Große Ziele sind für Patrick Groetzki längst nicht begraben

Handball  Der Mannheimer Rechtsaußen Patrick Groetzki plant nach langer Pause und schweren Zeiten ein starkes Comeback. Die Tür zur Handball-Nationalmannschaft sei für ihn weiter offen, betont er bei einem ungewöhnlichen Einsatz auf einer Großbaustelle in Massenbachhausen.

Email

Auf ungewohnter Position: Der Mannheimer Rechtsaußen Patrick Groetzki hat als Praktikant für einen Tag auf einer Großbaustelle in Massenbachhausen mit angepackt.

Foto: Mario Berger

Nein, Patrick Groetzki muss trotz herber Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf seinen Sport nicht umschulen. Auch wenn der 31-Jährige am Donnerstag auf einer Massenbachhausener Großbaustelle im Bagger der Firma Amos sitzt und fröhlich die mächtige Schaufel schwingt. Unter dem Motto "Praktikant Patrick packt an" besuchte der Nationalspieler diese Woche drei Unternehmen, um dort im Rahmen der PR-Aktion einmal einen etwas anderen Arbeitstag als gewohnt zu erleben. Sein Tätigkeitsfeld bleibt aber weiter die Handball-Bundesliga mit den Rhein-Neckar Löwen.

Doch natürlich hat sich der Profisportler nach dem vorzeitigen Saisonabbruch seine Gedanken über die Zukunft gemacht: "Wir wissen ja noch nicht, was in den nächsten Jahren auf uns zukommt, sollte das alles noch länger anhalten." Weitere Praktika wird Groetzki aber kaum brauchen. Er ist gut vorbereitet, studiert an der Dualen Hochschule in Mannheim Medien- und Kommunikationsmanagement. Die Bachelorarbeit ist bereits abgegeben, zwei Prüfungen sind noch zu schreiben: "Ich bin auf der Zielgeraden."

Ein gutes Gefühl, gerade beim Blick nach vorn: "Wir waren in den letzten Monaten schon ein bisschen zum Nichtstun verdammt. Da hilft so etwas, weniger Zukunftsängste zu haben. Man hat für die Zeit nach dem Handball etwas in der Hinterhand, worauf ich mich auch freuen kann."

Vorbereitungsstart mit einigen Fragezeichen

Doch noch denkt Groetzki lange nicht an sein Karriereende. Am Montag startet der Rechtsaußen mit den Rhein-Neckar Löwen in die Vorbereitung auf eine Saison, die wie so vieles zu diesen Zeiten noch von enormer Ungewissheit begleitet wird. Wie läuft das Training genau ab, gibt es Corona-Tests, startet die Runde wirklich im Oktober? Es gibt zahlreiche Fragen und oftmals keine klaren Antworten.

Groetzki nimmt es gelassen: "Es ist trotzdem eine Luxus-Situation. So lange hat man für eine Vorbereitung sonst eigentlich nie Zeit. Ich werde am Montag da hingehen und alles auf mich zukommen lassen. Ich bin mittlerweile schon entspannter, auch wenn natürlich weiter Vorsicht geboten ist."

Pandemie ist für Patrick Groetzki etwas Persönliches

Die Pandemie ist für Patrick Groetzki ohnehin etwas Persönliches. Im März war er positiv getestet worden - wie einige andere Mannheimer Mannschaftskollegen auch. "Die Krankheit verlief bei mir aber sehr mild. Das einzige, was wirklich nervig war, war, dass ich über eine Woche lang nichts gerochen und nichts geschmeckt habe." Auch die zweiwöchige Quarantäne mit Frau Jenny und den einjährigen Zwillingen Emma und Mila sei eine kleine Herausforderung gewesen: "Das war schon nicht ganz leicht, mit den beiden so lange nicht vor die Tür gehen zu können."

Ansonsten konnte Groetzki die Zeit mit der Familie aber durchaus genießen: "So scheiße wie alles mit dem Saisonabbruch und ohne Handball war - ich war seit April eigentlich fast ausschließlich mit meinen Kindern zusammen, das wäre sonst definitiv nicht möglich gewesen. Das habe ich echt genossen."

Ein schwieriges sportliches Jahr

Kein allzu großer Genuss war für Patrick Groetzki die sportliche Zeit vor Covid-19, wie er offen erklärt: "Es war kein einfaches Jahr. Wir waren mit den Löwen nicht so erfolgreich, was wir aus den letzten Jahren eigentlich gar nicht gewohnt sind. Für mich persönlich war die Nicht-Nominierung für die EM dann zusätzlich noch schwer."

Bereits während sich die deutsche Nationalmannschaft zu Platz fünf spielte, nutzte Groetzki den ungeliebten Freiraum, um "neue Motivation zu schöpfen und gut zu trainieren". Er hat "die lange Pause als Chance begriffen, an Schwachstellen zu arbeiten, körperliche Wehwehchen mal richtig auszukurieren und jetzt am Montag gleich richtig fit da zu sein".

Positive Gespräche mit dem Bundestrainer

Denn die großen Ambitionen sind mitnichten begraben. "Ich hatte bereits Gespräche mit dem Bundestrainer - der hat die Türe auf keinen Fall zu gemacht. Ich sehe es so, wie es auch sein sollte - zeigt man konstant bessere Leistungen als die Konkurrenten, hat man es auch verdient, dabei zu sein. Das gilt für jeden und das ist mein Ziel für die kommenden Monate. Ich gebe auf keinen Fall auf, das ist nicht mein Naturell."

Auch mit den Rhein-Neckar Löwen soll es nach der schlechten Saison wieder nach oben gehen: "Wir wollen wieder in die Spur kommen, wir wollen wieder Champions League spielen und auch ein Wörtchen um die Meisterschaft mitreden." Zwar werde es gegen den THW Kiel mit dem norwegischen Top-Zugang Sander Sagosen noch schwieriger, "aber trotzdem bleibt das Ziel, da oben anzugreifen und regelmäßig international zu spielen". Das habe im vergangenen Jahr sehr gefehlt.

Viele Ziele und Träume, die es zu verwirklichen gilt

Außerdem "steht ja im nächsten Sommer hoffentlich noch ein großes Turnier mit der Nationalmannschaft an - da wieder dabei zu sein, ist immer noch ein Riesenziel. Ich hoffe schon, dass ich in meiner Karriere noch ein bisschen was vor mir habe. Es sind viele Ziele und Träume, die es zu verwirklichen gilt".

Gebaggert wird also künftig maximal noch im Sandkasten mit seinen Zwillingen.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

Kommentar hinzufügen