Weinsberg will in der Oberliga nicht wieder zittern

Handball  Nach einer Seuchensaison hofft der TSV Weinsberg auf eine gesunde Runde, in der der Abstieg schon früh kein Thema mehr ist.

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Weinsberg will in der Oberliga nicht wieder zittern

Sven König hängt sich für Weinsberg immer voll rein. Über etwas mehr Verschnaufpausen als zuletzt dürfte sich aber auch der Käpt'n freuen.

Foto: Andreas Veigel

Jan König weckte schon vor dem Oberliga-Start böse Erinnerungen, als er bei der Weinsberger Generalprobe auf dem Fuß eines Gegenspielers landete und vom Feld humpelte. "Es ist aber nichts langfristiges", gab Trainer Markus Kübler vor dem schwerem Heimauftakt gegen den TVS Baden-Baden an diesem Sonntag (17 Uhr) erleichtert Entwarnung. Langzeitverletzungen hatte Weinsberg in der vergangenen Saison schließlich wahrlich genug.

Fast wöchentlich wurde um einen einigermaßen schlagkräftigen Kader und letztlich auch um den Klassenerhalt gezittert. Nach einem kleinen Umbruch hofft Trainer Kübler nun auf eine gesunde Runde: "Wir machen unsere Ambitionen aber nicht an einem Tabellenplatz fest. Die Saison soll aber deutlich angenehmer werden. Mit dem Abstieg möchten wir möglich früh nichts zu tun haben." Was dafür und was dagegen spricht:

Rückraumpower: Die Offensive des TSV bleibt eine Bank. Selbst in der von Verletzungen geprägten Vorsaison kamen die Weinsberger mit 811 Treffern noch auf einen manierlichen Wert. Im Rückraum harmonieren die König-Brüder bestens mit Kumpel Max Schulze und durch den erfahrenen Zugang Benjamin Röhrle wird der Angriffsmotor sicher nicht schwächer. Die Youngster Moritz Wahl, Benedikt Baumann und Jonas Dück sorgen zudem für Spritzigkeit. Auf den Außen steht mit Alexander Ruck und Florian Frank zusätzliche Pferdestärke.

Altbekanntes: Weinsberg weiß, wie es geht. Auch die Seuchensaison 2018/19 brachte der TSV letztlich trotz immensem Druck mit Klassenerhalt und Happy End über die Ziellinie. In den Jahren zuvor gab es zweimal den fünften Platz, die Weinsberger zählten fast schon zu den Topteams. Trainer-Rückkehrer Markus Kübler trifft mit seiner vertrauten, ruhigen Art den richtigen Ton. Trotz kleinem Umbruch kennt sich ein großer Teil des Teams schon sehr lange und ist in Freundschaft verbunden.

Publikum: Auf die Treue der Weibertreuhalle dürfen sich auch die Oberliga-Burschen verlassen. Der achte Mann ist beim TSV ein lauter. Hier wird mit viel Herz getrommelt und gerne gefeiert. Auch wenn die Heimstärke in der vergangenen Saison etwas zu wünschen übrig ließ, taugt die Halle mit diesem Publikum zur Festung.

Vorbereitung: Selbst wenn die Generalprobe gegen den Bayernligisten Waldbüttelbrunn mit 36:32 (18:12) letztlich glimpflich über die Bühne gegangen ist − die Weinsberger Vorbereitung war wieder einmal durchwachsen. Württembergligisten wurden nur knapp, oder gar nicht geschlagen. Bei sieben neuen Spielern, die es zu integrieren gilt, keine große Überraschung. Dem starken Auftaktgegner und Drittliga-Absteiger TVS Baden-Baden wird das aber egal sein.

Achsenbruch: Mit Rico Reichert ist den Weinsbergern nicht nur ein starker Kreisläufer verloren gegangen, sondern auch eine der stärksten Achsen der Oberliga. Sven König und Reichert waren ein extrem gefürchtetes Duo. Den Neu-Horkheimer nominell nur mit dem unerfahrenen 20-jährigen Neuzugang Moritz-Lukas Lanig zu ersetzen und zudem auf Allrounder Felix Reichert zu bauen, ist äußerst gewagt.

Torhüter: Auch im Tor hat sich Drittligist TSB Horkheim in Weinsberg bedient und dem TSV mit Yannick Hölzl einen enorm zuverlässigen Rückhalt genommen. Fabrice Wersch steht in Weinsberg ebenfalls nicht mehr zwischen den Pfosten. Die Lücke im Kasten schließen sollen Phillipp Rupprecht und Tobias Krems. "Am Anfang habe ich mir auch sorgen gemacht, aber Tobias ist ein echter Riese und auch Phillipp macht es gut", sagt Sven König.

Prognose: Wenn selbst ein Weinsberger Rumpfkader den Klassenerhalt schafft, sollte es auch diesmal kein allzu großes Problem werden. Um vorne mitzuspielen, fehlen aber ein paar Prozentpunkte.

 

 

Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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