Saisonziel der SG ist, sich in Liga 3 zu etablieren

Handball  Nach Erfolgen in den vergangenen Jahren ist das Frauenteam der SG Schozach-Bottwartal in der 3. Liga angekommen. Mit einem großen Kader setzt der Aufsteiger jetzt auf kleine Schritte.

"Wir wollen uns etablieren"

Als Außenseiter in eine Partie gehen − das kennt das Handball-Frauenteam von Michael Stettner kaum noch. Nach dem Spurt von der Landes- in die 3. Liga seit Stettners Amtsantritt darf die SG Schozach-Bottwartal beim Heimauftakt gegen Regensburg an diesem Sonntag (17 Uhr) völlig ohne Druck antreten.

Im Interview spricht der Trainer über die veränderte öffentliche Wahrnehmung, wie er es schafft, den großen Kader zu managen, und warum es ihn nervt, dass auch jetzt noch immer über einen möglichen weiteren Aufstieg gemunkelt wird.

Herr Stettner, Sie haben stattliche 19 Spielerinnen im Kader. Alle bei Laune zu halten, dürfte keine allzu kleine Aufgabe werden, oder?

Michael Stettner: 16 Spielerinnen darfst du eintragen und das wollten wir nutzen. Franzi Ziegler ist erstmal im Ausland und nur zur Rückrunde da. Mit Rena Keller und Hannah Hönnig haben wir zwei, die auch noch Jugend spielen und wahrscheinlich nicht bei jedem Spiel dabei sind. Wir haben eine gute Breite, das ist definitiv so. Bis jetzt klappt es ganz gut − wohlwissend, dass ich einen relativ schweren Job habe, um alle abzuholen. Ich bin von Quantität und Qualität aber voll überzeugt.
 

Gibt es denn eine klare Rollenverteilung im großen Kader?

Stettner: Dass wir eine Svenja Kaufmann nicht holen, um sie dann jede Halbzeit nur fünf Minuten zu bringen, ist auch klar. Die Rollen sind klar verteilt, aber eine klassische erste Sechs gibt es nicht mehr. Wir haben mehr jüngere Spielerinnen, die sich toll machen und die etablierten herausfordern − das läuft bisher aber sehr harmonisch ab. Ich erlebe die Mannschaft wirklich vom ersten Training ab harmonisch. Das liegt sicher auch daran, dass sich ganz viele schon von früher kennen und größtenteils schon einmal zusammen gespielt haben. Jede gönnt jeder alles − da gibt es noch keinen Stunk.


Bis es die ersten Niederlage gibt...

Stettner: Wir sind ja vergangenes Jahr auch nicht ohne Niederlagen durch die Oberliga marschiert. Es ist sicher nicht so, dass die alle nicht mehr wissen, wie sich verlieren anfühlt. Was anders wird, ist, dass wir uns keine Aussetzer mehr erlauben können. Du musst jedes Spiel funktionieren. An einem schlechten Tag trotzdem noch gewinnen, an einem mittelmäßigen sehr wahrscheinlich gewinnen und an einem guten alles niederreißen − das wird es nicht mehr geben.


Trotzdem wird schon wieder gemunkelt, dass die SG mit diesem Kader eigentlich erneut aufsteigen könnte − nervt das eigentlich?

Stettner: Mich persönlich nervt das schon. Man muss ja auch das Umfeld mitziehen. Ich glaube gar nicht, dass wir 2. Liga schaffen könnten mit Fahrten nach Berlin und Flensburg. Ich persönlich habe aktuell einen 40-Stunden-Job. Niemand der Mädels arbeitet in Teilzeit, nur die Jüngeren sind noch in der Schule oder studieren. Wir müssen uns sicherlich vor niemandem verstecken. Aber irgendwann ist es auch mal vermessen, immer weiter zu sagen, wir müssen hoch.


Was sind dann die Saison-Ziele?

Stettner: Wir wollen uns etablieren, konzentrieren uns auf die ersten Spiele und möchten möglichst gut reinkommen. Ich habe gerade nur Regensburg im Kopf. Und dann kommt Pforzheim. Danach folgt eines nach dem anderen.


Anders ist schon jetzt die öffentliche Wahrnehmung. Sie bewegen sich als Drittligist mit vielen bekannten Gesichtern aus der Region in einer interessanten Gegend, oder?

Stettner: Ich habe schon das Gefühl, dass wir ziemlich interessant geworden sind. Da bekommst du auch Anfragen von Spielerinnen, die sich vor einem Jahr einfach noch nicht gemeldet hätten. Ich bin selbst gespannt, wie viele Leute kommen und ob Regensburg da jetzt drei Busse mitbringt. Dass mehr Leute aus dem direkten Umkreis kommen, da bin ich mir ziemlich sicher.


Vielleicht kommt ja ein Bus aus Neckarsulm. Möchten Sie mit mehreren Ex-Spielerinnen im jetzigen Kader Kampfansagen an den großen Nachbarn formulieren?

Stettner: Nein, ich glaube eher, wir können voneinander profitieren. Ich sehe das als Miteinander und nicht als Konkurrenz. Von Neckarsulm sind wir von den Möglichkeiten noch Lichtjahre entfernt. Und da wollen wir auch noch gar nicht hin.


Wo wollen Sie denn zum Auftakt gegen Regensburg hin?

Stettner: Es kommt gleich die Mannschaft, die letztes Jahr auf Platz zwei war und jetzt sehr, sehr offensiv das Thema Aufstieg angeht. Die wollen da hoch, die müssen da fast schon hoch. Ich sehe uns trotzdem nicht komplett chancenlos, aber Favorit ist definitiv Regensburg. Ich bin der Meinung, dass es sicherlich eines der Highlights der Saison wird. Zum einen ist es das erste Drittliga-Spiel zu Hause, der Auftakt. Zum anderen kommt die Mannschaft, die hoch will. Wir wollen trotzdem was holen.


Ohne Druck in ein Spiel gehen, ist ja auch mal wieder schön...

Stettner: Der Druck liegt beim Gegner, genau. Solche Spiele hat es die letzten zwei, drei Jahre, in denen ich Trainer war, nicht allzu viele gegeben. Ja, das tut auch mal ganz gut.

 

Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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