Handballvereine vor dem Start in die neue Saison

Handball  Die Handballvereine der Württemberg- sowie Verbandsligen starten in die neue Saison. Mit neuen Trainern, neuen Spielern und bei einer Mannschaft sogar mit neuem Namen.

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Der Ironman hat die Fleinerinnen fit gemacht 

Ein bisschen Angst hatten die Fleiner Spielerinnen schon vor der Saisonvorbereitung. Weniger wegen der Corona-Pandemie, sondern wegen ihres neuen Trainers. Schließlich ist Tobias Gärttner ein Ironman. Erst Anfang September bewältigte der Triathlet in Tallinn die 3,86 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und den abschließenden Marathon in 8:52:11 Stunden. "Sie mussten manchmal ein bisschen leiden", gibt der 33-Jährige zu, relativiert aber: "Unterm Strich waren es sogar weniger Ausdauereinheiten als vorher, dafür aber intensivere".

Das Team war zunehmend angetan. Als Gärttner mal vergaß, wie üblich freitags die Workout-Pläne per WhatsApp zu verschicken, meldete sich bereits am Samstagvormittag Elli Seiz, um danach zu fragen. "Für die Mädels war das neu, aber sie haben es toll angenommen", lobt Gärttner. Doch nicht nur der Fitnesszustand stimmt den ambitionierten Coach positiv. In den Vorbereitungsspielen lieferte sein Team ebenfalls bemerkenswerte Leistungen ab. So wurden etwa die Oberligisten TSV Bönnigheim und HSG Strohgäu bezwungen. "Da musste ich eher zusehen, dass alle am Boden bleiben", sagt Gärttner.

Ein Punkt hatte dem Team beim Saisonabbruch gefehlt, um in der Württembergliga zu bleiben. "Als bestplatzierte Mannschaft der Vorsaison wollen wir natürlich ganz oben mitspielen", sagt Gärttner. Mit Linkshänderin Franziska Plieninger und Torhüterin Melania Friedrich hat sich Flein beim Nachbarn in Nordheim verstärkt, selbst aber keine Abgänge zu verzeichnen gehabt. Selbst Jasmin Baumann, die ihre Karriere beenden wollte, hängt noch eine Saison dran. Die 33-Jährige zog sich aber einen Meniskusriss zu und wird zwei Monate fehlen.

Zum Saisonauftakt geht es erst am 17. Oktober zur SG BBM Bietigheim III. "Wir sind nach drei Monaten Zusammenarbeit weiter als ich erwartet hätte", sagt Gärttner. Das gilt es, zu beweisen. 

Beim TV Flein stimmt die Mischung

Der erste Gegner macht den Verbandsliga-Männern des TV Flein die Aufgabe nicht leichter. Wenn am Sonntag (17.30 Uhr) die SG BBM Bietigheim II in der Sandberghalle gastiert, dann weiß nicht einmal der Trainer, wer da wirklich auf dem Spielfeld stehen wird. "Ich habe keine Ahnung, was auf uns zukommt. Es waren praktisch keine Informationen zu bekommen", gesteht Reiner Kazmeier. Der neue Coach hält sich beim Landesliga-Meister der Vorsaison mit starken Verlautbarungen zurück. "In der neuen Liga werden die Karten neu gemischt", ist Kazmeier überzeugt. Mit einem Platz irgendwo im Mittelfeld wäre das Neckarsulmer Urgestein auf Fleiner Neuland aber sicher nicht zufrieden.

Mit einem breiten 16er Kader gehen die Grün-Weißen in die Saison. Mit Max Löbich vom TSB Horkheim ist ein talentierter Keeper dazugekommen. Vom Oberligisten TSV Weinsberg kehrte Linksaußen Marius Braun an seine langjährige Wirkungsstätte zurück. Vom TSV konnte auch Rückraumspieler Felix Reichert losgeeist werden. "Felix hat sich aber leider im Testspiel gegen Kornwestheim den Daumen gebrochen und wird uns noch länger fehlen", sagt Kazmeier.

Dafür ist die bewährte Führungsriege um Spielmacher Sven Kroll, Kreisläufer Christian Joos und Kapitän Kai Herrmann komplett zusammengeblieben. Mit Marco Schilpp und Cedric Ziegler ist auch reichlich Wucht aus dem Rückraum vorhanden. Junge Spieler wie Manuel Opitz, Dennis Kloke oder Mika Pavel runden die gute Mischung ab. "Meine Spieler wissen noch gar nicht, wie gut sie sind", sagte Kazmeier schon vor ein paar Wochen.

Ab Sonntag gilt es nun, dass zu Tage zu fördern. Drei Heimspiele zum Auftakt könnten zudem dabei helfen, früh Selbstvertrauen zu tanken. In der Vorsaison blieb Flein in seiner Festung Sandberghalle in elf Heimspielen ungeschlagen und gewann zehn davon. 

Die SG Schozach-Bottwartal ist eine Wundertüte

Sichere Bank: Das Beilsteiner Torhütergespann um Thomas Fink soll hinter einer stabilen SGSB-Abwehr zum Grundstein des Erfolgs werden.

Foto: Andreas Veigel

Henning Fröschle bekennt: "Ein bisschen Bauchschmerzen habe ich mit Blick auf Samstag schon." Um 20.15 Uhr empfängt die SG Schozach-Bottwartal zum Württembergliga-Auftakt in der Beilsteiner Langhanshalle die HSG Langenau/Elchingen. Das Magengrimmen des neuen SGSB-Trainers hat einen einfachen Grund: "Ich habe in der Vorbereitung noch keine erste Sechs oder Acht gefunden, die stabil funktioniert." Gegen einen kaum veränderten Gegner wie die HSG könnte das zum Rundenbeginn zu einem erheblichen Problem werden.

Diese Erkenntnis ist keine Überraschung. Schließlich findet sich bei der SGSB mit Ausnahme der Torhüter auf jeder Position mindestens ein neuer Spieler. In den neun Testspielen hat Fröschle mit wechselndem Erfolg sehr viel ausprobiert. Starke Auftritte gegen Oberligisten wie Weinsberg und Schmiden wechselten sich mit schwachen Partien gegen klassentiefere Gegner wie Mundelsheim oder Flein ab. "Wir sind noch eine Wundertüte", gesteht Fröschle.

Daher fällt es dem 49-Jährigen auch schwer, ein Saisonziel zu definieren. "Für mich spielen Waiblingen und Alfdorf in einer eigenen Liga um den Aufstieg. Zwischen den Rängen fünf und zwölf kann jeder jeden schlagen. In dem Bereich sehe ich auch uns."

Am liebsten wäre es Fröschle, wenn früh zwei Teams abgehängt würden, um sich keine Abstiegssorgen machen zu müssen. Als Vorteil wertet der frühere Fleiner Coach den breiten, ausgeglichen besetzten 17er Kader. "Zudem ist unser Torhütergespann eine sichere Bank. Mit einer stabilen Abwehr davor muss das die Basis unseres Spiels werden." Beim Saisonabbruch im März rangierte die SGSB auf dem fünften Rang. Mit Christian Zluhan, Valentin Weckerle, Daniel Zieker und Philipp Hämmerling besteht reichlich höherklassige Erfahrung. Viele junge Spieler müssen sich in der neuen eingleisigen Liga aber noch beweisen und bringen ein Manko mit: "Sie sind sehr brav", sagt Fröschle.

Von daher wird die SGSB wohl einige Spiele benötigen, um ihr Potenzial abzurufen. "Momentan sieht unser Spiel oft noch arg wild aus. Ich setze darauf, dass mit jedem Spiel die Rädchen besser ineinandergreifen und wir uns stetig steigern", hofft Fröschle. Immerhin hat der Bittenfelder keine Verletzten zu beklagen, sondern zum Saisonauftakt die Qual der Wahl. "Drei Spieler müssen gegen die HSG zuschauen", sagt Fröschle.

Einiges Neues am Heuchelberg 

Nils Koch ist "durchaus gespannt". Der Chefcoach der SG Heuchelberg ist sich sicher: "Die ersten zwei, drei Spiele werden für alle ein bisschen eine Wundertüte." Insbesondere gilt das aber für seine Verbandsliga-Frauen. Und womöglich nicht nur die ersten zwei, drei Spiele. Wenn das ehemalige TSV-Nordheim-Team an diesem Samstag um 17 Uhr zu Hause gegen die HSG Nendingen/Tuttlingen/Wurmlingen startet, dann "ist alles möglich - im Positiven, es kann aber auch in die Hose gehen", sagt Koch.

Neuer Name, neues Klassement, neue Spielerinnen - "beim Thema Neuaufbau hätten wir durchaus mehr Bedarf an Training und Abstimmung gehabt", gesteht der Trainer. Doch die Coronavirus-Pandemie sorgte stattdessen für weniger Zeit: "Das ist schon ein Nachteil für uns. Allerdings war die Vorbereitung für keinen wie gewohnt." Und die letzten Wochen seien bei der SG Heuchelberg ohnehin ganz gut gewesen - hätte sich Spielmacherin Melanie Feierabend nicht das Kreuzband gerissen. "Sie war für die Mitte geplant, aber das müssen wir annehmen", fordert Nils Koch.

Der SG-Coach hat sich den Optimismus bewahrt, mit dem er das Team in der vergangenen Württembergliga-Rückrunde als Schlusslicht durch die längst verlorene Saison zog. Nun haben die Mädels vom Heuchelberg ein neues, noch jüngeres Gesicht. "Da ist der Start besonders entscheidend. Wenn es bei so einem jungen Team läuft, dann läuft es. In die eine und in die andere Richtung", sagt Koch.

Basis für die richtige Richtung soll bei der SG eine gute, massive Abwehr in flexibler Formation bilden. Darauf gestützt möchte die Heuchelberg-Mannschaft über schnelles Spiel zu einfachen Toren gelangen. Gerne würde sich Nils Koch mit seinem Team in der neuen Verbandsliga etablieren, für ihn sind aber nur "zwei, drei Mannschaften vorn definierbar - dahinter weiß ich es nicht wirklich." Nicht nur deshalb ist er gespannt.

Der SKV Oberstenfeld wird familiärer

Familiensache SKV Oberstenfeld

Der verlängerte Arm der SKV-Trainerbank: Marc Pflugfelder assistiert künftig seinem Vater Thomas, dem neuen Oberstenfelder Chefcoach.

Foto: Mario Berger

Der SKV Oberstenfeld wird in dieser Württembergliga-Saison familiärer. Zumindest was die Trainerbank betrifft. "Fast schon eine Familiensache", sagt der neue Chefcoach Thomas Pflugfelder schmunzelnd. Nach einer Handball-Pause ist der 55-Jährige seinem Sohn Marc ins Bottwartal gefolgt. Der wird dort künftig nicht nur Spielmacher sein, sondern auch der Co-Trainer seines Vaters. "Gemeinsam mit Timo Stauch sind wir gut abgestimmt. Marc ist mein verlängerter Arm", beschreibt Pflugfelder senior die spezielle Verbindung zum Filius.

Auch die anderen Oberstenfelder Arme machten auf dem Handballfeld bislang schon ziemlich viel von dem, was der neue Chef sehen will: "Unsere Vorbereitung war gut, auch wenn sich erst in der Spielphase das ein oder andere ergeben wird." Die Liga einzuschätzen, fällt Thomas Pflugfelder vor dem Auswärtsauftakt beim SKV Unterensingen an diesem Samstag (19.30 Uhr) recht schwer. Eines ist für ihn dennoch klar: "Ziel ist auf jeden Fall der Nichtabstieg. Ein einstelliger Tabellenplatz wäre herausragend."

Thomas Pflugfelder setzt auf eine recht junge Truppe. Und das nicht nur, weil Oldie Sebastian Sauerland seine Karriere in der ersten SKV-Mannschaft beendet hat. Kanten wie den gestandenen Routinier sucht man im aktuellen Kader vergeblich. "Wir sind nicht so athletisch, sondern eher schnell und klein, müssen viel über die Beine machen", schildert der Oberstenfelder Trainer. Massiv zusammenstehen ist für ihn dennoch entscheidend: "Die Abwehr wird eine zentrale Rolle spielen. Wir wollen versuchen, möglichst unter 30 Gegentoren zu bleiben." Die Deckung hat er dafür "ein bisschen offensiver als 5:1 hingestellt".

Ein zweiter wichtiger Baustein ist für Pflugfelder die Torwart-Position. Deshalb wurde beim SKV nun in der Zeit nach dem einstigen Keeper-Giganten Nicolai Uhl verstärkt auf Torwart-Training gesetzt. "Das hat schon Früchte getragen", betont der Chefcoach mit Blick auf Yannik Zieker und Tim Schniering.

Eine interessante Personalie beim SKV ist Zugang Martin Lübke, der nicht zuletzt wegen Thomas Pflugfelders Beziehungen in Oberstenfeld gelandet ist. Der talentierte Linkshänder kommt aus Bietigheim und dürfte den rechten Rückraum beleben. Pflugfelder kennt Lübke senior und konnte den umworbenen Youngster so gewinnen - es geht eben einfach familiärer zu beim SKV Oberstenfeld.

Kein Aufstiegsdruck bei der NSU

Unterbau NSU II

Möglichst oft jubeln, das ist die Devise von Trainerin Maike Daniels und der Neckarsulmer U23. Der Aufstieg ist aber keine Pflicht.

Foto: Andreas Veigel

Maike Daniels ist eine Frau mit vielen Fähigkeiten. Ausgeprägte Geduld gehört nicht gerade dazu, wie die ehemalige Bundesliga-Spielmacherin und heutige NSU-Jugendkoordinatorin gerne gesteht: "Nein, damit bin ich nicht gesegnet." Und doch macht sie ihrem Württembergliga-Team, der U23 der Sport-Union, in Sachen Aufstieg keinen Druck.

Obwohl das Neckarsulmer Erstliga-Team eigentlich dringend einen Unterbau auf deutlich höherer Ebene bräuchte. Obwohl die Oberliga bereits in der Vorsaison zum Greifen nahe war für Neckarsulms Zweite Mannschaft.

"So ein Aufstieg will geplant sein. Er bringt uns nichts, wenn wir dann eine Fahrstuhlmannschaft werden. Ich werde mich jetzt sicher nicht aus dem Fenster lehnen und sagen, wir wollen aufsteigen. Wenn er kommen sollte, nehmen wir ihn aber natürlich gerne mit", sagt Daniels vor dem Eröffnungs-Spiel gegen den TSV Denkendorf an diesem Sonntag (17 Uhr) in der Pichterichhalle.

Mit Svenja Mann (SG Schozach-Bottwartal) und Lena Halupka (Bönnigheim) hat Neckarsulms U23 wichtige Stützen verloren. "Wir haben keine namhafte Führungsspielerin", betont die einst so namhafte Führungsspielerin Maike Daniels: "Unsere Erfahrenen sind sehr jung - junge Erfahrene." Zudem habe man "im Moment nicht gerade einen superbreiten Kader". Viele Zugänge hat es bei der Sport-Union nicht gegeben.

 "Die Wechselwilligkeit junger und sehr talentierter Spielerinnen war nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Zum Teil liegt das wohl auch an Corona. Nun gilt es, sukzessiv U19-Spielerinnen einzubauen", schildert die Cheftrainerin, die auf der NSU-Bank erneut Branko Dobricic an ihrer Seite hat. Es ist erneut ein anspruchsvoller Spagat zwischen forcierter Talentförderung und Fight um die Tabellenspitze. Für die Juniorinnen soll er nicht zur Zerreißprobe werden: "Es sind sehr, sehr junge Menschen - da machen wir keinen Druck."

Beim Auftakt gegen die erfahrenen Denkendorferinnen wäre Maike Daniels das ohnehin nicht möglich, weil sie auf einer Trainerfortbildung ist. So musste sich die Co-Trainerin der ersten Mannschaft schon nicht zwischen den beiden NSU-Teams entscheiden, denn auch die Bundesliga-Mannschaft spielt am Sonntag. Bei künftigen Überschneidungen wird von Fall zu Fall entschieden. Fällt die Entscheidung gegen die U23, nimmt Dobricic das Zepter allein in die Hand. "Wir sind ein vertrautes Tandem", sagt Daniels.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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