Heymann verletzt sich beim Schaulaufen ohne echten Gegner

Handball  35:20-Kantersieg der DHB-Auswahl in der Porsche Arena gegen Estland. Horkheimer Heymann musst mit einer Leistenverletzung vom Feld.

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Sebastian Heymanns (re., gegen Estlands Martin Johannson) zehntes Länderspiel endete wegen einer Verletzung früher als geplant.

Foot: dpa

Der Erkenntnisgewinn aus den 60 Spielminuten gegen Estland dürfte sich für Alfred Gislason in Grenzen halten. Der Klassenunterschied zwischen der DHB-Auswahl und dem Team aus dem Baltikum war am Sonntagabend in der Stuttgarter Porsche Arena einfach zu groß. Der deutsche 35:20 (17:10)-Sieg hatte über weite Strecken eher den Charakter eines Trainingsspiels. Dabei war es der Abschluss der EM-Qualifikation, in der die DHB-Auswahl den 20. Sieg in Serie einfuhr.

"Es war ein ordentliches Spiel von den Jungs. Am Anfang waren wir ein wenig ungeduldig. Dank eines sehr, sehr guten Silvio Heinevetter im Tor haben wir dann aber immer besser zu unserem Spiel gefunden", sagte Gislason.

Auswahl für den Bundestrainer wird schwieriger

Rückschlüsse darauf, wer beim letzten Kandidaten-Schaulaufen für die Olympischen Spiele Pluspunkte im Notizbuch des Bundestrainers gesammelt hat, waren kaum zu ziehen. Dafür wurden die deutschen Nationalspieler einfach nicht ausreichend gefordert. Deutlich wichtiger dürften die Eindrücke sein, die Gislason während der Lehrgangswoche in Frankfurt gesammelt hat. "Die Woche hat großen Spaß gemacht. Die Auswahl ist für mich aber eher schwerer geworden", sagte Gislason.

Wie angekündigt hatte der 61-jährige Isländer seinen Kader im Vergleich zum 26:24-Erfolg in Bosnien auf fünf Positionen verändert. Tobias Reichmann, Fabian Böhm, Silvio Heinevetter, Sebastian Firnhaber und Jannik Kohlbacher waren neu dabei. Vielleicht lag es auch ein wenig an den Personalwechseln, dass die DHB-Auswahl gegen die international zweitklassigen Esten etwas schwer in die Gänge kam. Von den ersten vier Treffern resultierten drei aus Siebenmetern. Nach elf Minuten stand es gerade mal 5:4.

Silvio Heinevetter war ein starker Rückhalt

Erst nach einer Viertelstunde setzten sich die Gastgeber langsam ab. Besonders gegen die Anspiele auf Kreisläufer Kohlbacher fanden die Esten kein Mittel. Vorne taten sich die Balten gegen den deutschen Innenblock mit Finn Lemke und Firnhaber zunehmend schwer. Was an Würfen noch durchkam, war immer häufiger Beute von Keeper Silvio Heinevetter.

Beim Halbzeitstand von 17:10 war die Partie praktisch entschieden. Kurz vor Ende der Pause kam Gislason aus der Kabine zurück und wechselte eine paar Worte mit Sebastian Heymann. Der Horkheimer hatte sich mit den anderen Ersatzspielern warmgemacht und rückte tatsächlich in die erste Sechs für die zweiten 30 Minuten.

Nach zwei Toren muss Heymann verletzt vom Feld

In der Abwehr deckte der 23-Jährige an der Seite von Lemke im Innenblock. Vorne ersetzte der Göppinger Rückraumlinke den Melsunger Julius Kühn. Sein erster Wurfversuch in der 36. Minute wurde noch geblockt, fünf Minuten später sorgte Heymann mit dem 24:14 aber für die erste Zehn-Tore-Führung. Hinten verdiente er sich mit einem abgefangenen Kreisanspiel ein Fleißsternchen (36.).

Nach seinem zweiten Treffer zum 27:17 (46.) musste er jedoch zurück auf die Bank, um sich von Physiotherapeut Peter Gräschus behandeln zu lassen. Damit war Sebastian Heymanns zehntes Länderspiel außerplanmäßig früh beendet. "Die Leiste hat wohl komplett zugemacht. Ich hoffe, es ist nur eine Verhärtung und nichts Schlimmeres. Ich habe ihn natürlich sofort ausgewechselt", sagte Gislason auf Stimme-Nachfrage.

In der Schlussviertelstunde blieb der Bundestrainer in Experimentierlaune. Im Tor durfte sich Nachwuchshoffnung Till Klimpke zeigen. Auf Rechtsaußen zeigte Tobias Reichmann, warum er eine Alternative sein könnte. Ab und zu ließ Gislason sogar mit dem siebten Feldspieler agieren, um auch diese taktische Maßnahme mal in der Praxis ausprobiert zu haben. Bei all den Wechseln war am Ende Marcel Schiller mit sechs Treffern bester Torschütze, obwohl der Göppinger Linksaußen nur zu den Siebenmetern auf dem Feld war.


Deutschland: Heinevetter (MT Melsungen), T. Klimpke (HSG Wetzlar) - Schiller (Frisch Auf Göppingen) 6/6, Kohlbacher (Rhein-Neckar Löwen) 5, Reichmann (MT Melsungen) 5, Dahmke (THW Kiel) 4, Kühn (MT Melsungen) 3, S. Firnhaber (HC Erlangen) 2, Heymann (Frisch Auf Göppingen) 2, Knorr (GWD Minden) 2, F. Lemke (MT Melsungen) 2, Wiede (Füchse Berlin) 2, K. Häfner (MT Melsungen) 1, Ph. Weber (DHfK Leipzig) 1, Böhm (TSV Hannover-Burgdorf), Groetzki (Rhein-Neckar Löwen)

Estland: Aleksejev, Ots, Priskus - Lees 5/4, Toom 5, Jaanimaa 4, Pihus 2, Voika 2, Hiiend 1, Timmo 1, Johannson, Muuga, Pärt, Rebane, Varik, Viitkar

Schiedsrichter: Andreas Capoccia (Schweiz)/Beat Jucker (Schweiz) Strafminuten: - / 6.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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