Gesucht: Der erste Grundschulmeister im Handball

Handball  Bezirk Heilbronn-Franken initiiert neues Schul-Kooperationsprojekt zur Nachwuchsförderung in Sachen Handball. So soll es aussehen.

Von Stephan Sonntag
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Gesucht: Der erste Grundschulmeister im Handball

Mit ähnlich viel Spaß wie bei der Mini-Handball-WM soll der Nachwuchs auch bei der Grundschulliga dabei sein.

Foto: Archiv/Seidel

Während der Weltmeisterschaft im Januar war Handball mal wieder im Fokus des Interesses. Im Nachlauf gilt es nun, diese Aufmerksamkeit für die Jugendarbeit zu nutzen. Die Ausgangsfrage ist dabei immer die gleiche: Wie kriege ich Kinder in meinen Verein?

Die Antworten darauf fallen unterschiedlich aus. Einen neuen Weg beschreitet ab dem kommenden Schuljahr der Handballbezirk Heilbronn-Franken. "Wir starten das Projekt Grundschulliga und küren den Heilbronner Grundschulmeister", sagte der Bezirkvorsitzende Heinz Nitsche am Donnerstag bei einer Informationsveranstaltung in Frankenbach. Acht Schulen haben sich bereits angemeldet.

"Handball spielt in der Grundschule aktuell keine Rolle. Mein Job ist es, die Leute heiß zu machen für das Projekt", sagt Till Fernow. Der 35-jährige frühere Drittliga-Trainer des VfL Pfulllingen ist beim Handballverband Württemberg (HVW) ehrenamtlich für die Lehrerfortbildung zuständig und betreut das offizielle Pilotprojekt in Stuttgart und Kornwestheim. "Ich freue mich, dass Heilbronn gleich mit auf den Zug aufspringt. Wir müssen nur darauf achten, dass nicht jeder Bezirk seine eigene Suppe kocht, sondern dass wir einheitlich vorgehen", sagte der Grund- und Reallschullehrer in Stuttgart-Stammheim.

Die Projektidee im Überblick:

Teilnehmer: Bis 19. Juli können sich Grundschulen aus dem Stadt- und Landkreis Heilbronn bei der Bezirksgeschäftsstelle anmelden. "Den Hohenlohekreis, Bad Mergentheim und Schwäbisch Hall wollen wir ab dem Schuljahr 2020/21 einbinden", kündigte Nitsche an. Das Angebot richtet sich in erster Linie an Dritt- und Viertklässler.

Spieltermine: An vier Freitagen im Schuljahr (Beginn 15. November) treffen die AGs der einzelnen Schulen an noch nicht festgelegten Spielorten aufeinander. Gespielt wird in gemischten Teams. Der Modus hängt von der Zahl der Teilnehmer ab. Am 26. Juni 2020 wird der erste regionale Grundschulmeister gekürt. "Durch den Wettkampfmodus entsteht nochmal eine ganz andere Motivation", sagt Fernow .

Spielweise: Es wird sogenannter "Aufsetzer-Handball" im fünf gegen fünf mit Softbällen gespielt. Zweikämpfe und Prellen sind bei dieser entschärften Variante verboten. Das ist nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass beim Schulsport meist nur ein Hallendrittel zur Verfügung steht. "Trotzdem werden handballspezifische Handlungsmuster trainiert", sagte Fernow.

Angebot: Der Bezirk bietet für die AG-Leiter und Lehrer Fortbildungen in Sachen Aufsetzer-Handball an, stellt die nötige Ausrüstung für die Schul-AGs. Zudem bekommt jedes Kind ein T-Shirt und es wird ein Bustransfer zu den Spielorten organisiert. Als Höhepunkt soll gemeinsam ein Handball-Bundesligaspiel besucht werden.

Vorbild: In Berlin geht die Grundschulliga bereits in ihre vierte Saison. Zuletzt nahmen 26 Teams mit mehr als 200 Kindern daran teil. Die Idee stammt vom umtriebigen Füchse-Manager Bob Hanning. "Ich habe das Projekt dort kennengelernt und war mir sofort sicher: Das machen wir hier auch", sagte Nitsche.

 

Perspektive: Es soll eine Win-Win-Situation entstehen. Talentförderung und Mitgliedergewinnung bei Vereinen und Verband, ein zusätzliches Bildungs- und Bewegungsangebot samt Fortbildungen auf Seiten der Schulen. "Wir können mit dem Projekt nur gewinnen", ist Fernow überzeugt.


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