Friede, Freude, ganz viel Kuchen für die Fleiner Handballerinnen

Handball  Nach dem Fleiner 40:15-Kantersieg im Verbandsliga-Derby gegen die SG Heuchelberg gibt es überraschenderweise keinen echten Verlierer. Dafür aber ein kulinarisches Problem.

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Angelina Kny (am Ball) erzielte mit dem 30. und 40. Fleiner Treffer gegen die SG Heuchelberg gleich zwei Tore mit Folgen.

Foto: AndreasVeigel

Am Ende gab es nur ein Problem. Und das war ein süßes. "Wir wissen bald nicht mehr, wann wir die Kuchen alle essen sollen", sagte Fleins Spielmacherin Elena Seiz. Denn zu besonderen Anlässen wird beim TVF gebacken. Ein Verbandsliga-Spiel mit weniger als 20 Gegentoren - es gibt Kuchen von Trainer Tobias Gärttner. Den 30. und 40. Treffer erzielen - Kuchen von der Schützin. So wurden beim 40:15 (17:5)-Kantersieg im ungleichen Derby gegen die SG Heuchelberg am Sonntag gleich drei Stück fällig.

SG freut sich über jeden der 15 eigenen Treffer

Bitter schmeckte die Partie auch für den ganz klar geschlagenen Gast nicht. Im Gegenteil. Die gute Laune von SG-Trainer Benjamin Koch nach der vierten Niederlage im vierten Spiel war mehr als Friede, Freude, Eierkuchen: "Alle 15 Tore, die wir geworfen haben, waren einfach etwas Gutes. Selbst das sorgt bei uns für positive Vibes. Wir haben zwei Langzeitverletzte, lauter Kranke - es mussten Spielerinnen auf Positionen ran, die sie noch nie gespielt haben und trotzdem reißen sie sich den Hintern auf." Bei der SG Heuchelberg gibt es deshalb keine Kuchen, sondern "einen Happy-Euro-Tag - wenn wir es irgendwann schaffen, einmal ein Training mit allen Spielerinnen zu haben, muss jede erstmal einen Euro bezahlen", erklärte Koch.

Ersatzgeschwächt zahlte der Gast trotz manierlichem Kampf jede Menge Lehrgeld beim gnadenlosen Aufstiegskandidaten. "Das war ja vorher klar, bei denen läuft es - das ist Wahnsinn", sagte der SG-Trainer. Dass die Fleinerinnen trotz der haushohen Favoritenrolle richtig ins Laufen kamen, fand Coach Gärttner wahnsinnig beeindruckend: "Wir waren über 60 Minuten konsequent, das macht mich nach diesem Spiel echt glücklich. Wir haben nicht nachgelassen, egal, wer auf dem Feld war."

Erdrückende Dominanz der Gastgeberinnen

Ein bisschen Mitleid habe es mit dem Gast zwar zwischenzeitlich schon gegeben, "aber du kannst auch schlecht sagen, wir schalten deshalb einen Gang zurück - schon irgendwie komisch". Zwar wechselte der Fleiner Trainer nach dem Spurt zur 12:3-Führung in der 21. Minute munter durch, nahm damit die erdrückende Dominanz des TVF aber nicht aus der Partie.

Die SG Heuchelberg gab sich zwar zu keinem Zeitpunkt auf, stolperte aber offensiv immer wieder über die eigenen Fehler, die die Fleinerinnen mit Gegenstößen bestraften. Die Gäste-Fans feierten aber auch Marie-Louise Betz' Treffer zum 5:17-Pausenrückstand noch so euphorisch, als hätte sie den Ausgleich erzielt. Ohnehin sorgten die etwa hundert Zuschauer trotz der einseitigen Partie für eine gute Stimmung. Für die Fleiner war es ja auch nicht allzu schwierig. Auffällig großen Jubel von der TVF-Bank gab es in der 49. Minute, als Angelina Kny einen der unzähligen Gegenstöße zum 30:11 abschloss. Und auch den Treffer zum zweiten Kuchen konnte Kny mit den 40:15-Endstand 20 Sekunden vor der Schlusssirene nicht aus dem Weg gehen, was neben Applaus zu großer Erheiterung führte. Die vierfache Torschützin nahm es mit einem zuckersüßen Lächeln.

Koch hätte gerne auf das 40. Gegentor verzichtet

Ein klitzekleines Problem über den Kuchen hinaus gab es dann am Ende doch noch. Für SG-Trainer Benjamin Koch. "Es ist schon schade, dass wir 40 Tore bekommen haben. Ich wäre gerne bei 39 geblieben - aber dafür sind die Fleinerinnen einfach zu clever, den wollten sie unbedingt machen."

Auch wenn es deshalb jetzt eine sehr schlaue Strategie braucht, um all den erspielten Kuchen auch verwertet zu bekommen - es gibt wahrlich größere Probleme, wenn auch nicht in Flein.

TV Flein: Amon, Pezzi (Tor) - Riek (8/1), Wüstholz (1), Herkert (3), Baumann (2), Mohr (2), Steller (3), Rodrigo (1), Seiz (9/4), Neutz (1), Kny (4), Trabert (6).

SG Heuchelberg: Würz, Bayer (Tor) - Eberling (4), Müller, Rohrbach, Betz (2), Pfister (4), Würz, Sigloch, Bilienis, Müller (1), Feierabend, Sittig (1), Betz (3), Thiele.

Siebenmeter: TVF 5/5; SGH 3/2.

Zeitstrafen: 0/3. Zuschauer: 83.

 

Glücksbringer

Wer genau hinschaut, der entdeckt bei jeder Fleinerin eine kleine, pinke Spange im Haar. Sitzt die nicht, wird eine Strafe in die Mannschaftskasse fällig. Laura Neutz ist für die strikte Kontrolle zuständig. Schließlich ist das alles eine glücksbringende Tradition. "Woher die kommt, weiß ich nicht - die gab es schon vor mir", sagt Spielmacherin Elena Seiz. Gegen die SG brauchte Flein zwar kein Glück, wenn demnächst das Topspiel gegen Böblingen/Sindelfingen ansteht, kann so ein Team-Talisman aber sicher nicht schaden. 


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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