Horkheim verliert auch das Kellerduell in Willstätt

Handball  TSB Horkheim holt beim TV Willstätt einen 22:27-Rückstand auf, geht mit 31:30 in Führung und unterliegt doch 31:34. Diesmal stimmt die Einstellung, die Abwehr ist aber wieder zu schwach.

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Auszeit! TSB-Trainer Michael Schweikardt hat die grüne Karte in der Hand. In Willstätt gab es nach der Auszeit 85 Sekunden vor Schluss kein Happy End.

Foto: Berger

Wieder nichts. Wieder keine Punkte, nicht mal einen. Nach dem 31:34 (16:17) im Kellerduell beim Vorletzten TV Willstätt ist der TSB Horkheim abgeschlagener Letzter in der Süd-Gruppe der Aufstiegsrunde zur 2. Handball-Bundesliga.

Trainer Michael Schweikardt stand im Foyer der Hanauerlandhalle in Willstätt und sortierte seine Gedanken. Diese Niederlage musste nicht sein. Zwar hatte seine Mannschaft auch im dritten Spiel der Aufstiegsrunde große Schwächen in der Defensive offenbart. "Die Abwehrarbeit war der Schlüssel zum Erfolg, den wir nicht gefunden haben", sagte Schweikardt. Auch diesmal, wie schon beim 30:33 in Oppenweiler und beim 29:37 gegen die HSG Hanau "haben wir es nicht geschafft, eine richtig kompakte Abwehr zu stellen", klagte der Horkheimer Trainer.

In TSB-Trainer Schweikardt brodelte es

Schweikardt, der langjährige Bundesligaspieler, kann seine Emotionen gut verbergen. Auch im Gespräch in Willstätt wirkte er ruhig, sachlich, analytisch. Aber innen drin brodelte es. "Ich bin sauer." Auch "traurig" sei er, sagte der 38-Jährige. Man musste diese Gefühls-Eingeständnisse allerdings aus ihm herauskitzeln.

Zwar hatten sich die Horkheimer Handballer viele Fehler geleistet. Aus einer 11:9-Führung nach einer Viertelstunde wurde durch eine 1:6-Tore-Phase ein 12:15 (24.). In der 44. Minute lag der TSB gar mit 22:27 zurück. Doch es war noch nicht vorbei. Schweikardts Mannschaft kämpfte sich an den TV Willstätt heran.

Willstätt mit kleinem Kader nach 50 Minuten platt

Die Badener hatten wegen etlicher Verletzungen nur einen kleinen Kader zur Verfügung. "Die hatten die schwächere Bank", sagte TSB-Vorstand Michael Roll, der Teil der klitzekleinen, Pandemie-konformen Horkheimer Funktionärs-Delegation war. "So um die 50. Minute rum waren die platt."

In der 56. Minute glich der TSB Horkheim aus. 30:30, Felix Zeiler hatte getroffen, in Unterzahl. Es war eines der insgesamt acht Tore des Spielmachers. Als in der 58. Minute auch Michael Seiz traf, wiederum in Unterzahl, sah es so aus, als sei der TSB auf Erfolgskurs. 31:30. Spiel gedreht.

In der Schlussphase trifft nur noch der TVW

Doch es blieb bei den 31 Horkheimer Toren. Michael Roll haderte: "Mit 31 Toren auswärts musst du eigentlich gewinnen." In der Schlussphase beförderte nur noch der TV Willstätt den Ball ins Netz. Allein dreimal durch Alexander Velz. Der Rückraum-Schütze kam am Schluss auf 13 Tore, darunter ein verwandelter Siebenmeter.

"Dieses Spiel muss man nicht verlieren", ärgerte sich TSB-Vorstand Roll nach dem 31:34, "aber wir haben halt zu viele eigene Fehler gemacht."

Blöde Ballverluste, unnötige Zwei-Minuten-Strafen

Was Trainer Schweikardt fuchste, waren die "Aussetzer" in Situationen, "als wir wirklich am Drücker waren". Leichtfertige Ballverluste, unnötige Zwei-Minuten-Strafen, Fehlwürfe aus ganz freier Position - all das hätte nicht sein müssen. Immerhin, diesmal stimmte die Einstellung, an der es beim 29:37 gegen die HSG Hanau gefehlt hatte. "Wir haben uns verbessert auf der kämpferischen Seite", sagte Michael Schweikardt. "Die Jungs wollten, das habe ich gesehen, das war wichtig." Auch Michael Roll ließ daran bei aller Enttäuschung keinen Zweifel aufkommen. "Die Spieler haben gebrannt, sind diesmal als richtiges Team aufgetreten. Wenigstens das hat funktioniert."

Aber es reichte nicht für einen Sieg. Als der Trainer sagte: "Mit dieser Abwehrleistung" könne man nicht gewinnen, wirkte er ganz ruhig. Doch es sah nur so aus, im Foyer der Hanauerlandhalle. Michael Schweikardt hatte seine Emotionen sehr gut im Griff.

Letzte TSB-Hoffnung: Drei Siege in Serie

TSB-Vorstand Michael Roll schaute am Samstagabend in Willstätt enttäuscht aufs Spielfeld, aber auch mit Frust aufs Smartphone. "Das passt natürlich zu unserer Niederlage, dass Dansenberg und Pfullingen gegen die Spitzenteams gewinnen."

Der TuS Dansenberg (jetzt 4:2 Punkte, Vierter) setzte sich mit 24:21 gegen den Gruppenfavoriten HSG Krefeld (5:3, Zweiter) durch, der VfL Pfullingen (4:2, Dritter) besiegte den HC Oppenweiler/Backnang (5:3, Erster) mit 32:24. Der vierte Platz in der Süd-Gruppe, der als letzter fürs Weiterkommen reicht, ist nun schon vier Zähler vom TSB Horkheim (0:6) entfernt.

Michael Roll wollte sich aber eine kleine Rest-Zuversicht erhalten. "So lange es rechnerisch nicht vorbei ist, ist es nicht vorbei." Noch gebe es in der Aufstiegsrunde zur 2. Liga eine minimale Chance, die nächste Phase zu erreichen. "Du musst halt die letzten drei Spiele gewinnen." Am kommenden Samstag in der Heilbronner Römerhalle gegen Pfullingen, dann in Dansenberg, zum Abschluss schließlich auch im Heimspiel gegen die HSG Krefeld. Wahrscheinlich ist das nicht, die bisherigen Niederlagen haben gezeigt, warum. Aber möglich ist es.

Der TSB bräuchte allerdings auch ideale Ergebnisse in den Partien anderer Teams, um mit 6:6 Punkten nicht dennoch auszuscheiden.

TSB Horkheim: Hölzl, Grathwohl - Reichert (2), Grosser, Fröhlich (1), Zeiler (8), Kuhnle, Heß (1), Seiz (7/4), Freudl (1), Niklas Matusik (2), Bohnenstengel (1), Uhl (1/1), Starz (2), Zerweck (5). Beste Werfer TV Willstätt: Velz (13/1), Bubalo (8), Matzinger (7). Siebenmeter: 1/1 TVW - 7/5 TSB. Zeitstrafen: 3 TVW - 4 TSB.


Andreas Öhlschläger

Andreas Öhlschläger

Sportredakteur

Andreas Öhlschläger ist seit 2000 Sportredakteur bei der Heilbronner Stimme.

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