Feuertaufe im Nationaltrikot für Selina Kalmbach

Handball  Die Deutschen Handballerinnen lösen das WM-Ticket. Beim 34:23 gegen Portugal ist Selina Kalmbach von der Neckarsulmer Sport-Union mittendrin.

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Breites Siegerlächeln bei Selina Kalmbach (Mitte) und Co.

Fotos: dpa

Plötzlich war er da, der Moment des Debüts. Selina Kalmbachs allererste Länderspiel-Sekunden kamen unverhofft. 16 Minuten lang hatte die Neckarsulmer Bundesliga-Spielerin gestern in Hamm auf der Ersatzbank gesessen. Hatte zugeschaut, wie sich die deutschen Teamkolleginnen auf dem Feld gegen Außenseiter Portugal im verkrampften Kampf um ein WM-Ticket unnötig schwertaten.

Wie schon im Playoff-Hinspiel am vergangenen Samstag. Und genau wie beim 32:27 (17:10)-Auswärtserfolg in Luso deutete wenig darauf hin, dass Bundestrainer Henk Groener Johanna Stockschläder auf Linksaußen für Kalmbach aus der Partie nehmen sollte.

Die Nummer 95 der Deutschen wird unsanft ausgebremst

Zu präsent zeigte sich die künftige Neckarsulmerin, zu wichtig war Stockschläders Tempo im extrem stotternden Spiel, das Portugal offensiv erneut fast durchgängig mit sieben Feldspielerinnen bestritt. Doch dann wurde die deutsche Nummer 95 unsanft ausgebremst. Auf dem Weg zu ihrem dritten Tor, dem wichtigen 8:8-Ausgleichstreffer, wurde Stockschläder von der portugiesischen Deckung hart zu Boden gebracht. Dort blieb sie mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen. Zwar konnte die 26-Jährige nach einer Weile selbstständig vom Feld laufen und mit dem Daumen nach oben zeigen. Zurück kam sie aber bis zur Schlusssirene nicht mehr. Stattdessen schickte Groener Selina Kalmbach zu ihrer Feuertaufe im Nationaltrikot. Die Abstatterin verbrannte sich an der unerwartet hohen Einsatzzeit nicht die Finger.

Stattdessen steuerte sie ihre ersten beiden Treffer und eine solide Leistung zum letztlich ungefährdeten 34:23 bei. "Ich bin wahnsinnig glücklich über dieses Spiel. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht. Die zweite Halbzeit war sehr souverän, die Stimmung nach dem Spiel überragend. Natürlich ist man sehr stolz darüber. Ich freue mich über so viel Einsatzzeit und Vertrauen", sagte Selina Kalmbach.

Das erste Anspiel gibt Kalmbach direkt zurück

Feuertaufe im Nationaltrikot für Selina Kalmbach

Mit der Nummer fünf im erlesenen Kreis der Nationalspielerinnen angekommen: Selina Kalmbach durfte gegen Portugal vor dem Jubel 44 Minuten aufs Feld.

Ihr Anfang im deutschen A-Kader aber, der war kein leichter. Das erste Anspiel im Angriff gab die 23-Jährige prompt zurück, statt zum Tor zu ziehen. Der deutsche Weg zum versöhnlichen 15:11-Pausenstand lief anschließen vorwiegend über die rechte Angriffsseite. "Es war nicht einfach. Wir haben nicht so richtig reingefunden", gestand Kalmbach. Sie selbst fand vor allem über kompromisslose Abwehrarbeit in die Begegnung.

In der zweiten Hälfte steigerte sich der gesamte deutsche Abwehrverbund. Johanna Stockschläder applaudierte mit dick bandagiertem rechtem Oberschenkel. Der Jubel über den Erfolg ihrer künftigen Neckarsulmer Mannschaftskollegin im portugiesischen Tor hielt sich in Grenzen. Mit acht Paraden war Isabel Góis Deutschland im ersten Durchgang gehörig auf die Nerven gegangen. Bei Selina Kalmbachs erstem Tor war sie in der 34. Minute aber machtlos. Mia Zschocke bediente die Debütantin mit einem langen Bodenpass, Kalmbach vollstreckte abgeklärt zum 17:13. Noch wichtiger war anschließend ihr zweiter Treffer, nachdem Zschocke eine Zwei-Minuten-Strafe erhalten hatte. Mit einem Aufsetzer ließ sie Góis beim 18:15 keine Chance.

MIt einem guten Gefühl nach Hause

Zwar verkürzten die tapferen Portugiesinnen noch einmal auf 16:18, das deutsche Spiel kam nun aber endlich ins Rollen. Als Selina Kalmbach Xenia Smits den Assist zum 21:16 gegeben hatte, griff der Gast zur Auszeit. Den Lauf von Henk Groeners Team bremste das nicht. Spätestens beim 23:16 (40. Minute) war die Partie vorentschieden.

Selina Kalmbach nutzte die restliche Spielzeit dennoch, um defensiv immer wieder Akzente zu setzen. Als die Luft in der Endphase draußen war, leiste sich die Linksaußen allerdings auch drei Fehlwürfe. Dem erleichterten Jubel nach der Schlusssirene tat das keinen Abbruch. Zumal sich Kalmbach mit einem geklauten Ball in den letzten Sekunden mit einem positiven Abwehrsignal verabschiedete.

Auf Wiedersehen? "Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Ich denke, dass ich mein erstes Länderspiel mit einem sehr guten und positiven Gefühl beenden kann. Ich wurde gut in die Mannschaft integriert und bin da auch reingewachsen."

 

Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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