Großes Schaulaufen der Handballer für Tokio

Handball  Die EM-Qualifikationsspiele der DHB-Auswahl dienen als Kandidatenkür für die Olympischen Spiele. Der Horkheimer Sebastian Heymann hat gute Aussichten auf eine Nominierung.

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Bundestrainer Alfred Gislason will die beiden EM-Qualifikationsspiele nutzen, um Rückschlüsse für sein Olympia-Team zu gewinnen. Foto: Archiv/dpa

Der Bundestrainer war entspannt. Kurz vor Beginn der virtuellen Pressekonferenz verschwand Alfred Gislason kurz, um sein Poloshirt zu wechseln - rot statt schwarz. "Dann sind wir im Partnerlook", ulkte Sportvorstand Axel Kromer. Der besseren Optik wegen schaltete Gislason auch noch die virtuelle Sponsorenwand im Hintergrund weg und gewährte damit Blick ins heimische Wohnzimmer. "Ich finde es ja nicht so schlimm, wenn Teile meines Gesichts nicht zu sehen sind", grinste der 61-jährige Isländer.

Die beiden abschließenden EM-Qualifikationsspiele am 29. April in Bugojno gegen Bosnien-Herzegowina und am 2. Mai in Stuttgart gegen Estland kann die DHB-Auswahl tatsächlich entspannt angehen. Der erste Platz in der Gruppe ist bereits sicher, das EM-Ticket gebucht. Im Vordergrund steht das Schaulaufen für das olympische Turnier.

Ein Grundgerüst für Tokio hat der Bundestrainer im Kopf

Denn bis zum Auftaktspiel gegen Spanien am 24. Juli in Tokio wird es keine weiteren Länderspiele mehr geben. Für die Wackelkandidaten ist es dementsprechend die letzte Gelegenheit, Pluspunkte in Gislasons Notizbuch zu sammeln. "Für den einen oder anderen werden das wichtige Spiele", verkündete der Bundestrainer.

Denn der Olympia-Kader umfasst nur 14 Spieler. Drei weitere, darunter ein Torhüter, werden zwar mit nach Japan fliegen, dürfen aber nicht im Olympischen Dorf wohnen und nur unter strengen Voraussetzungen nachnominiert werden. Ein Grundgerüst für Tokio hat der Bundestrainer schon im Kopf. "Ich hoffe natürlich, dass alle bis Saisonende gesund bleiben", sagte Gislason.

Zwei Kaderplätze sind den Torhütern vorbehalten. Sichere Kandidaten sind der aktuell verletzt fehlende Kapitän Uwe Gensheimer sowie der Kieler Innnenblock um Hendrik Pekeler - der die EM-Qualifikationsspiele auslassen darf - und Patrick Wiencek. Dazu sind Spielmacher Philipp Weber, die Rückraumschützen Julius Kühn und Kai Häfner sowie die Außen Timo Kastening und Marcel Schiller gesetzt. Johannes Golla dürfte aufgrund seiner überragenden Saison in Flensburg und starken Auftritten bei der WM im Januar ebenfalls fix dabei sein.

Sebastian Heymann hat im Rückraum augenblicklich die Nase vorn

Um die verbleibenden drei Kaderplätze streitet ein Dutzend weiterer Kandidaten. Der Horkheimer Sebastian Heymann hat augenblicklich als zweiter Mann hinter Kühn im linken Rückraum gegenüber den Konkurrenten die Nase vorn. Lukas Stutzke kann an der Kandidatenkür nicht teilnehmen, weil er sich mit dem Bergischen HC in Quarantäne befindet. Für ihn nominierte Gislason Fabian Böhm nach, der aber schon bei der Olympia-Qualifikation in Berlin zumeist als Zuschauer auf der Tribüne saß. Marian Michalczik von den Füchsen Berlin wurde von Gislason nach dem WM-Aus nicht mehr nominiert. Dessen Teamkollege Paul Drux hat nach einer Knie-Operation erst am Dienstag sein Comeback gefeiert. Der 26-jährige Füchse-Kapitän dürfte dennoch Heymanns ärgster Widersacher sein.

Denn bis zum geplanten Bundesliga-Saisonende am 27. Juni kann noch sehr viel passieren. Angesichts des immensen Pensums der Spieler könnte sich der Olympiakader dann beinahe von allein aufstellen.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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