sich aktuell außer Vertragsgesprächen noch vorbereiten?

Stettner: Ich habe mir einen Zugang für die Videoplattform geben lassen und mir auch schon einige Spiele angeschaut. Ich kann mich der neuen Aufgabe bereits jetzt intensiver widmen, da meine Traineraufgaben bei der SG ja coronabedingt mehr oder weniger ruhen. Individuelle Trainingspläne muss ich ja nicht täglich neu schreiben.

 

In dieser Woche hat der Deutsche Handballbund bekannt gegeben, dass der Drittliga-Spielbetrieb bis Ende Februar ausgesetzt wird. Wie bewerten Sie die aktuelle Lage?

Stettner: Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Saison nochmal angepfiffen wird. Nach drei Monaten Pause wären selbst vier Wochen Vorbereitung eigentlich zu wenig. In unserer relativ kleinen Staffel wäre ab März zumindest eine Hinrunde wohl noch durchführbar, aber bei den Männern lässt sich das terminlich kaum durchprügeln. Zudem erscheint es mir auch widersinnig, wenn strenge Kontaktbeschränkungen bis Ende Januar gelten sollen und wir ab Februar wieder Mannschaftstraining absolvieren.

 

Das liefe wieder auf einen Saisonabbruch hinaus.

Stettner: Ja, ich denke, die Saison wird annulliert und alle starten im Herbst in eine neue Saison.

 

Als Drittligist hätte die SG Schozach-Bottwartal ähnlich wie der TSB Horkheim weitertrainieren dürfen. Sie haben sich aber dagegen entschieden. Warum?

Stettner: Ursprünglich war es so, dass wir die Verantwortung nicht tragen wollten, weil wir keine regelmäßigen Tests hätten durchführen können. Aktuell wären aber wohl auch wir vom städtischen Sportverbot in der Langhanshalle betroffen.

 

Die Spielerinnen trainieren also alle individuell für sich?

Stettner: Ja, und das machen sie vorbildlich, wie ich anhand der Leistungen, die sie mir zusenden, auch sehen kann. Natürlich ist es schwer, angesichts dieses monotonen Trainings die Motivation hochzuhalten. Da droht schon der Sturz in ein Corona-Motivationsloch.

 

Haben Sie eigentlich Sorgen, dass das ambitionierte Projekt in Beilstein ohne Sie zusammenbrechen könnte? Aktuell sind ja einige Posten im Verein vakant.

Stettner: Ich bin guter Dinge und habe Vertrauen in die handelnden Personen. Soweit ich das mitbekomme, ist auch einiges in Bewegung. Die SG liegt mir natürlich am Herzen, das ist mein Heimatverein, ich bin seit der E-Jugend dabei. Was meine Mannschaft betrifft, drücke ich alle Daumen, dass der erfolgreiche Weg weitergeht.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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