Ein schwerer letzter Schritt für die JSG

Handball  Gegen FrischAuf Göppingen wartet in der finalen Runde der Bundesliga-Qualifikation ein anderes Kaliber auf die U19 der JSG Neckar Kocher. Die setzt auf ihren Heimvorteil und eine Jetzt-erst-recht-Reaktion.

Email

Da lang geht"s zur Bundesliga: JSG-Trainerin Nadine Wiume will ihre Mannschaft mit aller Macht in die höchste Spielklasse führen, weiß aber um die Schwierigkeit.

Auf dem Weg zur angestrebten Qualifikation für die Jugendbundesliga (JBHL) blieb die Tür für die U19 der JSG Neckar Kocher zunächst einmal geschlossen. Zumindest für Cheftrainerin Nadine Wiume.

Gewissenhaft war sie vor Ort, als am Dienstag der finale Gegner für ihre A-Juniorinnen ausgespielt wurde. Damit die Übungsleiterin für den letzten Schritt an diesem Sonntag ab 17 Uhr in der Neckarsulmer Ballei bestmöglich gewappnet ist. Nur durfte Wiume wegen der Corona-Schutz-Maßnahmen nicht hinein in die Halle ohne Zuschauer.

Also stand sie an einem Fenster und verfolgte die Partie zwischen FrischAuf Göppingen und RW Neckar als externe Beobachterin im Freien. So gut es eben ging: "Ich hatte einen Balken im Blickfeld und habe von beiden Teams nur die Hälfte gesehen." Dennoch ist sich Nadine Wiume nach dem deutlichen Göppinger 28:16 ganz sicher: "Da kommt ein schwerer, starker Gegner auf uns zu. Die wollen es genauso wie wir. Das wird wahrscheinlich ein sehr offenes Spiel."

Für Göppingen kann die ungewohnte Kulisse unangenehm werden

Ein schwerer letzter Schritt für die JSG

Anna Aurenz (Mitte) und die U 19 der JSG müssen nach dem Sieg gegen die Kickers noch einmal alle Kräfte mobilisieren.

Fotos: Mario Berger

Offen sind am Sonntag dann auch die Türen der Neckarsulmer Halle. Nicht nur für die Mannschaften, sondern auch für bis zu 250 interessierte Zuschauer. "So ein Heimvorteil pusht immer", ist sich Nadine Wiume mit den Erinnerungen an das 31:22 gegen die Stuttgarter Kickers in der ersten Quali-Runde sicher. "Es war schon Wahnsinn, was da am Samstag los war und eine massive Unterstützung."

Und für den Gegner mitunter eine zusätzliche Herausforderung, betont die JSG-Trainerin: "Göppingen hat sein erstes Spiel ohne Publikum gespielt, also schon ewig nicht mehr vor Zuschauern. Für die wird die Kulisse eher unangenehm sein. Das ist schon ein Vorteil für uns."

Wegen der Verletzung von Sophie Hilf sind alle noch immer betrübt

Ein Nachteil für das Neckar-Kocher-Team ist hingegen des Fehlen von Leistungsträgerin Sophie Hilf, die sich gegen die Kickers schwer am Knie verletzt hat. "Als diese Woche die Bestätigung gekommen ist, das sie sich das Kreuzband gerissen hat, ist die Sache nicht besser geworden. Alle sind immer noch sehr betrübt deshalb", gesteht Wiume.

Andererseits kann so ein Verlust auch zusätzliche Kräfte bei den anderen Spielerinnen freisetzen. Die JSG-Trainerin weiß das natürlich: "Mit diesem Opfer wollen wir jetzt erst recht. Jede Einzelne will dem trotzen. Wir sind ganz sicher nicht chancenlos, wenn die Halle voll da ist und wir hundert Prozent unseres Potenzials abrufen."

Vom Göppinger Rückraum musste gegen die Kickers nicht viel kommen

In welcher Abwehrformation das die JSG-Mädchen versuchen werden, darüber grübelt Nadine Wiume noch. Die aggressive, schnelle 3:2:1-Deckung hat gegen die Stuttgarterinnen gut funktioniert und passt eigentlich auch zu den kleinen, schnellen Göppingerinnen, die die JSG-Trainerin am Dienstag - zumindest in Teilen - gesehen hat.

Das Problem: "Rot Weiß war nicht wirklich ein Gegner für Göppingen. Vom Rückraum musste nicht viel kommen, weil das Eins gegen Eins schon gereicht hat." Also bleibt Wiume flexibel und freut sich darüber, dass "wir mehr Formationen spielen können". Und sich die Ausrichtung bei Bedarf an den Göppinger Gegner anpassen lässt.

Wer in die Bundesliga will, muss jeden schlagen

An diesem Samstagmorgen sieht sich das Team der JSG Neckar Kocher ein letztes Mal zur taktischen Besprechung vor dem Showdown am Sonntag. "Wir werden es sicher nicht herschenken", verspricht Nadine Wiume. "Völlig egal, wie stark der Gegner ist - wer in die Bundesliga will, muss jeden schlagen und dafür werden wir alles tun."

Ein zweites Mal sollen die Göppingerinnen die Türe für die JSG nicht versperren. Der Weg in die Jugendbundesliga soll nur über das Neckar-Kocher-Team führen.


Trainer-Team

Chefcoach? Das ist für Nadine Wiume nicht ganz das passende Wort. "Wir machen das komplett zu dritt", sagt die federführende U19-Trainerin der JSG Neckar Kocher und meint damit sich, Branko Dobricic und Damir Lebovic. "Ich treffe schon die finalen Entscheidungen. Wer der Chef ist, ist aber schwer zu sagen, wir sind ein Team. Jeder bügelt die Schwächen des anderen aus - sechs Augen sehen immer mehr als zwei", betont Wiume. Sie habe eine ähnliche Idee vom Handball, wie Dobricic und auch Lebovic, der erst kürzlich von den Metzinger Juniorinnen gekommen ist. dok

 

Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

Kommentar hinzufügen