Beherzter Neckarsulmer Neuaufbau im blanken Blaumann

Handball  Ohne alte Strahlkraft, aber mit frischem Wind: Die Neckarsulmer Landesliga-Männer präsentieren sich nach ihrem Oberliga-Rückzug mit starker Moral gegen den TV Mundelsheim.

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Ein Team, das zusammensteht: Die Neckarsulmer präsentierten sich bei ihrem ersten Heimspiel als verschworene Einheit.

Fotos: Mario Berger

Es sind eher leise Töne in der Neckarsulmer Pichterichhalle. Kaum hörbar klimpert zurückhaltende Instrumentalmusik, als die Männer der Sport-Union am Samstagabend zum ersten Heimspiel schreiten. Auf das vetraute "Can't Stop" der "Red Hot Chili Peppers", den früheren Rock-Soundtrack zum Oberliga-Einlauf, warten die Zuschauer vergeblich - es ist ein folgerichtiger Verzicht.

Schließlich hat der Verein höherklassige Ambitionen bewusst gestoppt, wollte lieber auf der deutlich kleineren Landesliga-Bühne in neuen Takt finden. Mit einem 28:27 (13:14) gegen den routinierten TV Mundelsheim, dem zweiten Sieg im zweiten Saisonspiel, hat die neuformierte Mannschaft ihren Rhythmus zum Auftakt ganz gut gefunden. Wobei große Teile des Teams eher einer Boyband gleichen.

Zwie knappe Siege zum Saisonauftakt

"Ich komme direkt aus der Jugend. Das war mein erstes Heimspiel - ich war am Anfang schon ziemlich nervös", gestand der 19-jährige Niklas Müller, der sich gegen Mundelsheim wie viele andere Neckarsulmer bis zum 5:11 in der 23. Minute zahlreiche Fehler leistete. Trotzdem kam Müller am Ende noch auf beachtliche sieben Treffer und seine Sport-Union zum knappen Sieg. Schon der Neckarsulmer Auftakt in Bittenfeld war mit einem 20:19 eine knappe Sache gewesen.

"2000er Jahrgang und jünger sind bei uns eben sehr viele dabei. Klar sind die nervös, aber die kommen hinten über den Kampf. Wir haben einfach Vertrauen in uns. In die Tiefe unseres Kaders und das Tempo. Wir wollen Leidenschaft, Kampf und Spaß vermitteln. Zeigen, dass Neckarsulm lebt. Ich glaube, die Truppe hat eine super Ausstrahlung", sagte der zufriedene Trainer Jonas Heilmann.

Dass die Strahlkraft in der Oberliga - als Heilmann noch Neckarsulmer Spielmacher war - etwas stärker war, lässt sich auf dem Trikot der SUN-Männer ablesen. Der frische Blaumann kommt gänzlich blank daher, ohne jeglichen Sponsoren-Aufdruck. Der Trainer trägt ebenfalls das dunkle Neckarsulmer Mannschafts-Jersey, auf dem lediglich die Nummer und der neue Vereinsname stehen: "Ich habe auch noch ein Trikot gekriegt, falls es doch mal eng werden sollte. Ich halte mich fit, trainiere mit - die Option gibt es. Meine Hauptaufgabe ist aber Trainer. Ich vertraue den Jungs und bisher läuft es ja."

Früherer Oberligaspieler Robin Matschke ist der Abwehrorganisator

Beherzter Neckarsulmer Neuaufbau im blanken Blaumann

Paul Lang und Co. ließen sich auch von Rückschlägen nicht stoppen.

Vor allem dank der beherzten Arbeit in der Abwehr. An der ein alter Bekannter aus dem ehemaligen Oberliga-Team wesentlichen Anteil hat: Robin Matschke. "Wir haben in ihm natürlich einen Mega-Abwehrspieler, der die anderen neben sich auch verbessert, das alles richtig zusammenhält", betont Heilmann.

Warum der athletische Matschke der Sport-Union im Gegensatz zu vielen anderen die Treue gehalten hat? "Ich habe nicht umsonst zugesagt. Mir war wichtig, dass es hier weitergeht. Es sind alles junge Kerle, die richtig Bock haben sich weiterzuentwickeln. Das finde ich geil. Wir trainieren dreimal die Woche, das macht sicher nicht jeder Landesligist. Wir wollen zeigen, dass der Herren-Handball in Neckarsulm nicht gestorben ist", sagt der Kreisläufer, der offensiv bisher allerdings nur wenig Lebenszeichen senden konnte. "Das war schon in den Testspielen so - wahrscheinlich liegt es an mir", scherzt Matschke. Ein Mangel, den die Neckarsulmer durch ihren breiten Kader bisher kompensieren konnten.

Breiter Kader hat sich bereits als Vorteil erwiesen

"Wir haben 14 Leute, die über 60 Minuten Vollgas geben und kämpfen können. Solche Wechseloptionen hatte weder Mundelsheim noch Bittenfeld", unterstreicht Jonas Heilmann die Stärke seines Neckarsulmer Kollektivs. Ob es auch stark genug für den Aufstieg ist? "Die Reise geht von Spiel zu Spiel. Ich kenne die Liga nicht, gucke jede Woche ein neues Video an. Wir wollen natürlich immer gewinnen, das ist klar", sagt Heilmann.

Aufstiegsdruck gibt es dennoch nicht. Der Neckarsulmer Trainer wählt also lieber leise Töne: "Da sind wir wirklich völlig frei von jeglichem Druck. Wir haben einen Neustart, müssen uns neu finden, jeder seine Rolle. Es gibt kein Ziel, das sofortiger Aufstieg heißt." Rock"n"Roll darf es wenn schon nicht beim Einlauf dann doch aber gerne während des Spiels geben.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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