Neckarsulmer Rückrundenkönige sollen endlich auch in der Hinrunde liefern

Handball  Die Sport-Union strebt in ihrem dritten Oberliga-Jahr eine konstantere Saison an. Zum Saisonauftakt kommt Herrenberg mit Trainer Fabian Gerstlauer nach Neckarsulm.

Neckarsulmer Rückrundenkönige sollen Hinrunde lernen

David Track ist vom Landesligisten aus Bönnigheim nach Neckarsulm gewechselt. Der 25-jährige Linkshänder soll zusammen mit Eigengewächs Niklas Brake versuchen, Fabian Göppele im rechten Rückraum zu ersetzen.

Foto: Andreas Veigel

Eine sportliche Binsenweisheit lautet: "Hinten kackt die Ente". Getreu dieses Mottos haben die Neckarsulmer Oberliga-Männer in den vergangenen beiden Saisons auf eine bescheidene Hinrunde eine fulminante Rückrunde folgen lassen und damit jeweils den Klassenerhalt gesichert.

"Darauf wollen wir uns in dieser Saison aber nicht verlassen", setzt Trainer Clemens Borchardt auf einen guten Start seiner Jungs bereits im Heimspiel am Samstag (17.30 Uhr) gegen die SG H2 Ku Herrenberg. Das Saisonziel bleibt aber dasselbe wie in den Vorjahren: der Klassenerhalt.

Der erste Gegner stellt für den ersten Schritt auf diesem langen Weg womöglich ein gutes Omen dar: Vor genau einem Jahr gelang gegen die SG zum Auftakt ein 25:22-Auswärtssieg. Die Herrenberger reisen allerdings mit einem neuen Cheftrainer in die Pichterichhalle, der in der Region ein alter Bekannter ist. Der langjährige Fleiner Spieler Fabian Gerstlauer steht bei der SG in der Verantwortung und feiert gegen die Sport-Union sein Liga-Debüt.

Bitter war für ihn unter der Woche die Nachricht, dass sein Spielmacher Dominic Rose mit einem Kreuzbandriss ausfallen wird. Bei den Neckarsulmern fehlt berufsbedingt Kevin Matschke.

Was ist über das erste Spiel hinaus in dieser Saison von der Sport-Union in positiver und negativer Hinsicht zu erwarten?

Kaderbreite/Flexibilität: Die Sport-Union ist auf allen Positionen doppelt besetzt, kann vom Papier her gut durchwechseln, ohne dass größere Leistungseinbrüche zu befürchten sind. Wie schon im Vorjahr wurde der Kader gezielt ergänzt. Tim Gröger vom TV Flein ist sicher der prominenteste Neuzugang, der 22-Jährige ist im linken Rückraum und als Spielmacher einsetzbar. Mit Robin Mahl oder Jonas Heilmann haben die Neckarsulmer weitere Akteure im Kader, die unterschiedliche Positionen bekleiden können. Trainer Borchardt kann seine Formationen also dem jeweiligen Gegner anpassen, wodurch sein Team schwer ausrechenbar ist.

Trainer/Teammanger: Nach einer Serie von 0:12 Punkten wurde Aufstiegstrainer Peter Baumann im vergangenen November entlassen und Clemens Borchardt unerwartet vom Co- zum Cheftrainer befördert. Dabei hatte der 33-Jährige ebenso wie der für den Trainerwechsel verantwortliche Teammanager Henning Tittel gerade erst die aktive Karriere beendet. Der Plan des Novizen-Duos war gewagt, erwies sich aber als Volltreffer. Unter Borchardt fand das Team seine Siegermentalität und Leidenschaft wieder. Das Augenmerk legte der neue Coach auf die Defensive, die Zügel im Training wurden angezogen. Mit attraktivem Tempo-Handball gelang die sportliche Trendwende. Dadurch kamen auch mehr Zuschauer zu den Heimspielen und in der Pichterichhalle herrschte häufiger eine angemessene Oberliga-Atmosphäre.

Mentalität/Nervenstärke: Zwei Jahre Kampf um den Klassenerhalt haben die Leistungsträger des Teams gestählt. Die Sport-Union bringt so schnell nichts aus der Ruhe, Rückschläge werden schnell weggesteckt. Die Führungsspieler um Benjamin Schreider, Felix Trumpp und Robin Mahl übernehmen in Schlüsselsituationen die Verantwortung.

Karriereende Göppele: Fabian Göppele war über Jahre der Neckarsulmer Garant für die einfachen Tore und einer der besten Linkshänder der Liga. "Einer allein kann ihn nicht ersetzen", weiß Borchardt. Niklas Brake hat vergangene Saison schon angedeutet, dass er in die großen Schuhe hineinwachsen kann, Kevin Matschke kann die Position ebenfalls spielen, Neuzugang David Track braucht bestimmt Anlaufzeit. Aber keine Frage, "Göpi" wird der Sport-Union fehlen.

Tiefstapelei: Den Klassenerhalt als Ziel auszugeben, ist die Minimalanforderung. Die Mannschaft hat schon bewiesen, dass sie höhere Ziele erreichen kann. Da dürfen die Verantwortlichen ruhig mal ein bisschen mutiger werden.

Zweite Geige: Die Bundesliga-Frauen der Sport-Union sind in Aufbruchstimmung, sprechen sogar schon von einer Vision Europapokal. Die Nachwuchsförderung im weiblichen Bereich soll massiv ausgebaut werden. Da droht der männliche Bereich aus dem Blickfeld zu geraten und künftig fehlen womöglich Talente wie Brake oder dem inzwischen in Kornwestheim spielenden Felix Kazmeier.

Prognose: Ohne die zuletzt notorische Hinrundenschwäche sichert sich die Sport-Union früh den Klassenerhalt und schließt die Oberliga-Saison erstmals mit einem positiven Punktekonto ab.

 

Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig. 

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