Heymanns Traum von Tokio ist beendet

Handball  Heimaturlaub in Horkheim statt Olympia-Vorbereitung: Bundestrainer Alfred Gislason verzichtet auf den 23-jährigen Sebastian Heymann. Der Horkheimer nimmt die Entscheidung sportlich.

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Sebastian Heymann lässt sich nicht so leicht runterziehen.

Foto: dpa

Sebastian Heymann nimmt es sportlich. Natürlich ist da Enttäuschung, ganz klar. "Aber für mich geht die Welt jetzt nicht unter", sagt der 23-Jährige mit fester Stimme. Ein wichtiger Teil seiner Welt ist für Heymann nach wie vor die Horkheimer Heimat. Dort tankt der Modellathlet nach einer anstrengenden Bundesliga-Saison bei FrischAuf Göppingen aktuell wieder Kraft.

Und dort hat er am Montag den unerfreulichen Anruf von Bundestrainer Alfred Gislason erhalten.

Kernbotschaft des Gesprächs: Der 1,98-Meter-Mann für die halblinke Seite ist nicht länger Teil des deutschen Olympiakaders.

Wieso es nicht gereicht hat, weiß Heymann nicht

Gestern verkündete Gislason sein nun nur noch 17 Spieler umfassendes Aufgebot für die finale Vorbereitung auf die Spiele in Tokio. Sebastian Heymann zählte bereits vor der endgültigen Nominierung von lediglich 14 Olympia-Fahrern an diesem Mittwoch zu den Streichkandidaten. "Ich habe wirklich alles investiert, um den Traum wahrnehmen zu können. Am Ende hat es jetzt leider nicht ganz gereicht. Wieso? Weshalb? Warum? Ich weiß es nicht", sagt Heymann.

Von Argwohn ist der merklich gereifte Göppinger Leistungsträger aber weit entfernt: "Ich glaube, Alfred hat hier in Deutschland die Qual der Wahl, wen er mitnimmt und wen nicht. Ihm ist die Entscheidung wahrscheinlich auch schwer gefallen." Zumal der 61-jährige Isländer eigentlich als Fan des wurfgewaltigen Heymanns gilt, seine mittlerweile herausragenden Defensivqualitäten enorm schätzt.

Heymann will seinem Körper jetzt eine Pause gönnen

Dass Schlüsselspieler wie Patrick Wiencek und Fabian Wiede dem deutschen Team verletzungsbedingt fehlen, habe die Dynamik der Kaderzusammenstellung aber auch etwas aus den zu erwartenden Bahnen gebracht. Auf Heymanns linker Rückraumseite setzt der Bundestrainer nun jedenfalls auf Julius Kühn und Paul Drux. "Am Ende können nur 14 spielen, das ist nicht viel bei einem Pool an so vielen hochklassigen Spielern. Der Bundestrainer kann es da nicht jedem recht machen. Unterm Strich bin ich natürlich enttäuscht, aber nach meiner langen Verletzung und einer kräftezehrenden Saison tut meinem Körper eine Pause im Sommer auch gut", sagt Heymann.

Einsatzzeit um jeden Preis - dieser Maxime ist der junge, aber gestandene Mann längst entwachsen. Viel Verletzungspech in wenigen Bundesliga-Jahren haben Heymann hellhörig für die Signale seiner Bänder, Muskeln und Knochen werden lassen: "Für mich gilt es jetzt, wieder zu Kräften zu kommen, dass ich beim nächsten Turnier wieder dabei sein kann. Die Saison war extrem lang und nach meiner Knieverletzung bin ich wirklich richtig gut durchgekommen. Die Leistung war eigentlich von Anfang an da." Heymann ist sicher: "Ich bin noch nicht am Ende meiner Entwicklung. Ich möchte nächste Saison noch besser spielen und versuchen, es dem Bundestrainer noch schwerer zu machen, auf mich zu verzichten."

Kopf runterfahren: Gerne mit Sonne und Strand

Über die Chance, durch Verletzungen anderer noch ins Olympia-Team zu rutschen, macht sich Heymann keine Gedanken: "Ich weiß gar nicht genau, inwieweit das überhaupt möglich wäre, gerade mit Corona. Ich drücke einfach dem Bundestrainer und den Jungs, die da dabei sind, die Daumen, dass alle gesund bleiben und den maximalen Erfolg einfahren können."

Er selbst will jetzt "den Kopf ein bisschen runterfahren". Gerne "mit ein bisschen Sonne und Strand". Aber auch in der Horkheimer Heimat wird Heymann wieder zu viel neuer Kraft kommen.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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