Jochen Zürn hofft auf eine Fortsetzung der Handball-Saison

Handball  Der sportliche Leiter des Zweitligisten SG BBM Bietigheim ist im Homeoffice voll beschäftigt, obwohl alle Personalentscheidungen auf Eis liegen. Seinen Geburtstag hat der frühere Horkheimer Coach aber im kleinen Kreis gefeiert.

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So nah wie hier kommen sich SG-Geschäftsführer Bastian Spahlinger (li.) und der Sportliche Leiter Jochen Zürn derzeit nicht.

Foto: imago-images/Hansjürgen Britsch

Am Montag hat Jochen Zürn seinen 58. Geburtstag gefeiert - im kleinen Kreis versteht sich. "Nur meine Kinder sind zu Besuch gekommen", sagt der Sportliche Leiter des Handball-Zweitligisten SG BBM Bietigheim. Langweilig wird es Zürn im heimischen Remseck ohnehin nicht. "Meine Tage sind voll."

Sport-Internate sind geschlossen

Denn im Hauptberuf leitet der Pädagoge das Internat am Olympia-Stützpunkt in Heidelberg sowie seit Sommer 2019 das Golf-Internat in St. Leon-Rot. Beide Institutionen sind geschlossen. Die Sportler allesamt nach Hause gefahren. "Ich versuche trotzdem mit jedem meiner Athleten einmal pro Woche persönlich Kontakt zu haben", sagt Zürn. Vom heimischen Laptop aus hält er auch Kontakt zu den Trainern und Schulen. Und natürlich mit den Verantwortlichen und Spielern der SG BBM. "Wir stehen vor einer krassen Herausforderung. Dagegen ist eine Kaderplanung Kinderfasching", sagt Zürn.

Momentan sind alle Personalentscheidungen auf Eis gelegt. Zu unsicher ist die Lage. "Ich hege die Hoffnung, dass wir die Saison noch beenden. Die verbleibenden Spiele ließen sich von Mitte Mai bis Ende Juni austragen. Zur Not eben als Geisterspiele ohne Zuschauer."

Dann hätte der Club zumindest die Vorgaben gegenüber den Sponsoren erfüllt. So recht daran glauben, will aber auch Zürn nicht. "Mich beruhigt, dass wir auf Basis der bisherigen Kaderplanungen in jedem Fall eine Mannschaft beisammen haben, die in jeder Liga konkurrenzfähig wäre."

Nach neun Siegen in Serie schnupperte die SG BBM am Aufstieg

Als Tabellendritter schnuppert die SG schließlich gerade mal wieder am Aufstieg in die erste Bundesliga. Neun Siege in Folge hatte das Team von Trainer Jón Jónsson von Anfang Dezember bis Anfang März eingefahren worden. Der Trend sprach also dafür, dass die Bietigheimer in den verbleibenden zehn Spielen noch an Essen oder Coburg vorbeiziehen würden.

Dass der vielversprechende Weg nun abrupt beendet sein soll, wäre natürlich ein herber Schlag. Und doch ist es das wahrscheinlichste Szenario. Das weiß auch Zürn: "Ich möchte nicht in der Haut der Entscheidungsträger stecken."

Ausmisten und Lesen

Erst einmal auf Sicht fahren, lautet also das Motto des Handball-Enthusiasten. Die unerwartet reichhaltige Freizeit an den Wochenenden hat Zürn genutzt, um mal zu Hause auszumisten. "Jetzt habe ich einen Raum voll, werde die Sachen aber aktuell nicht los", lacht er.

Immerhin bleibt viel Zeit zum Lesen. Mit der Handballer-Pflichtlektüre "Hölleluja" von Stefan Kretzschmar ist er gerade fertig geworden. Jetzt geht es an den "Tätowierer von Auschwitz" von Heather Morris. Ein Geburtstagsgeschenk.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig. 

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