Heymann und seine Kollegen freuen sich über ein bisschen Erholung

Handball  Mit einem lockeren 28:17(16:5)-Sieg gegen das Kosovo hat sich die deutsche Nationalmannschaft am Sonntag in den Sommerurlaub verabschiedet. Die Pause kommt den Spielern wie dem Horkheimer Sebastian Heymann nun gelegen.

Von Stephan Sonntag

Der Schlendrian stört den Saisonabschluss kaum
Torhüter Andreas Wolff lehrte den Handballzwerg Kosovo im ersten Durchgang das Fürchten. Nur fünf Mal trafen die Gäste.Foto: dpa

Nach einer langen Bundesliga- und Europapokalsaison sowie der Heim-WM im Januar ist die Pause zweifellos wohlverdient. Zwei Spieler haben allerdings gerade einmal zehn Tage Pause. Torhüter Till Klimpke und Rückraumspieler Sebastian Heymann sind ab dem 26. Juni wieder im Einsatz. Dann stößt das Duo zur U21-Nationalmannschaft von Trainer Martin Heuberger, die sich bereits ab dem 23. Juni im südbadischen Steinheim auf die WM im Juli in Spanien vorbereitet.

Klimpke nutzt die kurze Zeit für einen Trip nach Portugal, Heymann fliegt in die Türkei. Wohin genau? "Ich habe keine Ahnung. Das hat alles meine Freundin gebucht. Ich lasse mich überraschen", sagte der Horkheimer grinsend. "Es geht einfach darum, sich ein bisschen zu erholen und den Kopf freizubekommen."

Ob das nicht zu viel Belastung ist? "Nein", sagt Bundestrainer Christian Prokop unmissverständlich. "Diese Turniere sind in dem Alter ganz wichtig. Für Sebastian ist das eine Möglichkeit, sich als Führungspersönlichkeit unter Gleichaltrigen zu zeigen. Mit der Belastung muss er umgehen können." Die Entscheidung sei aber natürlich in enger Absprache mit den Vereinstrainern und Heuberger erfolgt.

Heymann und Klimpke erst in der zweiten Halbzeit auf dem Feld

Der Schlendrian stört den Saisonabschluss kaum
Sebastian Heymann (Mitte) bei seinem einzigen Treffer gegen den Kosovo. In drei Länderspielen hat der 21-Jährige bisher sieben Tore erzielt. Foto: dpa

Die hohe Belastung war sicher ein Grund dafür, dass sowohl Heymann als auch Klimpke am Sonntag erst zur zweiten Hälfte aufs Spielfeld durften. Mit dem 19:6 in der 35. Minute gelang dem 21-Jährigen sein erster Treffer. Länderspieltreffer Nummer acht fiel dann aber nicht mehr.

In der 45. Minute stand der Innenpfosten im Weg, in der 48. Minute bei einem Freiwurf unter Zeitspiel bekam Keeper Haris Berisha noch die Finger an den Ball. Nach 50 Minuten beorderte Prokop seinen Youngster wieder auf die Bank.

Der Handballzwerg Kosovo hatte vor 7187 Zuschauern in der ausverkauften Arena Nürnberg von der ersten Sekunde an einen schweren Stand. Allein die Präsenz von Andreas Wolff im deutschen Tor schien bei den Kosovaren schon für weiche Knie zu sorgen und sämtlichen Dampf aus den Wurfarmen zu saugen.

Da die deutsche Abwehr um den Innenblock Erik Schmidt und Johannes Golla ebenfalls nicht gewillt war, sich leichte Treffer einzufangen, fanden die Gäste im Angriff praktisch nicht statt. Gerade einmal fünf Treffer gelangen dem jüngsten Mitglied im Kreise des Europäischen Handballverbands in den ersten 30 Minuten. "Das war die stärkste Abwehr, gegen die wir je gespielt haben", lobte Trainer und Handball-Globetrotter Taip Ramadani. Erst seit 2017 nimmt sein Team an den Vor-Qualifikationen für die großen Turniere teil. Überhaupt mal den Sprung in die "richtige" EM-Qualifikation geschafft zu haben, war schon ein Erfolg. Im April dieses Jahres gelang dem Team der bis dato größte Coup: ein 27:24-Sieg gegen Gruppengegner Israel.

Schlendrian kam in der zweiten Häfte

Da die deutsche Nationalmannschaft in der zweiten Hälfte langsam in den Urlaubsmodus zu schalten begann und längst nicht mehr so konsequent verteidigte und abschloss wie in den ersten 30 Minuten, hatten auch die Gäste ihre Erfolgsmomente. "Von den ersten 40 Minuten war ich schwer beeindruckt. Danach kam im Abschluss ein bisschen der Schlendrian ins Spiel", sagte Prokop.

Zwischendurch wurde die Angelegenheit dadurch ein wenig zäh, nicht einmal Top-Siebenmeterschütze Tobias Reichmann bekam die Kugel noch an Berisha vorbei. So kam der Kosovo in den zweiten 30 Minuten tatsächlich zu einem respektablen 12:12 gegen den WM-Vierten, der sein Leistungsvermögen nur in der ersten Halbzeit zeigte.

 


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