Neckarsulmer Oberliga-Auftakt: Katerstimmung statt Spielrausch

Handball  Fabian Gerstlauer feiert bei seinem Trainerdebüt mit der SG H2Ku Herrenberg einen 30:21-Kantersieg in Neckarsulm. Das Ganzhornfest dient als Seelentröster für die Spieler der Sport-Union.

Neckarsulmer Oberliga-Auftakt: Katerstimmung statt Spielrausch

Neben der Spur: Benjamin Schreider und seine Neckarsulmer kamen gegen die aggressive SG-Deckung überhaupt nichts ins Rollen.

Fotos: Andreas Veigel

Manchmal helfen nur noch spezielle Maßnahmen. "Es ist besser, das alles schnellstmöglich zu vergessen. Wenn jetzt die Hälfte richtig einen brennt und danach ist das Spiel aus dem Kopf und die Jungs für die nächste Woche im Training wieder heiß wie Frittenfett, dann sollen sie es gerne machen", blickte Neckarsulms Trainer Clemens Borchardt am Samstagabend ein paar Kilometer weiter auf hochprozentige Hilfsmittel beim Ganzhornfest. Berauschendes hatte er von seinem Team zuvor wahrlich nicht gesehen.

Bereits kurz nach dem 21:30 (11:17) gegen die stark kämpfende SG H2Ku Herrenberg herrschte bei der Sport-Union allerdings schon Katerstimmung. Auf wackligen Beinen waren sie in die Oberliga gestrauchelt, hatten nie wirklich voll auf die Platte gefunden. "Man hat gesehen, dass wir noch einige Lücken haben, die wir mit Qualität füllen müssen", sagte NSU-Spielmacher Benjamin Schreider, der es nicht schaffte, das unerfahrene Team in die Spur zu führen.

Neckarsulm ist früh total verunsichert

Nach der ersten Enttäuschung und zwei Beruhigungs-Zigaretten analysierte Borchardt ruhig, aber bestimmt: "Wir kommen direkt schwer ins Spiel, obwohl wir uns vorgenommen hatten, von der ersten Minute an präsent zu sein. Wir sind ein junges Team und brauchen Grund-Aggressivität. Wenn wir gleich in Rückstand geraten und noch ein, zwei Freie verwerfen, tut uns das nicht gut. Die Verunsicherung ist dann ziemlich groß."

Diesen Mangel nur auf die Neckarsulmer Neuen und das Fehlen von Kevin Matschke zu schieben, wäre zu einfach. Schließlich stand mit David Track auf halbrechts zunächst nur ein Zugang in der Anfangsformation. Und der war es, der bis zum 2:6 in der neunten Minute für die beiden einzigen Treffer im uninspirierten Angriff der Sport-Union sorgte. "Für mich persönlich lief es am Anfang ganz gut, trotzdem sind wir sehr schlecht rausgekommen", sagte Track.

Auch nach einer Auszeit von Clemens Borchardt kamen seine Neckarsulmer vor stattlichen 300 Zuschauern nicht wirklich besser in die Partie. "In der Deckung waren wir viel zu passiv und auf der anderen Seite lassen wir uns auf 13 Metern unclever verprügeln, statt den Ball laufen zu lassen", monierte der Coach.

Gerstlauer hatte die richtigen Schlüsse aus dem Videostudium gezogen

Neckarsulmer Oberliga-Auftakt: Katerstimmung statt Spielrausch

Fabian Gerstlauer erlebte auf der SG-Bank einen gelungenen Einstand.

SG-Trainer Fabian Gerstlauer erlebte nah der alten Fleiner Heimat hingegen ein Pflichtspiel-Debüt nach Maß. Seine Herrenberger waren immer einen Schritt schneller und schienen besser auf den Kontrahenten eingestellt: "So stellt man es sich vor. Wir hatten das Glück, dass wir Neckarsulm zweimal auf Video hatten und sie dann genau das gespielt haben. Das war ein Vorteil. Die Abwehr-Arbeit war letztlich aber der Schlüssel zum Erfolg."

Auch in Neckarsulm war das in der vergangenen Rückrunde so, gerade der Innenblock oftmals kaum zu überwinden. Am Samstag aber "war uns Herrenberg in punkto Aggressivität und Gedankenschnelligkeit überlegen, hat auch weniger technische Fehler gemacht - das hat dann zu dem hohen Halbzeitrückstand geführt", wunderte sich NSU-Keeper Michael Bognar über das 11:17 zur Pause.

Zehn-Tore-Rückstand zwölf Minuten vor dem Ende

Im zweiten Durchgang warf Clemens Borchardt alles rein. Versuchte es mit Umstellungen, Spielerwechseln und Apellen an die Ehre - vergeblich. Herrenberg blieb, gestützt auf einen starken Marvin Heinz im Kasten, das deutlich bessere Team. Obwohl auch Bognar einige starke Paraden zeigte, lag sein Team beim 14:24 (48.) erstmals zweistellig zurück. Die Partie war da längst gelaufen. Berauschend wurde es für die Neckarsulmer nur noch auf dem Ganzhornfest.

Neckarsulmer SU: Bognar, Max Kerner - Venton, Trumpp (1), Brake (3), Track (3), Schenk (4/1), Moritz Kerner (1), Gröger, Schreider (2/2), Hofacker (1), Heilmann (1), Gohly (1), Mahl (4/3).

Beste Schützen SG: Seeger (8/4), Marquardt (6), Bröhl (5).

Siebenmeter: NSU 9/6, SG 4/5.

Zeitstrafen: 2/3; Disqualifikation: -/Böhm (28.). Zuschauer: 300.

 

Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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