Verkehrte Welt beim TSV Weinsberg: Hinten hui, vorne pfui

Handball  Weinsberg unterliegt zum Oberliga-Auftakt mit 21:26 gegen TVS Baden-Baden. Zumindest Keeper Florian Krems darf sich aber nach seinem Debüt als Gewinner fühlen.

Verkehrte Welt beim TSV Weinsberg: Hinten hui, vorne pfui

Tobias Krems feierte mit 17 Paraden ein formidables Oberliga-Debüt, die Auftaktniederlage konnte der Youngster aber nicht verhindern.

Foto: Andreas Veigel

Zumindest ein Weinsberger durfte sich mit Fug und Recht über sein Oberliga-Debüt freuen: der neue Torhüter Florian Krems. Dank der 17 Paraden des 20-Jährigen blieb der TSV Weinsberg am Sonntag beim Auftaktspiel gegen Drittliga-Absteiger TVS Baden-Baden lange dran, verlor am Ende aber verdient mit 21:26 (12:16).

Kein Wunder, dass der Neuzugang von der SG BBM Bietigheim ein wenig zwischen Euphorie und Enttäuschung schwankte: "Wow, das war eine super Kulisse hier. Das kenne ich aus der Württembergliga so nicht." Tatsächlich lieferten sich die Fangruppen auf den gut gefüllten Rängen in der Weibertreuhalle ein heißes Dezibel-Duell.

Intensives Spiel mit einem Dutzend Zeitstrafen

Recht hitzig ging es auch auf dem Spielfeld zu, was sich in einem Dutzend Zeitstrafen widerspiegelte. "Das war ein sehr, sehr intensives Spiel", sagte Felix Reichert, der den Kreisläufer-Job von seinem zum TSB Horkheim gewechselten Bruder Rico geerbt hat, ihn offensiv aber noch nicht gleichwertig ersetzen konnte. Allerdings war der 23-Jährige in erster Linie auch defensiv gefordert. Gemeinsam mit Max Schulze bildete der gelernte Rückraumspieler den Weinsberger Innenblock. Schulze erhielt aber bereits in der 19. Minute die zweite Zeitstrafe, so dass Trainer Markus Kübler schon früh zu Umstellungen gezwungen war.

Die Neuzugänge Moritz-Lukas Lanig und Benedikt Baumann übernahmen im Wechsel mit Reichert die zentrale Defensivaufgabe. Es galt vor allem die gegnerischen Kreisläufer zu stoppen. "Da bringt Baden-Baden richtig Masse mit", konstatierte Baumann und hatte damit doppelt recht. Denn die Gäste hatten nicht nur drei Kreisläufer im Kader, sondern mit Matthias Seiter und Jannik Geisler zwei davon jenseits der 100-Kilo-Grenze. Im Ergebnis erzielte das Trio aber lediglich drei Treffer, die Weinsberger Abwehr erfüllte ihre schwere Aufgabe also leidlich. "Wenn wir in den kommenden Wochen ähnliche Abwehr- und Torhüterleistungen zeigen, wäre das viel wert", war auch TSV-Trainer Markus Kübler mit seinem Defensivverband zufrieden.

Sven König fehlte sein Lieblings-Passempfänger

Es haperte im Offensivbereich. Spielmacher Sven König fehlte sein Lieblings-Passempfänger am Kreis. Mit harten Attacken gegen Moritz Wahl zog die offensive Gäste-Abwehr dem Youngster früh den Zahn. Königstransfer Benjamin Röhrle war im Rückraum kein Faktor. Schulze fehlten nach der frühen zweiten Zeitstrafe die Abschlüsse in der zweiten Welle.

Die einzig funktionierende Waffe waren König-Pässe auf die einlaufenden Außen. Zu wenig, um die schnelle und zupackende Gästeabwehr mehr als nur punktuell in Verlegenheit zu bringen. "Leider haben wir vorne zu viele Chancen liegen lassen", analysierte Krems.

Rückhalt mit der Nummer 99

Schon den schmeichelhaften Vier-Tore-Rückstand zur Pause hatten die Weinsberger in erster Linie ihrem Rückhalt mit der Nummer 99 zu verdanken. Vier Zeitstrafen erschwerten die Offensivaufgabe allerdings zusätzlich. "Die Baden-Badener haben geschickt Strafen gezogen. Das hätten wir in einigen Situationen auch erzwingen müssen", monierte Kübler. Das klappte im zweiten Durchgang besser, da holten sich die Gäste das Gros ihrer Strafen ab und schon stockte das Angriffssspiel.

Doch Röhrle mit einem Siebenmeter an die Latte, Reichert mit zwei vergebenen freien Würfen und Lanig mit einem verpatzten Freiwurf halfen kräftig dabei mit, dass die Gäste die zwei Punkte letztlich souverän mitnahmen.

TSV Weinsberg: Krems (17 Paraden), Rupprecht (Tor) - Schulze (4), Röhrle (2/1), Braun, Lanig, Reichert (2), S. König (4/1), Ruck (1), Frank (3), Baumann (2), Wahl (1), Darancik (2), Dück.

Bester Schütze des TVS: Schlager (7).

Siebenmeter: TSV 3/2; TVS 3/2.

Zeitstrafen: 6/6.

Zuschauer: 400.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig. 

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