Heymanns Bedeutung in der Nationalmannschaft wächst

Handball  Bundestrainer Gislason hält große Stücke auf den Horkheimer Sebastian Heymann. Am Freitag startet das DHB-Team gegen Schweden in die Olympia-Quali. Auch Heymann soll helfen.

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Alfred Gislason ist ein Fan von Sebastian Heymann. Ganz so offen kommuniziert der 61-jährige Isländer das zwar nicht. Doch zwischen den Zeilen wird deutlich, dass der Bundestrainer für die Zukunft auf den 23-jährigen Horkheimer setzt. Durch den verletzungsbedingten Ausfall von Paul Drux dürfte auch bei der am Freitag (15.15 Uhr/ live in der ARD) gegen Schweden beginnenden Olympia-Qualifikation in Berlin schon mehr Verantwortung auf den Rückraumlinken von Frisch Auf Göppingen zukommen.

"Wir haben in Deutschland nicht so viele Spieler, die das ganze Spielfeld bearbeiten können", sagte Gislason bereits am Montag mit Blick auf Heymann. Gemeint waren damit die excellenten Defensivqualitäten, die sich der Modellathlet in den vergangenen Jahren unter Vereinstrainer Hartmut Mayerhoffer erarbeitet hat und die ihn in den Göppinger Innenblock befördert haben.

Gislason wollte Heymann schon zu THW-Zeiten

Schon vor Jahren hatte Gislason - damals noch Trainer in Kiel - die Fühler nach dem Talent Heymann ausgestreckt, um ihn für das Nachwuchs-Leistungszentrum des Clubs zu gewinnen. Das heimatverbundene Toptalent unterschrieb aber bei Göppingen und spielte zunächst noch für seinen Heimtaverein in der 3. Liga.

Die Trainingswoche in Berlin nutzte Gislason für ein paar Experimente. "Ich habe Heymann im Training auf verschiedenen Positionen ausprobiert, auch im Innenblock neben Hendrik Pekeler. Er hat sich gut präsentiert. Das war ein interessanter Versuch", verriet der Bundestrainer. Gleichzeitig machte er aber deutlich, dass seine Stammformation das eingespielte Kieler Duo Pekeler/Patrick Wiencek bleiben werde.

Keine persönlichen Ansprüche

"Ob hinten oder vorne, ich will meine Chance maximal nutzen", sagte Heymann im Stimme-Gespräch. Ansprüche stellt der Rückkehrer nach seinem WM-Verzicht aber keine: "Ich habe von allen Nationalspielern hier die wenigsten Länderspiele. Es wäre kein Beinbruch, wenn ich mal nicht im 16er Kader stehe und zuschauen müsste."

Auch der Bundestrainer bekundete, dass die WM-Fahrer einen gewissen Vorzug genössen. Doch gleichzeitig erwähnte er bei jeder Gelegenheit, dass die Mannschaft durch die fünf Rückkehrer Wiencek, Pekeler, Fabian Wiede, Steffen Weinhold und eben Heymann in der Breite stärker sei, über mehr Erfahrung verfüge und auch körperlich robuster auftreten könne.

Hohes Turnierpensum mit drei Spielen in drei Tagen

Heymanns Bedeutung in der Nationalmannschaft wächst

Brauchen wird Gislason am Ende alle seine 18 verbliebenen Schützlinge. Denn das Turnierpensum mit drei Spielen in drei Tagen ist selbst für die Handball-Vielspieler gewaltig. "Wir müssen die Verantwortung verteilen. Jedes Spiel schnell abhaken - unabhängig vom Ausgang. Schnell regenerieren und auf den nächsten Gegner einstellen. Viel wird von der Tagesform abhängen", ist Heymann überzeugt.

Er fühlt sich bereit - körperlich wie mental. "Ich habe die WM-Pause genutzt und vor allem im Kopf einen großen Schritt nach vorne gemacht. Die vier Wochen intensives Training haben mir Sicherheit gegeben", sagt Heymann. Mehr als ein Jahr war er nach seinem Kreuzbandriss außer Gefecht. Das Vertrauen in den eigenen Körper zurückzugewinnen, dauert oft noch viel länger als die physische Rehabilitation.

Herausragende Wurfquote von 70 Prozent

Gerade bei Heymann, der vom Kopf her frei sein muss, um seine Topleistung abzurufen. In der Bundesliga hat er sich Woche für Woche gesteigert, zählt mit einer Wurfquote von 70 Prozent zu den effektivsten Halbspielern.

Sein Nationalmannschaftskonkurrent Julius Kühn liegt fast zehn Prozent dahinter. "Kann schon sein, dass ich meine Würfe sehr gezielt wähle. Ich bin zuerst aber Teamplayer. Wenn der Mitspieler besser positioniert ist, spiele ich ab", sagt Heymann, der sich für eine persönlichen Statistiken nicht interessiert. "Wichtig ist der Erfolg der Mannschaft. Wir wollen nach Tokio."

 

Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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